Sport-Blick
+++ Sportzeitung für Schweiz +++

Wunder von Zürich: Oberwallis dreht 1:3 - und verliert doch nur die Nerven

Wenn Fußball ein Drama ist, dann war das Spiel zwischen Rot-Weiss Zürich und dem FC Oberwallis am Donnerstagabend im Letzigrund der ganz große Shakespeare. 32.000 Zuschauer sahen einen Abend, der mit einem Zürcher Feuerwerk begann und mit einem Oberwalliser Orkan endete. Am Ende stand ein 3:4 - und ein roter Karton, der so überflüssig war wie ein Regenschirm in der Wüste.

Schon nach fünf Minuten bebte das Stadion. Paul Dubois, der alte Techniker auf der linken Seite, zog nach Zuspiel von Laurens Devenpeck ab - 1:0! "Ich hab einfach draufgehalten, der Ball wollte ins Netz, nicht ich", grinste Dubois später, als wüsste er selbst nicht genau, wie das Ding reinging.

Rot-Weiss spielte weiter wie entfesselt. In der 14. Minute kam Ernst Wegener im Mittelfeld an den Ball, sah den startenden Marwin Caron, und der machte das, was Stürmer in Hochglanzbroschüren tun: eiskalt einschieben. 2:0. Trainer Snore Laken von den Gästen stand reglos an der Seitenlinie, die Hände tief in der Jacke, der Blick irgendwo zwischen Entsetzen und Meditation.

Als Oberwallis dann tatsächlich etwas Druck aufbaute, kam Caron wieder - 42. Minute, 3:1. "Da dachte ich, das war’s", gab Zürich-Coach (der sich lieber nicht zitieren lassen wollte) später zu. "Wir hatten sie. Fast."

Denn nach der Pause verwandelte sich die Partie. Oberwallis, das bis dahin wie ein müder Bär gewirkt hatte, brüllte plötzlich los. Daniel Etxebarria, der flinke Linksaußen, traf in der 26. Minute schon einmal zum 2:1, aber das war nur ein Vorgeschmack auf das, was nach dem Seitenwechsel folgte.

In der 63. Minute donnerte Innenverteidiger Miguel Sa Pint nach einer Ecke den Ball per Kopf ins Netz - 3:2. "Ich hatte eigentlich gar nicht hochspringen wollen", lachte Sa Pint später, "aber Dimitar hat so laut geschrien, ich bin reflexartig hoch." Dimitar, das war Dimitar Berbatow, der rechte Verteidiger, der kurz vor Schluss noch seine eigene Geschichte schreiben sollte.

Mit dem Anschlusstreffer war Zürich plötzlich nervös. Pässe landeten im Nichts, und die zuvor souveräne Defensive wirkte, als hätte jemand den Stecker gezogen. Dann kam wieder Etxebarria - 71. Minute, nach Zuspiel von Pedro Beto, 3:3. Die Oberwalliser Bank explodierte, Trainer Laken, sonst eher von der schläfrigen Sorte, rannte an der Linie entlang, als habe ihn jemand mit Espresso getränkt.

Nur zwei Minuten später legte Claude Ziegler nach. Der 22-Jährige schlenzte den Ball nach Vorlage von Georges Bouchard ins lange Eck - 3:4. Die Zürcher Fans trauten ihren Augen nicht, während auf der Gästetribüne plötzlich Leute tanzten, die vorher gar nicht wussten, dass sie tanzen können.

"In der Halbzeit habe ich gesagt: Jungs, wir haben nichts zu verlieren - und sie haben’s wörtlich genommen", erklärte Laken nach dem Spiel und grinste. Tatsächlich: Seine Mannschaft hatte nichts zu verlieren, und genau so spielte sie. 17 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz - Zahlen, die den erstaunlichen Umschwung untermauern.

Zürich hatte dagegen nur noch Wut im Bauch und acht Schüsse aufs Tor. Einer davon, ein verzweifelter Versuch von Marwin Caron in der 90. Minute, ging knapp vorbei. Dann kam die Nachspielzeit - und mit ihr der Moment, der in Oberwallis wohl in keiner Kabinenanekdote fehlen wird: Dimitar Berbatow, bis dahin Vorlagengeber und Kämpfer, sah Rot. Ein Foul, das mehr nach Frust als nach Notwendigkeit aussah. "Ich wollte nur den Ball treffen", stammelte er später. "Leider war der Ball schon weg."

So endete ein Spiel, das eigentlich schon entschieden schien. 3:1 zur Pause, 3:4 am Ende - und eine Lehrstunde in Sachen Moral. "Wir haben uns selbst besiegt", meinte Zürichs Kapitän Ernst Wegener trocken. "Aber wenigstens stilvoll."

Am Spielfeldrand summte ein Fan, halb lachend, halb fassungslos: "Das war kein Spiel, das war ein Fiebertraum." Und tatsächlich - wer diesen Abend sah, wird ihn nicht vergessen. Die Oberwalliser haben bewiesen, dass man auch ohne Pressing (bis zur 90. Minute) Tore schießen kann, und Zürich hat gelernt, dass ein Vorsprung keine Versicherung ist.

Fazit? Wenn Snore Laken wieder mal verschlafen wirkt, darf man sich nicht täuschen - seine Mannschaft weckt Tote auf. Und Rot-Weiss Zürich wird künftig wohl wissen: Fußball dauert 90 Minuten, plus ein paar Albträume.

26.09.643993 11:51
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
Stefan Effenberg nachdem der Transfer von Sebastian Deisler zum FC Bayern bekannt wurde
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager