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Es war ein frostiger Freitagabend in Venlo, aber das Spiel zwischen dem SC Venlo und dem SC Roosendaal bot genug Reibungshitze, um die 24.609 Zuschauer im Stadion wachzuhalten. Am Ende stand ein 1:2 (0:1) - ein Resultat, das nicht nur die Gäste jubeln ließ, sondern auch ein paar ratlose Gesichter unter den Venlo-Fans zurückließ. Roosendaal begann forsch, fast übermütig. Schon in der ersten Minute prüfte der 17-jährige Faas Van Keuren Venlos Torhüter Jaap Van Cortlandt mit einem beherzten Schuss, der aber mehr Schneestaub als Gefahr aufwirbelte. "Ich wollte einfach mal Hallo sagen", grinste der Teenager später. Es sollte der Auftakt zu einer erstaunlich reifen Vorstellung der jungen Gäste sein. In der 14. Minute fiel dann das erste Tor - und was für eines. Maximilian Grossmann, zarte 18 Jahre jung, nahm eine butterweiche Flanke von Linksverteidiger Joshua MacDonnell direkt aus der Luft und drosch den Ball unhaltbar in den Winkel. 1:0 für Roosendaal, und Venlo wirkte, als hätte man die Spielanweisung "BALANCED" etwas zu wörtlich genommen. Trainer Thomas Ga an der Seitenlinie ballte nur kurz die Faust, drehte sich dann zu seinem Co-Trainer und murmelte: "Jetzt fangen sie an, an sich zu glauben." Seine Jungs taten genau das - aggressiv im Zweikampf, mutig im Vorwärtsgang, und mit elf Abschlüssen deutlich zielstrebiger als die Gastgeber (nur sechs Torschüsse). Venlo hingegen hatte zwar mehr Ballbesitz (52 Prozent), aber wenig daraus gemacht. "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff", meinte Venlos Coach mit einem Tonfall, der eher nach Selbstbeschwichtigung klang. "Nur leider das Tor nicht." Tatsächlich war der letzte Pass oft so ungenau wie ein Navi ohne Satellitenempfang. Nach der Pause kam dennoch Bewegung ins Spiel. Venlo wirkte entschlossener, und in der 59. Minute zahlte sich die Geduld aus: Geert Ostrander, der Rechtsaußen mit dem unerschütterlichen Selbstvertrauen, traf nach feinem Zuspiel von Gerritt Shuck zum 1:1-Ausgleich. Das Stadion tobte, Ostrander riss die Arme hoch - und man spürte: Hier geht noch was. Doch Roosendaal blieb unbeeindruckt. "Wir wussten, dass sie kommen würden", erklärte Kapitän Ton Van Buren, 35 Jahre alt und gefühlt seit der Einführung der Rückpassregel im Mittelfeld zuhause. "Aber wir haben einfach weiter unser Ding gemacht." Dieses "Ding" bestand aus konsequentem Gegenhalten, zwei Gelben Karten (MacDonnell in der 10., Blanchet in der 57.) und einem gnadenlosen Instinkt in der Schlussphase. In der 84. Minute war es dann soweit: Der flinke Portugiese Vitorino Marques startete über rechts, bekam den Ball von Javi Da Cru - und schob eiskalt zur erneuten Führung ein. 2:1 für Roosendaal! Van Cortlandt streckte sich vergeblich, der Ball zischte ins lange Eck. "Ich hab ihn einfach gespürt", sagte Marques später, "den Moment, den Wind, alles." Venlo warf in den letzten Minuten alles nach vorne, inklusive der guten alten Hoffnung. Elmo Dorland prüfte den jungen Gästetorwart Michel Vogel in der 75. Minute - aber der 17-jährige Keeper blieb ruhig wie ein Holländer am Deich. Selbst als Herold Breed in der 78. Minute Gelb sah, verlor Venlo nicht ganz den Mut, doch die Präzision blieb verschwunden wie ein Ball im Nebel. Am Ende jubelte Roosendaal über einen Arbeitssieg, der mehr war als das: ein Fingerzeig, dass in dieser Mannschaft trotz ihrer Jugend eine erstaunliche Reife steckt. "Wir trainieren mit viel Spaß, aber wir wissen, wann es ernst wird", sagte Trainer Ga, während er seinem Kapitän auf die Schulter klopfte. Venlo dagegen wirkte ratlos. "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal offensiver denken", sinnierte Abwehrmann Koenraad Metternich. "Oder wenigstens das Tor treffen." Statistisch gesehen war’s knapp - Ballbesitz fast ausgeglichen, Zweikampfquote leicht zugunsten der Gäste (53 zu 47 Prozent). Aber Fußball wird nicht an der Prozenttafel entschieden, sondern im Netz. Und da hatte Roosendaal einfach die besseren Argumente. Als die Flutlichter erloschen, blieb der bittere Nachgeschmack einer verpassten Gelegenheit für Venlo - und das strahlende Grinsen eines 17-jährigen Torwarts, der in der Kabine leise summte: "So fühlt sich Erwachsenwerden an." Ein sarkastisches Schlusswort? Vielleicht dieses: Venlo spielte schön, Roosendaal spielte clever. Und clever gewinnt nun mal öfter. 10.04.643987 06:50 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund