Fanatik
+++ Sportzeitung für Türkei +++

Vestel SK zerlegt Fenehrbace: 3:0 und kein einziger Schuss der Gastgeber

Es war einer dieser Abende, an denen man als Heimfan am liebsten vor der 80. Minute gegangen wäre - wenn man nicht schon vorher in Schockstarre verfallen wäre. Fenehrbace verlor am 11. Spieltag der 1. Liga Türkei vor 20.000 Zuschauern klar mit 0:3 gegen Vestel SK. Das Ergebnis klingt deutlich, doch die Zahlen machen es fast grotesk: 0 Torschüsse für Fenehrbace, 20 für die Gäste. Ballbesitz? Fast ausgeglichen. Aber was bringt 51 Prozent Ballkontrolle, wenn man sie vor allem im eigenen Strafraum hat?

Schon nach zehn Minuten war klar, wohin die Reise geht. Vestel-Rechtsverteidiger Baysal Karaman, offenbar mit Lizenz zum Stürmen, zog aus gut 20 Metern ab - und der Ball segelte an Freund und Feind vorbei ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Karaman später, "aber der Ball hatte andere Pläne." Trainer Kiri Watslos sah es pragmatisch: "Wenn die Flanken reingehen, soll er ruhig weitermachen."

Fenehrbace-Coach Renato Augusto dagegen stand da, die Hände in den Taschen, als würde er überlegen, ob er nicht doch lieber Volleyballtrainer werden sollte. Sein Team war offensiv ausgerichtet, laut Taktikzettel jedenfalls. Auf dem Platz sah das eher nach meditativem Ballkreisen aus. "Wir wollten ruhig aufbauen", erklärte Augusto nach dem Spiel, "aber irgendwann wurde es wohl zu ruhig."

Vestel SK spielte dagegen, als hätten sie einen Vertrag mit dem Spielfreude-Gott abgeschlossen. Rechtsaußen Jake MacDonald, der sich in der ersten Hälfte noch warm geschossen hatte, traf in der 53. Minute nach Vorlage von Christiano Velasco - ein perfekt getimter Pass, den MacDonald trocken ins rechte Eck jagte. "Ich habe gar nicht groß nachgedacht", sagte der Brite später, "bei Fenehrbace war ja eh keiner da."

Die Gastgeber versuchten zu reagieren - zumindest auf dem Papier. In der 83. Minute musste Matthias Felix verletzt raus, Jens Albrecht kam für ihn. Das war allerdings schon nach dem endgültigen K.-o.-Schlag: In der 78. Minute hatte Jake MacDonald sein zweites Tor nachgelegt. Diesmal servierte der junge Oktar Korkut von links, MacDonald brauchte nur noch den Fuß hinzuhalten. 3:0, und die Fenehrbace-Fans schauten betreten zu Boden.

"Wir haben offensiv gespielt, nur leider ohne Offensive", fasste Kapitän Kamuran Özari die Misere zusammen. Ein Satz, der in die Geschichtsbücher eingehen könnte. Denn während Vestel SK aus allen Lagen schoss - selbst die 17-jährigen Innenverteidiger Erim Tanman und Peyami Adatepe probierten es mehrfach - blieb Fenehrbace in der kompletten Partie ohne einzigen Abschluss. Nicht ungefährlich, sondern wirklich: null.

Die Zweikampfquote von 39 Prozent unterstreicht, dass Fenehrbace den Gästen nicht nur Platz, sondern auch Höflichkeit überließ. "Wir wollten fair bleiben", murmelte ein Verteidiger nach Schlusspfiff. "Ja, das ist euch gelungen", raunte jemand auf der Pressetribüne.

Auch die beiden Gelben Karten des Abends gingen an die Gäste - Halil Kazim (71.) und Youngster Erim Tanman (79.) hielten zumindest die Tradition aufrecht, dass ein gutes Spiel ohne Karten langweilig wäre. Watslos nahm’s gelassen: "Wenn meine 17-Jährigen schon Gelb sehen, dann wenigstens, weil sie Bälle erobern wollen."

Renato Augusto hingegen wirkte nachdenklich. "Das war kein Rückschlag, das war eine Vollbremsung", gab er zu. "Aber wir werden wieder aufstehen." Ein Journalist fragte, wann das sein werde. "Am liebsten nächsten Sonntag", antwortete Augusto trocken.

Vestel SK hingegen darf träumen. Mit jugendlicher Frische, präzisem Passspiel und einer beeindruckenden Abschlussfreude wirkten sie wie ein Team, das mehr will als nur die drei Punkte. "Das war keine perfekte Leistung", sagte Doppeltorschütze MacDonald mit einem Augenzwinkern, "aber wir arbeiten dran."

Während die Gäste ausgelassen vor ihrem Fanblock jubelten, leerten sich die Ränge auf der anderen Seite schnell. Ein älterer Fenehrbace-Anhänger fasste den Abend auf seine Weise zusammen: "Früher hatten wir Stürmer, heute haben wir Ballbesitz."

Ein bitterer, aber ehrlicher Satz nach einem Spiel, das man in Istanbul wohl so schnell nicht vergessen wird.

Und irgendwo in der Kabine von Vestel SK summte ein Spieler leise: "Auswärts, das können wir." Keine Hymne, kein Gesang - nur pure Zufriedenheit.

15.05.643987 00:58
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Sie sollen nicht glauben, dass sie Brasilianer sind, nur weil sie aus Brasilien kommen.
Paul Breitner über die Dortmunder Dede und Evanilson
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager