La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

Willoughby doppelt, Nacional siegt - Canar bleibt blass

Im Estadio de Quito herrschte am Samstagabend Hochstimmung - zumindest auf einer Seite. 29.289 Zuschauer sahen ein klar dominiertes Spiel des FC Nacional, der mit einem souveränen 2:0 gegen Deportivo Canar den 21. Spieltag der 1. Liga Ecuador beschloss. Zwei Tore von Luke Willoughby entschieden die Partie schon in der ersten Halbzeit. Danach verwaltete Nacional das Ergebnis so lässig, dass man fast meinen konnte, Trainer habe die Pausenansprache mit "Bitte nichts riskieren" begonnen.

Dabei war es von Beginn an ein Spiel mit offenem Visier - zumindest von einer Mannschaft. Nacional, von den Fans als "Rojos de Quito" gefeiert, übernahm sofort die Kontrolle. 51 Prozent Ballbesitz mögen auf dem Papier nach Ausgeglichenheit klingen, doch auf dem Rasen sah das anders aus: 15 Torschüsse gegen zwei - das spricht die Sprache der Dominanz.

Bereits in der 19. Minute fiel das erste Tor. Miguel Gama tanzte sich über den linken Flügel durch, flankte butterweich (oder wie er später grinste: "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft") - und Luke Willoughby nickte aus sechs Metern ein. Der 34-jährige Engländer, dessen Schnauzbart allein schon Torgefahr ausstrahlt, rannte jubelnd zur Eckfahne, wo er von Gama fast erdrückt wurde.

Deportivo Canar dagegen wirkte, als habe man die Busfahrt in den Beinen. Trainer Helmut Adolph stand schon nach 20 Minuten mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, murmelte etwas in Richtung seines Assistenten - vermutlich kein Kompliment für seine Defensivreihe.

National blieb dran, schnürte die Gäste weiter ein. Kurz vor der Pause, in Minute 41, fiel das 2:0 - wieder durch Willoughby. Diesmal bediente ihn Julius Burkhardt, der quirlige Linksaußen, mit einem Querpass, den man so eigentlich nur in Trainingsvideos sieht. Willoughby nahm den Ball mit rechts an, zog mit links ab - Tor, eiskalt. "Ich hatte einfach Spaß", sagte der Doppeltorschütze später. "Und Spaß ist gefährlich für jeden Torwart."

Canar dagegen hatte kaum Offensivmomente. Santiago Gelmirez versuchte es in der 66. Minute mit einem Verzweiflungsschuss aus der zweiten Reihe, der ins Fangnetz segelte - immerhin ein Zeichen von Leben. Trainer Adolph wechselte fröhlich durch, aber jeder frische Mann wirkte eher wie ein neuer Zeuge der Überlegenheit des Gegners.

Nach der Pause verflachte das Spiel. Nacional verließ sich auf seine stabile Defensive um den 19-jährigen Marian Rangelow, der sein Alter vergessen ließ und jede Flanke souverän klärte. Torwart Lewis Cort hatte einen ruhigen Abend - er wurde nur zweimal geprüft, was ihn zu der ironischen Bemerkung veranlasste: "Ich hätte mir fast ein Buch mitbringen sollen."

Bei den Gästen sammelten sich dagegen die Gelben Karten: Harvey Michaud (44.) und Iban Ramirez (79.) sahen Verwarnungen, die mehr aus Frust als aus Foulspiel resultierten. "Wenn du den Ball nie hast, trittst du irgendwann den Gegner", kommentierte Adolph trocken nach dem Spiel.

Miguel Gama und Pinchas Tal hätten das Ergebnis in der zweiten Halbzeit noch erhöhen können, doch Canars Keeper Ronald Lange hielt, was zu halten war. Einmal sogar spektakulär - in der 70. Minute, als Tal aus spitzem Winkel abzog und Lange sich mit einer Flugeinlage in die Herzen der mitgereisten Fans warf - derer immerhin etwa zwei Dutzend.

Taktisch blieb Nacional seiner offensiven Linie treu. Kein wildes Pressing, kein überdrehtes Forechecking - einfach klare Struktur, sicheres Passspiel und zielgerichtete Angriffe. "Wir wollten kein Feuerwerk, sondern drei Punkte", erklärte ein zufriedener Co-Trainer nach dem Abpfiff. Mission erfüllt.

Deportivo Canar dagegen wirkte trotz ausgeglichener Ballbesitzwerte zahnlos. Zwei harmlose Schüsse aufs Tor sind in dieser Liga schlicht zu wenig. "Wir müssen lernen, dass Ballbesitz kein Selbstzweck ist", sagte Adolph, der trotz allem gefasst blieb. Sein Fazit: "Wenn du 49 Prozent vom Ball hast, aber null Prozent Mut, dann verlierst du jedes Spiel."

Nacional dagegen klettert mit diesem Sieg weiter nach oben und darf zumindest kurz vom internationalen Geschäft träumen. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Willoughby, von den Kameras umringt, lächelte und meinte augenzwinkernd: "Zwei Tore sind schön, aber drei wären besser gewesen - vielleicht nächste Woche."

So endete ein Abend, der nie wirklich spannend, aber durch seine Klarheit unterhaltsam war. FC Nacional spielte, Canar schaute zu - und am Ende stand ein 2:0, das ebenso verdient wie unspektakulär war. Wie sagte ein Zuschauer beim Rausgehen: "Manchmal ist Routine einfach schön anzusehen."

Und ja - das war sie.

29.09.643987 17:54
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager