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Ein Freitagabend in Turin, Flutlicht, 41.979 Zuschauer, und ein AC Parma, der vermutlich schon in der 20. Minute lieber wieder in den Bus gestiegen wäre. Yuventus Turin zeigte am 22. Spieltag der 1. Liga Italien eine Lehrstunde in Effizienz - und siegte 3:0 (2:0). Drei Tore, drei Torschützen? Nein, drei Mal Jubel - aber hintereinander hatten Giuseppe Moro, Miguel Delgado und Loris Gallo ihre glanzvollen Auftritte. Schon nach zehn Minuten brandete der Jubel auf. Rechtsverteidiger Giuseppe Moro, sonst eher für das Trikotziehen in der eigenen Hälfte bekannt, nutzte einen präzisen Pass von Taylor Darabont und zimmerte den Ball unhaltbar in den Winkel. "Ich weiß auch nicht, was mich da geritten hat", grinste Moro später. "Vielleicht die Erinnerung an meine Jugend als Stürmer - oder das Abendessen von gestern." Parma-Keeper Daniele Piccolo sah den Ball nur vorbeifliegen - wie ein verspäteter Silvesterböller. Nur zwei Minuten später folgte der nächste Schlag: Miguel Delgado, der Dirigent im Mittelfeld, bekam den Ball von Manuel Grimaldi und zog trocken ab. 2:0, zwölf Minuten gespielt. Trainer Kevin Mirabella riss die Arme hoch, und man konnte ihm das Lächeln ansehen, das nur Trainer haben, wenn der Matchplan funktioniert. "Wir wollten früh Druck machen", erklärte er nach dem Spiel. "Und ehrlich gesagt: Ich hatte gar keine Zeit, nervös zu werden." Parma hingegen schien schon in der Anfangsphase den Mut zu verlieren. Zwar hatten sie mit 52 Prozent Ballbesitz etwas mehr vom Spiel, aber das wirkte, als hielten sie den Ball nur deshalb lange, um ihn nicht wieder in der eigenen Hälfte suchen zu müssen. Henri Picard und Robert Domenica versuchten es mit ein paar müden Abschlüssen, doch Yuventus-Torwart Marco Talao blieb weitgehend beschäftigungslos. Bis zur Pause blieb Turin das gefährlichere Team. 13 Torschüsse insgesamt, und immer wieder Gallo, der rechte Flügelstürmer mit der Dynamik eines Espresso doppio. Seine Versuche in der 16. und 18. Minute zeigten: Er wollte sein Tor unbedingt. Und er bekam es. Direkt nach Wiederanpfiff, in der 47. Minute, traf Gallo nach Vorlage von Giorgio Trebisacce zum 3:0. Das Stadion tobte. "Ich hatte mir vorgenommen, nicht zu früh zu jubeln", sagte Gallo später, "aber dann sah ich den Ball im Netz und dachte: Ach komm, warum eigentlich warten?" Der Treffer war zugleich der endgültige K.o. für Parma. Trainer Hip Hop (ja, so steht es wirklich auf der Teamliste) warf die Arme in die Luft, und man konnte aus 50 Metern Entfernung seine Lippen lesen: "Was sollen wir da machen?" Seine Mannschaft hatte zwar nominell mehr Ballbesitz, aber kaum Durchschlagskraft. Die Taktik - "balanced" und ohne Pressing - wirkte, als hätte jemand vergessen, den Turbogang einzulegen. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Hop nach dem Spiel. "Leider waren wir dann zu ruhig - fast meditativ." In der 60. Minute wurde es kurz hitzig, als Parmas Rechtsverteidiger Vlassis Vassiliadis für ein taktisches Foul Gelb sah. Yuventus reagierte mit cleverem Wechselspiel: Delgado ging, Belcastro kam - frische Beine, gleiche Kontrolle. Später ersetzte Damiano Taverna den soliden Darabont, und Youngster Emanuele Bernardi durfte für Eugenio Marina ran. Trainer Mirabella kommentierte trocken: "Wenn man 3:0 führt, darf man auch mal den Jüngeren zeigen, wie sich Sieg anfühlt." Parma versuchte es noch über Picard und Domenica, aber die beste Chance war ein Schuss von Suarez in der 23. Minute - und der flog eher Richtung Oberrang als Richtung Tor. Der Rest war Verwaltungsarbeit. Yuventus spielte es herunter, souverän, fast schon gelangweilt. Nach dem Schlusspfiff klopfte Mirabella seinem Team auf die Schultern und sagte: "So kann’s weitergehen. Aber bitte nicht glauben, dass das immer so einfach ist." Gallo grinste und rief Richtung Presse: "Doch, Trainer! Genau so machen wir’s nächste Woche wieder!" Statistisch war’s ein klarer Fall. 13:5 Torschüsse für Yuventus, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und das mit weniger Ballbesitz. Parma hatte zwar den Ball, aber Turin hatte den Plan - und die Tore. Vielleicht das schönste Sinnbild des Abends: In der 82. Minute nahm Giuseppe Moro noch einmal Maß, sein Schuss knallte gegen die Latte - und selbst die Fans von Parma applaudierten. "Wenn du so triffst, brauchst du keinen Stürmer", murmelte ein Zuschauer mit Parma-Schal. So endete ein Abend, der für Yuventus wie ein Sonntagsausflug wirkte, und für Parma wie eine Nachtwanderung ohne Taschenlampe. 3:0, drei Punkte, drei Torschützen - und jede Menge Selbstvertrauen für die Turiner. Und Trainer Mirabella? Der ging nach dem Spiel pfeifend in die Kabine. Man munkelt, das Lied hieß "Alles läuft nach Plan". 01.10.643987 00:50 |
Sprücheklopfer
Das ist das größte Kompliment, was sich eine Mannschaft zuteil werden kann.
Günter Netzer