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Es war ein jener Abende, an denen man sich fragt, ob man im Achtelfinale der Europaliga sitzt - oder bei einem Freundschaftsspiel zwischen David und Goliath, nur dass David diesmal vergessen hatte, seinen Stein einzupacken. Vor 53.100 lautstarken Zuschauern in der Vestel-Arena zerlegte Vestel SK die Gäste von Grün-Weiß Wien mit 6:2 (2:2). Und das, obwohl die Österreicher in der ersten Halbzeit noch so taten, als wollten sie tatsächlich mitspielen. Dabei begann alles verheißungsvoll für die Wiener. Schon in der 7. Minute zog der junge Oliver Hansen aus der zweiten Reihe ab - zack, 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten, der Ball war wie ferngesteuert", grinste Hansen später mit der Unschuld eines 20-Jährigen, der noch nicht ahnt, was ihm in den nächsten 80 Minuten widerfahren sollte. Vestel brauchte kurz, um sich zu schütteln. Dann startete Mohamed Van Laecken seine persönliche Tore-Gala. Der Belgier, der aussieht wie ein Mann, der niemals müde wird, traf in der 20. und 34. Minute - einmal nach feinem Zuspiel von Rechtsverteidiger Baysal Karaman, einmal nach klugem Pass von Christophe Poulin. "Ich hab’s irgendwann gar nicht mehr gefeiert", witzelte Van Laecken nach Spielende. "Bei 6:2 weiß man ja kaum noch, welches Tor man war." Doch Grün-Weiß Wien schlug vor der Pause zurück: In der 44. Minute setzte Oskar Westphal mit einem sehenswerten Schlenzer den 2:2-Ausgleich. Trainer Flo Ho brüllte danach so laut, dass man ihn vermutlich noch in Bratislava hörte. "Da dachte ich wirklich, jetzt kippt das Spiel. Leider ist es dann eher gekippt - aber auf unsere Köpfe." Denn nach dem Seitenwechsel zog Vestel SK den Gästen die Fußballschuhe aus. In der 49. Minute machte Van Laecken seinen lupenreinen Hattrick perfekt, diesmal nach einer Ecke von Sergi Teixeira. Danach folgte ein Doppelschlag von Oktay Sanli (60. und 62. Minute), der mit zwei Toren binnen zwei Minuten endgültig alle Zweifel beseitigte. "Ich hab einfach gespürt, dass heute alles reingeht", sagte Sanli, während er sich das Trikot über den Kopf zog. Trainer Kiri Watslos kommentierte trocken: "Ich hab ihm vor dem Spiel gesagt, er soll wenigstens einen treffen. Jetzt muss ich mir was Neues ausdenken, damit er sich nicht langweilt." Den Schlusspunkt setzte Osip Wassiljew in der 77. Minute - der eingewechselte Linksaußen drosch den Ball nach Vorarbeit von Van Laecken humorlos in die Maschen. 6:2, und noch eine Viertelstunde zu spielen. In dieser Phase wurde es fast mitleidig: Vestel kombinierte, Wien hechelte hinterher. Ballbesitz? 52 Prozent für die Gäste, aber das war so nützlich wie ein Regenschirm in der Wüste. 20 Torschüsse für Vestel, nur vier für Wien - Zahlen, die alles sagen. Zwischendurch hatte Wiens Verteidiger Sven Noll in der 23. Minute Gelb gesehen, vermutlich aus Frust. "Ich wollte eigentlich nur den Ball treffen", murmelte er nach dem Spiel. "Aber der Ball wollte nicht." Kurz darauf wurde er ausgewechselt - ein stilles Eingeständnis von Trainer Flo Ho, dass der Abend gelaufen war. Als der Schlusspfiff ertönte, klatschte das Publikum rhythmisch, vielleicht auch aus Erleichterung, dass der Torjubel endlich eine Pause einlegte. Kiri Watslos trat mit einem schiefen Lächeln vor die Mikrofone: "Wir haben heute gezeigt, dass Offensive Spaß machen kann - zumindest uns." Flo Ho hingegen wirkte, als bräuchte er eine Woche Urlaub und zwei Therapeuten. "Wir haben offensiv gespielt, wie wir’s uns vorgenommen hatten", sagte er, "leider auch defensiv." So schickte Vestel SK die Wiener mit einer Lehrstunde in Sachen Effizienz nach Hause. Van Laecken mit drei Toren, Sanli mit zwei, Wassiljew als i-Tüpfelchen - ein Abend, der in den Klubchroniken stehen bleibt. Und irgendwo in Wien wird Oliver Hansen vielleicht noch einmal an seinen frühen Führungstreffer denken und seufzen: "Für sieben Minuten war’s schön." Und das Fazit? Vestel SK tanzt weiter durch Europa - und wer ihnen begegnet, sollte sich warm anziehen. Oder besser gleich ein zweites Tornetz mitbringen. 24.10.643987 04:27 |
Sprücheklopfer
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport und nichts für Tunten.
Axel Kruse nach einer roten Karte