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Ein kalter Februarabend, Flutlicht im Molineux Stadium, 46.455 Zuschauer mit dicken Schals und noch dickeren Nerven: Wolverhampton empfängt Southampton am 9. Spieltag der 1. Liga England. Am Ende steht ein schmales, aber hochverdientes 1:0 für die Gastgeber - ein Ergebnis, das Trainer Linus Van Pelt später trocken kommentierte: "Schönheitspreise gibt’s keine, Punkte schon." Die Partie begann mit einem Paukenschlag - allerdings auf der falschen Seite. Schon in der ersten Minute prüfte Southamptons Archie Locklear den wachen Matias Custodio im Wolves-Tor mit einem saftigen Flachschuss. "Da war ich noch nicht mal richtig warmgelaufen", grinste Custodio nach dem Spiel. Southampton blieb zunächst das aktivere Team, hatte in den ersten 20 Minuten gleich drei Abschlüsse, vor allem durch Marc Muster, der scheinbar beschlossen hatte, dass jeder Ball ein Torversuch sein müsse. Doch Wolverhampton fand langsam ins Spiel. Linksverteidiger Torsten Reichert wagte sich in der 13. Minute mutig nach vorne - sein Schuss ging zwar über das Tor, aber das Publikum honorierte den Versuch mit einem aufmunternden Raunen. Kurz vor der Pause kam der Moment des Abends: In der 36. Minute brachte Innenverteidiger Tom Dekerf nach einer Standardsituation den Ball artistisch in den Strafraum, und Maximilian Dubois, ganz Mittelstürmer, verwandelte eiskalt aus sechs Metern. 1:0 - und das Stadion vibrierte. "Ich hab einfach nur gehofft, dass ich den Ball richtig treffe", lachte Dubois später, "und diesmal hab ich’s nicht versemmelt." Trainer Van Pelt winkte ab: "Das war einstudiert. Na ja, fast." Southampton reagierte wütend, fand aber kaum Lücken in der kompakten Defensive der Wolves. Ironischerweise war es die Defensive selbst, die sich im Laufe des Spiels als kreativster Mannschaftsteil präsentierte. Dekerf räumte hinten alles ab, was sich bewegte, und kassierte dafür in der 81. Minute noch Gelb - ein klassischer Fall von "zu viel Leidenschaft, zu wenig Geduld". Die Gäste hatten zwar mit elf Torschüssen gegenüber sieben der Hausherren die Nase vorn, doch meist fehlte Präzision oder der letzte Funken Mut. Trainer Raine Maida, sichtbar genervt, meinte nach dem Spiel: "Wir hatten das Spiel im Griff, nur das Tor nicht." Sein Team agierte lange mit angezogener Handbremse - die Offensividee "lange Bälle und hoffen" funktionierte gegen die sattelfeste Abwehr der Wolves nicht. Erst in der Schlussphase, nach mehreren Wechseln, kam Southampton tatsächlich ins Rollen. Julio Quaresma brachte frischen Schwung, Joshua Ackland prüfte Custodio zweimal ernsthaft, und Alfie Marley köpfte kurz vor Schluss nur knapp vorbei. Wolverhampton dagegen verteidigte mit britischer Sturheit. Nach 63 Minuten kam Dylan Fraser für den ausgepumpten Dekerf und brachte noch mehr Stabilität. "Ich hab Dylan reingebracht, weil er nicht müde werden kann - zumindest sagt er das immer", scherzte Van Pelt. Taktisch blieb es ein Duell der Gegensätze: Wolverhampton defensiv diszipliniert und auf Sicherheit bedacht, Southampton offensiv, aber phasenweise fahrig. Die Ballbesitzwerte - 52,7 % für die Wolves, 47,3 % für die Saints - spiegeln die knappe, aber kontrollierte Dominanz der Gastgeber wider. Besonders auffällig: die Körpersprache. Während Van Pelt an der Seitenlinie ruhig kaute (angeblich auf einem Fisherman’s Friend, nicht auf den Nägeln), gestikulierte Maida wild, als wolle er den Ball selbst ins Tor schreien. Gegen Ende ließ er sein Team auf volles Pressing umstellen - zu spät, zu harmlos, zu durchschaubar. Als der Schlusspfiff ertönte, atmete das Stadion hörbar auf. Wolverhampton hatte mit Kampf, Organisation und einem Hauch französischer Eleganz von Dubois den dritten Saisonsieg eingefahren. Southampton dagegen musste sich fragen, wie man elf Schüsse abgibt und trotzdem kein Tor erzielt. "Wir hatten Chancen, wir hatten den Willen - was uns fehlte, war ein bisschen Glück und vielleicht ein Tor", fasste Maida das Offensichtliche zusammen. Dubois grinste nur: "Manchmal reicht eins. Heute war so ein Tag." Und so verlässt Wolverhampton den Platz mit einem 1:0, das keiner rahmen wird, aber jeder gern mitnimmt. Kein Spektakel, kein Chaos, einfach ein Arbeitssieg. Oder wie ein Fan beim Hinausgehen murmelte: "Nicht schön, aber selten - und das reicht mir völlig." 11.09.643990 09:09 |
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