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Es war ein kühler Abend in Carolina, doch auf dem Rasen des Eagles Stadiums loderten die Western Pioneers vor Spielfreude. 36.000 Zuschauer sahen ein Spiel, das spätestens nach 45 Minuten entschieden war: 0:2 aus Sicht der Carolina Eagles, beide Tore früh, beide konsequent, beide ein Schlag in die Flügel der Gastgeber. Schon die ersten Minuten machten klar, wer hier den Ton angibt. Die Pioneers kamen mit einer offensiven Grundhaltung, die man eher von einem Team im Pokalfinale erwartet als an einem gewöhnlichen fünften Spieltag der "1. Liga USA". Roger Cartier prüfte bereits nach einer Minute den heimischen Keeper Samuel Lineback, der sich früh strecken musste. "Da wusste ich, dass das heute kein ruhiger Abend wird", sagte Lineback später trocken. Nach nur 17 Minuten zappelte der Ball im Netz. Adam Kinmont, der rechte Mittelfeldspieler der Gäste, traf nach feiner Vorarbeit von Joseph Malcolm - ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: Pass in die Tiefe, ein Haken, Schuss, Tor. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht zum Sightseeing hier sind", grinste Kinmont nach dem Spiel. Die Eagles wirkten überrascht, fast ein bisschen beleidigt. Trainer der Heimmannschaft - namentlich nicht überliefert, aber in der Coaching-Zone deutlich hörbar - brüllte Anweisungen nach vorn, doch seine Spieler blieben in der Defensive gefangen. Nur einmal, in der 5. Minute, hatte Mason Sterling eine gute Gelegenheit, sein Schuss aber landete in der Abendluft, nicht im Tor. Dann kam die 32. Minute, und mit ihr das zweite Tor der Pioneers. Damian Etxeita, der nach der Verletzung von Roberto Serna früh eingewechselt wurde, machte es elegant: Pass von Iban Cabrero, ein kurzer Blick, ein Schlenzer - 0:2. Die Pioneers jubelten, die Eagles standen konsterniert herum. "Wir haben uns einfach überlaufen lassen", gestand Eagles-Verteidiger Luke Jones später. Ironischerweise war es derselbe Jones, der in der 85. Minute mit Gelb-Rot vom Platz flog - womit er seinen Abend endgültig krönte. Die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache: 18 Torschüsse der Pioneers gegenüber nur 4 der Eagles, Ballbesitz fast ausgeglichen, aber mit klarer Dominanz im Zweikampf - 56 Prozent gewonnene Duelle für die Gäste. "Manchmal hilft auch 48 Prozent Ballbesitz nichts, wenn man den Ball nicht weiß, wohin man ihn schießen soll", kommentierte ein Fan auf der Tribüne sarkastisch. In der zweiten Halbzeit passierte das, was in solchen Spielen eben passiert: Die Pioneers verwalteten klug, die Eagles mühten sich redlich - und scheiterten meist an sich selbst. Tim Langer, der 38-jährige Sturmveteran, hatte in der 65. und 87. Minute zwei brauchbare Chancen, doch Keeper Joseba Sainz war auf dem Posten. "Der Ball wollte einfach nicht rein", seufzte Langer, "vielleicht hätten wir ihn höflicher fragen sollen." Trainer Karsten NRW von den Western Pioneers zeigte sich nach dem Schlusspfiff zufrieden, aber nicht euphorisch: "Das war ein solides Auswärtsspiel. Wir haben früh unsere Chancen genutzt, dann kontrolliert. So stellt man sich das vor - naja, fast ohne die Verletzung von Serna." Den musste er nach sieben Minuten auswechseln, nachdem dieser bei einem Sprintduell umknickte. Die Eagles dagegen wirkten ratlos. "Wir haben eigentlich gut trainiert", meinte Mittelfeldspieler Andrew Bloomfield, "aber irgendwie war der Ball heute allergisch gegen uns." Als der Schlusspfiff ertönte, war das Publikum längst in resigniertes Klatschen übergegangen. Ein älterer Herr im Eagles-Trikot murmelte: "Früher hatten wir wenigstens Glück - heute nicht mal das." Es bleibt festzuhalten: Die Western Pioneers sind mit dieser Leistung ein ernstzunehmender Kandidat für die oberen Tabellenplätze, während Carolina sich dringend fragen muss, warum aus "ausgewogenem" Spielaufbau so selten Torgefahr entsteht. Die Taktik der Eagles - offiziell "balanced" - wirkte eher wie ein Versuch, das Chaos zu vermeiden. Das gelang, aber leider auch auf Kosten jeglicher Kreativität. Am Ende war es ein souveräner, wenn auch unspektakulärer Sieg der Gäste. Zwei Tore, ein Platzverweis, eine Verletzung - die Zutaten eines typischen Ligaspiels, das in den Statistiken bald verblasst. Nur bei den Fans der Eagles dürfte es etwas länger im Gedächtnis bleiben, als warnendes Beispiel, wie man nicht in ein Heimspiel startet. Oder wie es Karsten NRW beim Verlassen des Stadions formulierte: "Manchmal reicht’s, wenn man einfach Pionierarbeit leistet." Und die Eagles? Die müssen wohl erst wieder fliegen lernen. 06.03.643987 09:47 |
Sprücheklopfer
In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler