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Winterthur stolpert, Chiasso tanzt - 0:2-Niederlage im kalten Januar

Es war ein frostiger Dienstagabend in Winterthur, doch auf dem Rasen glühte es vor allem in Rot-Blau: Der SC Chiasso nahm den SC Winterthur mit 2:0 auseinander - und das auf eine Weise, die fast schon höflich wirkte. 27 000 Zuschauer im Stadion sahen eine Heimmannschaft, die zwar wollte, aber nicht wirklich wusste, wie.

Dabei begann alles vielversprechend: Winterthur, taktisch offensiv ausgerichtet, spielte anfangs munter nach vorne. Trainer Heiko Vogel von Chiasso stand in seiner Coaching-Zone, als wolle er gleich selbst mitlaufen, während Winterthurs Coach - sichtlich genervt - bereits nach zehn Minuten den vierten Kaffee bestellte. Die ersten Chancen verteilten sich noch einigermaßen fair: Calderon prüfte in der 5. Minute Chiassos Torhüter Nathan Van Bocxlaer, Schütz zog kurz darauf von rechts ab - doch die Kugel flog so weit über das Tor, dass sie vermutlich erst in Zürich wiedergefunden wurde.

Chiasso dagegen kombinierte sich ruhig und geduldig durchs Mittelfeld. Besonders auffällig: der 18-jährige Lionel Santos, der mit jugendlicher Unbekümmertheit spielte, als habe er nie etwas von Respekt vor erfahrenen Gegnern gehört. "Ich wollte einfach Spaß haben", grinste Santos später, "und wenn dabei ein Tor rauskommt, beschwer ich mich nicht."

Gesagt, getan: Kaum war die Pause vorbei, klingelte es. In der 46. Minute war es eben jener Santos, der nach feiner Vorarbeit von Walther Hermann das 1:0 erzielte. Ein wuchtiger Abschluss ins rechte Eck - Winterthurs Keeper Noah Heine streckte sich vergeblich. Von da an war klar: Der Abend würde lang werden für die Gastgeber.

Winterthur versuchte, das Spiel wieder an sich zu reißen. Ballbesitz? Fast ausgeglichen - 48 Prozent für die Hausherren, 52 Prozent für Chiasso. Doch während die einen den Ball wie ein rohes Ei behandelten, droschen die anderen ihn zielstrebig Richtung Tor. 16 Torschüsse feuerten die Gäste ab, Winterthur kam auf fünf. Eine Statistik, die alles sagt.

In der 60. Minute fiel die Entscheidung: Michel Engel, nach einem präzisen Querpass von Thomas Claude, schob cool zum 2:0 ein. Ein Tor, so ruhig und abgeklärt, dass man fast vergaß, dass Engel erst 23 Jahre alt ist. "Wir haben die Flügel stark genutzt, das war der Plan", erklärte Trainer Vogel später mit einem zufriedenen Lächeln. "Und wenn die Jungs das mal so umsetzen - ja, dann darf man sich auch über zwei Auswärtstore freuen."

Winterthur hingegen wirkte zunehmend ratlos. Die Offensive blieb harmlos, die Defensive wackelte, und im Mittelfeld lief man dem Gegner eher hinterher als voraus. "Wir haben zu brav gespielt", sagte Abwehrmann Carsten Fuchs nach dem Spiel. "Manchmal musst du einfach mal dazwischenhauen." - "Oder treffen", ergänzte ein Kollege trocken neben ihm.

Die Zuschauer reagierten mit Galgenhumor: "Wir frieren wenigstens in Schönheit", rief jemand aus der Kurve, während ein anderer anmerkte, dass Chiassos junger Santos "mehr Wärme ins Spiel bringt als der ganze Glühweinausschank".

Taktisch blieb Winterthur seiner offensiven Linie treu - auch dann noch, als es längst nichts mehr zu holen gab. Pressing? Fehlanzeige. Chiasso dagegen stand kompakt, lauerte auf Konter, spielte über die Flügel und zeigte, dass "Wings" in der taktischen Vorgabe nicht nur ein hübsches Wort ist.

Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die Gäste ausgelassen, während Winterthur-Spieler mit gesenkten Köpfen vom Platz trotteten. Die Fans spendeten trotzdem Applaus - vielleicht für den Einsatz, vielleicht aus Mitleid.

"Das war heute ein Lehrstück in Effizienz", bilanzierte Vogel nüchtern. Winterthurs Trainer hingegen wollte lieber nicht viel sagen: "Wir müssen das intern besprechen", knurrte er und verschwand im Kabinentrakt.

So bleibt der Abend in Erinnerung als jener, an dem ein jugendlicher Wirbelwind namens Santos den Favoriten überraschte und Chiasso mit kühler Präzision drei Punkte entführte. Winterthur dagegen bleibt nur die Erkenntnis: Offensivgeist ist schön - Tore wären schöner.

Und irgendwo in der Nacht, als die Flutlichter schon längst aus waren, dürfte Lionel Santos noch immer gegrinst haben. Schließlich trifft man nicht jeden Tag im Alter von 18 Jahren zum ersten Mal in Winterthur - und sorgt damit dafür, dass ganze Tribünen plötzlich ganz still werden.

17.06.643987 02:40
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Erich Ribbeck
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