Fanatik
+++ Sportzeitung für Türkei +++

Vestel SK dreht das Spiel - Trabsonspor verliert Fassung und Punkte

Ein lauer Januarabend in Manisa, 24.148 Zuschauer im Vestel-Stadion, Flutlicht, Spannung, und am Ende ein 3:2, das mehr Drama bot als manche Netflix-Serie. Vestel SK besiegt Trabsonspor nach Rückstand - und das mit jener Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und altmodischer Zähigkeit, die Trainer Kiri Watslos später als "kontrolliertes Chaos mit Ball" bezeichnete.

Die ersten Minuten gehörten den Gästen. Gilles Weyenberg prüfte schon nach zwei Minuten Vestel-Keeper Albert Bushnell mit einem satten Linksschuss. Trabsonspor stand kompakt, ließ Vestel kommen, und genau das tat Vestel auch - mit viel Elan, aber wenig Zielwasser. Yekta Akagündüz und Jake MacDonald ballerten, als wäre das Tor ein Gerücht.

Dann die 24. Minute: Christophe Poulin, der Mittelfeldmotor mit der Übersicht eines Schachgroßmeisters, fasste sich ein Herz. Nach feiner Vorarbeit von Ogün Güven zog er aus 18 Metern ab - 1:0! Der Jubel hallte durchs Stadion, doch die Freude war kurzlebig. Nur fünf Minuten später tauchte Trabsonspors Brasilianer Marcio Mocana plötzlich im Strafraum auf und schob eiskalt ein. 1:1.

Und weil Mocana offenbar Lust auf Mehr hatte, legte er in der 43. Minute nach - diesmal nach Vorlage von Swen Riedel. 1:2 zur Pause, und Trainer Watslos stapfte mit rotem Gesicht in die Kabine. "Ich habe den Jungs gesagt, dass wir nicht zum Zuschauen hier sind", verriet er später mit einem Grinsen.

Die zweite Halbzeit begann, als habe jemand einen Schalter umgelegt. Vestel SK kam mit einer Energie aus der Kabine, die an Starkstrom erinnerte. Acht Torschüsse allein zwischen Minute 45 und 70, Trabsonspor wirkte plötzlich wie ein Team, das vergessen hatte, dass Ballbesitz auch erlaubt ist.

In der 51. Minute belohnte sich Vestel. Oktay Sanli, der bullige Mittelstürmer mit dem feinen Fuß, traf nach einem butterweichen Pass von Youngster Oktar Korkut zum 2:2. Das Stadion explodierte, Watslos riss die Arme hoch, und auf der Trabsonspor-Bank flogen die Wasserflaschen.

Dann wurde es hitzig. Ezequiel Travassos sah Gelb (76.), und nur vier Minuten später flog George Lewis nach einem rustikalen Einsteigen gegen MacDonald mit Rot vom Platz. "Er hat den Ball gespielt - nur leider war der Ball gerade nicht da", kommentierte ein Vestel-Fan trocken von der Tribüne. Trabsonspor-Coach Oguzhan Yilmaz tobte an der Seitenlinie, während Schiedsrichter Demir unbeirrt blieb.

Die letzten zehn Minuten waren ein Sturmlauf in Rot-Schwarz. Poulin, Akagündüz, Sanli - alle feuerten aus allen Lagen. Schließlich, in der 86. Minute, die Erlösung: Christiano Velasco, der erfahrene Rechtsaußen, jagte den Ball nach einem flachen Zuspiel von Poulin ins linke Eck. 3:2! Die Fans sprangen von den Sitzen, Watslos drehte eine Pirouette, und selbst Keeper Bushnell sprintete bis zur Mittellinie zum Jubeln.

"Da war pure Leidenschaft auf dem Platz", sagte Velasco hinterher, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Poulin hat mich gesehen, obwohl ich dachte, er sieht nur Sterne. Das war Instinkt."

Trabsonspor, nun in Unterzahl, versuchte noch einmal, irgendwie zurückzukommen - aber mit nur drei Torschüssen im ganzen Spiel blieb das Bemühen eher theoretischer Natur. "Wir haben zu passiv agiert", gestand Trainer Yilmaz später. "Nach der Roten Karte war das wie Schach ohne Dame."

Am Ende blieb es beim verdienten 3:2 für Vestel SK, das nach 51 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüssen und einer Tackling-Quote von über 56 Prozent kaum Anlass zur Bescheidenheit hatte. Watslos fasste das Ganze in gewohnt trockener Manier zusammen: "Wir haben’s spannend gemacht - aber Spannung gehört ja zum Eintrittspreis."

Und so ging ein Spiel zu Ende, das alles bot: Tore, Karten, Emotionen und einen Trainer, der seine Mannschaft nach einem 1:2-Pausenrückstand zurück ins Leben coachte. Trabsonspor dagegen wird sich fragen müssen, warum man nach starker erster Halbzeit so in sich zusammensackte. Vielleicht liegt die Antwort in George Lewis’ übermotiviertem Bein, vielleicht auch einfach in Vestels unbändigem Willen.

Aus neutraler Sicht bleibt festzuhalten: Fußball in der Türkei kann manchmal wild, manchmal wunderschön - und manchmal beides gleichzeitig sein.

Oder, wie es ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn das so weitergeht, kauf ich mir gleich eine Dauerkarte - aber nur, wenn sie mir auch Blutdrucktabletten dazugeben."

28.03.643987 12:20
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Das ist das größte Kompliment, was sich eine Mannschaft zuteil werden kann.
Günter Netzer
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