// Startseite
| World Soccer |
| +++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++ |
|
|
|
Es gibt Abende, an denen Fußball wie Oper ist - und dann gibt es Abende wie diesen, an denen der VfL Stuttgart seine Champions-League-Gäste aus Schottland in eine Slapstick-Nummer verwandelte. 59.000 Zuschauer im prall gefüllten Neckarstadion erlebten ein 8:0-Spektakel gegen Brechin United, das nach 45 Minuten eigentlich schon hätte abgebrochen werden können. Halbzeitstand: 6:0. Endstand: 8:0. Ein Spiel, das in die Vereinschronik eingehen dürfte - zumindest in die der Gastgeber. Trainer Venni Mislintat grinste nach dem Schlusspfiff, als er gefragt wurde, ob er mit so einem Ergebnis gerechnet habe: "Ich hatte gehofft, dass wir offensiv spielen. Aber ich wollte eigentlich nicht, dass meine Spieler sich um die Torjägerkanone streiten." Sein Gegenüber, der sichtlich gezeichnete Mustafa Denizlii, brachte nur ein müdes Lächeln zustande: "Wir wollten kompakt stehen. Leider standen wir meist nur rum." Es begann, wie es bei solchen Abenden eben beginnt - mit einem Tor, das zu früh fiel, um gut zu sein. In der 12. Minute war es Gleb Schalimow, der nach feinem Zuspiel von Luis Contreras den Torreigen eröffnete. Zwei Minuten später wieder Schalimow - dieses Mal nach Pass von Ernesto Vaz. Und ehe sich die Gäste sortieren konnten, netzte Maxim Tillman in der 22. Minute ein. Brechin-Kapitän Henry Breze brüllte seine Mitspieler an, die Körpersprache zu verbessern, doch Stuttgart antwortete lieber mit weiteren Treffern: Contreras (29.), Schalimow (36.) und Miguel Nani (38.) sorgten für den 6:0-Pausenstand. "Ich habe in der Kabine nur gesagt: Bitte nicht nachlassen. Die Jungs haben das etwas zu wörtlich genommen", schmunzelte Mislintat später. Und tatsächlich: Auch nach der Pause ließ der VfL den Ball laufen, als wäre die Champions League ein Trainingsspiel. Ernesto Vaz (50.) und abermals Nani (53.) erhöhten auf 8:0 - und spätestens da fragte man sich, ob Brechin United überhaupt den Rückflug antreten würde oder lieber per Bus nach Hause rollt. Interessant: Trotz des Kantersiegs hatte Stuttgart laut Statistik weniger Ballbesitz (49,6 Prozent). Aber was nützt Ballbesitz, wenn man ihn nicht in Tore ummünzen kann? 21 Stuttgarter Torschüsse standen fünf der Schotten gegenüber - wobei "Torschüsse" hier wohl ein großzügiger Begriff war. Ein Ordner fasste es trocken zusammen: "Wenn die so weiterschießen, treffen sie höchstens das Parkhaus." Die Stuttgarter Defensive hatte derweil einen entspannten Abend. Torhüter Samuel Edwards musste nur einmal ernsthaft eingreifen, als Toygar Cetin in der 7. Minute aus spitzem Winkel abschloss - der Ball landete im Fangnetz, und Edwards klatschte ironisch Beifall. Innenverteidiger Dirk Maus, der in der 23. Minute Gelb sah, wurde zur Pause ausgewechselt. Für ihn kam der 18-jährige Juan Pablo Oliveira, der sich sofort in die Herzen der Fans grätschte. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich auch Tore verhindern kann - irgendwer muss ja!", lachte der Youngster nach dem Spiel. Auch die Offensivabteilung glänzte mit Spielfreude. Schalimow, dreifacher Torschütze und zweimal Vorlagengeber, erklärte: "Heute hat einfach alles gepasst - sogar meine Frisur." Sein Teamkollege Miguel Nani, der zweimal traf, ergänzte: "Wir hätten auch zehn machen können, aber der Trainer meinte, wir sollen noch was für die nächsten Spiele übrig lassen." Bei Brechin United sprach man derweil von einem "pädagogisch wertvollen Erlebnis". Trainer Denizlii lobte den Gegner: "Sie haben uns gezeigt, was Tempo bedeutet. Wir haben versucht, mitzuhalten - aber irgendwann war das wie ein Sprint gegen den ICE." Seine Spieler wirkten nach dem Abpfiff wie nach einem Marathon in Gummistiefeln. Thierry Lessard sah Gelb (86.) und meinte später: "Ich wollte wenigstens irgendwie auffallen." Das Publikum nahm’s mit Humor. In der 70. Minute, als Ruben Daens nach einem Foul ebenfalls Gelb bekam, rief ein Zuschauer: "Lasst wenigstens die Karten ausgeglichen aussehen!" Kurz darauf durfte der junge Stanislaw Sanew für Nani ran und zeigte mit zwei gefährlichen Abschlüssen, dass auch die zweite Reihe Lust auf Tore hat. Am Ende war es ein Fußballabend voller Unterhaltung, Tore und ironischer Selbstzufriedenheit. Stuttgart marschiert mit diesem Sieg Richtung Achtelfinale, während Brechin United wohl noch lange von diesem Desaster erzählen wird - vielleicht bei einem schottischen Bier, irgendwo zwischen Selbstironie und Sprachlosigkeit. Oder, wie VfL-Coach Mislintat es am Mikrofon formulierte: "Wenn man 8:0 gewinnt, darf man ruhig mal übermütig werden - aber nur bis morgen früh. Dann kümmern wir uns wieder um die ernsthaften Dinge: den Torjubel fürs nächste Spiel." 30.03.643994 06:00 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: