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VfL Stuttgart stolpert gegen Chiasso - 2:3-Heimniederlage im Achtelfinale

Es war angerichtet: 59.000 Zuschauer, Flutlicht, Champions League, Achtelfinale - und der VfL Stuttgart wollte zeigen, dass man auch gegen unbekanntere Gegner aus der Schweiz europareif auftreten kann. Am Ende aber standen die Schwaben mit hängenden Köpfen da: 2:3 gegen den SC Chiasso, ein Ergebnis, das auf der Anzeigetafel fast höflicher wirkte, als es der Abend tatsächlich war.

Dabei begann alles wie aus dem Lehrbuch. Schon in der 9. Minute ließ Luis Contreras die Arena beben. Nach schöner Vorarbeit von Ernesto Vaz zog der zentrale Mittelfeldspieler aus 18 Metern trocken ab - 1:0! Trainer Venni Mislintat reckte die Faust, die Ersatzbank jubelte, und die Fans sangen bereits vom Viertelfinale.

Doch die Euphorie hielt exakt sieben Minuten. Chiassos Fernando Carvalho, ein Stürmer mit dem temperamentvollen Blick eines Mannes, der nie auf diagonale Pässe wartet, sondern sie einfach selbst spielt, glich in der 16. Minute aus. Vorlage von Louis Erdmann, eiskalter Abschluss. "Ich hab gesehen, dass der Keeper einen Schritt zu früh kam", grinste Carvalho später, "da musste ich ihn einfach reinlegen."

Und es kam noch dicker: Der erst 20-jährige Walther Hermann sorgte in der 27. Minute für das 1:2. Nach einer Flanke von Jack McLeod schob er den Ball so lässig über die Linie, als spiele er auf dem Pausenhof. "Ich wollte eigentlich querlegen", gab er später zu, "aber dann war der Ball halt drin."

Stuttgart, mit 53 Prozent Ballbesitz und einer klaren Überlegenheit in den Torschüssen (18:11), wirkte in dieser Phase wie ein Boxer, der zwar ständig trifft, aber vergessen hat, dass auch der Gegner Fäuste hat.

Nach der Pause kamen die Schwaben mit mehr Biss aus der Kabine. Mislintat hatte offenbar an der Intensitätsschraube gedreht - "Ich hab ihnen gesagt, dass wir ruhig mal so tun dürfen, als wäre das ein K.o.-Spiel", verriet er mit einem bitteren Lächeln. Und tatsächlich: Der junge Ingvar Abramson traf in der 59. Minute zum Ausgleich. Nach feinem Zuspiel von Contreras stand der 21-Jährige goldrichtig. Das Stadion tobte, die Hoffnung kehrte zurück.

Doch kaum zwei Minuten später schlug Chiasso wieder zu. Alejandro Poncela, 33 Jahre alt und offenbar noch kein bisschen müde, zog nach Pass von Kyriakos Galitsios aus spitzem Winkel ab - 2:3. "Ich hab gar nicht gezielt", sagte Poncela später verschmitzt, "ich hab nur gehofft, dass niemand im Weg steht."

Von da an war es ein Stuttgarter Sturmlauf. Miguel Nani prüfte den Keeper in der 47., 50. und 87. Minute, Carl Derlei drosch gleich drei Mal in Richtung Stadiondach, und Innenverteidiger Eduardo Cabrero versuchte es aus purer Verzweiflung per Fallrückzieher. Chiassos Torwart Joseph Bridges entschärfte alles - mit Händen, Füßen und gelegentlich auch mit dem Glück des Tüchtigen.

"Wir hätten heute bis Mitternacht spielen können, und der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen", knurrte Contreras nach dem Spiel. Sein Trainer nickte nur. "Das war eines dieser Spiele, bei denen man viel richtig macht und trotzdem verliert. Leider zählt das auf der Anzeigetafel nicht."

Auf der anderen Seite grinste Heiko Vogel, der Chiasso-Coach, in die Kameras: "Wir wollten mutig sein, offensiv über die Flügel kommen - und genau das haben die Jungs umgesetzt. Und wenn man in Stuttgart drei Tore schießt, darf man auch mal zufrieden sein."

Immerhin zeigte der VfL Moral. Kein Hängenlassen, kein Bröckeln - aber eben auch kein Tor mehr. In der Schlussphase holte sich Nani noch Gelb ab, vermutlich aus Frust, während Chiasso clever die Zeit von der Uhr nahm.

Statistisch gesehen war’s ein seltsames Spiel: Stuttgart mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen - Chiasso aber mit drei Treffern aus elf Versuchen. Effizienz, thy name is Chiasso.

Nach dem Abpfiff verließen viele Fans kopfschüttelnd das weite Rund. Ein Mann in der dritten Reihe fasste es zusammen: "Wenn man so spielt, als wäre man schon im Viertelfinale, fliegt man meistens vorher raus."

Jetzt muss Stuttgart im Rückspiel in der Schweiz mindestens zwei Tore aufholen. Keine unlösbare Aufgabe, aber eine verdammt unangenehme. Und wer weiß - vielleicht ist das ja genau die Art von Druck, die dieser Mannschaft guttut.

Mislintat verabschiedete sich mit einem schiefen Lächeln: "Wir sind noch nicht tot. Aber Chiasso hat uns gezeigt, dass sie keine Laufkundschaft sind."

Ein Achtelfinale, das mit einem Weckruf endet - und einer schmerzhaften Erinnerung daran, dass Ballbesitz keine Währung ist, wenn der Gegner einfach trifft.

01.06.643993 11:17
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Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt.
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