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Es war ein kalter Januarabend, an dem Gaziantep und Vestel SK die 20.000 Zuschauer im Stadion mit einer Mischung aus Hoffnung, Frust und britischem Humor (den brachte Vestels Rechtsaußen Rhys Monroe gleich mit) unterhielten. Am Ende stand ein glattes 0:2 aus Sicht der Gastgeber - und eine Partie, die Fußball in seiner ganzen Ironie zeigte: Mehr Ballbesitz nützt nichts, wenn der Gegner einfach öfter weiß, wo das Tor steht. Schon die erste Minute ließ erahnen, dass es ein harter Abend für Gaziantep werden würde. Innenverteidiger Jannick Frey holte sich früh die Gelbe Karte ab, quasi als Souvenir für ein Foul, das man höflich als "robust" bezeichnen könnte. Trainer Burak Yilmaz raufte sich die Haare, als wollte er gleich selbst eingewechselt werden. "So wollte ich Feuer sehen, aber nicht gleich ein Inferno", knurrte er später. Die Gäste aus Manisa, angeführt von Trainer Kiri Watslos, spielten von Beginn an mutig nach vorn. Ihre Taktik war klar offensiv, aber ohne überhastet zu wirken - "Wir wollten sicher schießen, nicht einfach ballern", erklärte Watslos augenzwinkernd. Und das taten sie auch: 23 Torschüsse verzeichneten die Statistiker, während Gaziantep nur sieben zustande brachte. Schon nach wenigen Minuten prüfte Christophe Poulin den jungen Keeper Miguel Silfredo mit einem satten Distanzschuss (4.). Der 17-jährige Torhüter parierte glänzend - damals noch. Gaziantep wehrte sich, vor allem über Fernando de los Reyes und Dylan Latham, die mit je mehreren Abschlüssen zumindest Gefahr andeuteten. Doch kurz vor der Pause kam, was kommen musste: In der 37. Minute zirkelte Poulin nach Vorarbeit von Sergi Teixeira den Ball flach ins rechte Eck - 0:1. Der Jubel der Gäste klang eher nach Erleichterung als nach Ekstase. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Poulin später. "Wenn du 22 Minuten lang auf dieses Tor ballerst, muss ja irgendwann einer rein." Mit diesem Rückstand ging es in die Pause. Die Zuschauer forderten mehr Mut, Burak Yilmaz forderte "weniger Angst und mehr Pässe, die beim eigenen Mann landen". Doch die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: Vestel SK blieb dominant. In der 57. Minute machte Rhys Monroe den Sack zu. Nach feinem Doppelpass mit Poulin zog der 23-jährige Engländer von rechts nach innen und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck - 0:2. Ein Tor, das man sich durchaus auf Poster drucken lassen könnte. "Ich hab’s versucht, wie Beckham, aber es wurde eher wie Monroe", witzelte der Torschütze später und sorgte im Presseraum für Gelächter. Gaziantep dagegen verlor zunehmend die Nerven. In der 74. Minute sah Claude Picard Gelb, vier Minuten später erwischte es Ivica Krupnikovic noch härter: Rote Karte nach einem übermotivierten Einsteigen. Burak Yilmaz schüttelte nur den Kopf. "Ivica wollte zeigen, dass er da ist - das hat er geschafft. Blöd nur, dass er danach nicht mehr da war", kommentierte er trocken. Ab da war der Widerstand gebrochen. Die Hausherren standen tief, die Gäste kombinierten, als spielten sie ein Trainingsmatch. Keeper Daniel Rushton im Vestel-Tor wurde kaum geprüft, und wenn doch, dann eher symbolisch. Die Ballbesitzstatistik - 48 zu 52 Prozent - täuscht: Vestel kontrollierte das Geschehen jederzeit. In der Schlussphase wäre es beinahe noch deutlicher geworden, doch Avraam Firos scheiterte gleich dreimal am starken Silfredo (82., 86. und 90.). Der junge Torwart bekam trotz Niederlage stehende Ovationen - ein seltener Trost. "Er hat uns vor einem 0:5 bewahrt", meinte Kapitän Frey selbstkritisch. Schiedsrichter und Zuschauer dürften froh gewesen sein, als nach 90 Minuten Schluss war. Gaziantep wirkte müde, ideenlos und am Ende auch frustriert. Vestel SK hingegen nahm die drei Punkte mit, als sei es ein Sonntagsspaziergang. "Wir haben einfach unser Spiel gespielt", sagte Trainer Watslos nüchtern. "Manchmal reicht das." Fazit: Vestel SK spielte abgeklärt, effizient und mit der nötigen Portion Witz. Gaziantep dagegen suchte 90 Minuten lang nach einem Plan B - und fand nur den Weg in die Kabine. Vielleicht bringt Burak Yilmaz beim nächsten Mal ja ein Wörterbuch mit, um dem Fußballgott das Wort "Heimsieg" zu erklären. Der scheint es in Gaziantep derzeit einfach nicht zu verstehen. 23.07.643987 11:32 |
Sprücheklopfer
Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
Matthias Sammer