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Utrecht verzweifelt, Ayax mauert - ein torloses Spektakel der besonderen Art

Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, ob das Tornetz beleidigt ist. Der 22. Spieltag der 1. Liga Niederlande zwischen ASOT Utrecht und Ayax Amsterdam war einer dieser Abende. 41.659 Zuschauer im ausverkauften Stadion sahen 90 Minuten lang ein Spiel, das man mit gutem Willen als offensivfreudig, mit weniger Gutwillen als frustrierend bezeichnen könnte - denn am Ende stand ein 0:0, das lauter war, als es klingt.

Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen: Bereits in der 5. Minute prüfte Dirk Dorland den Amsterdamer Keeper Daniel Hiliard mit einem satten Rechtsschuss. Eine Minute später zog Noach Schaffer aus der zweiten Reihe ab - drüber. Trainer Silencio Stilloliv von Utrecht raufte sich die Haare und brüllte: "Wenn ihr weiter so zielt, trefft ihr höchstens das Parkhaus!" Das Publikum lachte, noch war die Stimmung blendend.

Utrecht spielte von Beginn an auf Angriff, mit langen Bällen über die Flügel, aggressiv, körperbetont - ganz so, wie es der taktische Plan vorsah. 59 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse, unzählige Flanken und doch: null Ertrag. "Wir hätten bis morgen früh weiterspielen können", stöhnte Linksaußen Harald Sundström nach dem Abpfiff, "der Ball wollte einfach nicht rein. Vielleicht war’s der falsche Wochentag."

Ayax Amsterdam hingegen wirkte wie ein Team, das mit dem 0:0 schon vor dem Anpfiff zufrieden gewesen wäre. Offensiv zwar auf dem Papier, aber auf dem Platz kaum zu sehen. Ganze drei Schüsse aufs Tor - zwei davon von Dirk Van Buren, der nach dem Spiel trotzig meinte: "Wenn man nicht schießt, kann man auch nicht daneben schießen. Also war das schon fast erfolgreich."

In der 20. Minute hatte Schaffer erneut eine Großchance, der Ball zischte Zentimeter am Pfosten vorbei. Kurz darauf sah Wevers Roemer Gelb, weil er seinen Gegenspieler mehr umarmte als tackelte. "Ich wollte ihn nur bremsen", verteidigte sich der Innenverteidiger später mit einem Grinsen. Stilloliv kommentierte trocken: "Wenn Wevers so zärtlich im Training wäre, hätten wir weniger Verletzte."

Die Gäste aus Amsterdam verlegten sich aufs Zeitschinden und auf waghalsige Rückpässe, die jedes Mal das Herz der mitgereisten Fans kurz stillstehen ließen. Ihr Trainer - nennen wir ihn den großen Verwalter - stand stoisch an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, als wolle er sagen: "Pressing? Nein danke." Und tatsächlich: laut Statistik null Pressing.

Nach der Pause stürmte Utrecht weiter - Dorland, Sundström, Barend Dorland (die Dorlands führten quasi ein Familienunternehmen im gegnerischen Strafraum) - aber Hiliard im Tor von Ayax hatte einen dieser Abende, an denen alles kleben bleibt. In der 66. Minute köpfte Dirk Dorland gefährlich aufs kurze Eck, doch wieder war der Keeper da. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", meinte Hiliard später. "Vielleicht sollte ich mir dafür Prämienpunkte geben lassen."

Die zweite Gelbe Karte für Ayax - binnen einer Minute für Bruguiere (72.) und den 17-jährigen Houghtailing (73.) - brachte wenigstens etwas Farbe ins Spiel. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", erklärte der Teenager nach seinem Debüt, während sein Trainer diskret den Blick gen Himmel richtete.

Utrecht rannte an, Ayax stand - und stand - und stand. Als Sundström in der 89. Minute noch einmal aus spitzem Winkel draufhielt, hielt das Stadion kollektiv den Atem an. Der Ball rauschte über die Latte, die Fans stöhnten, und Stilloliv ließ sich auf der Bank in den Sitz fallen wie ein Mann, der gerade den Sinn des Lebens verpasst hat.

"Ich bin stolz auf die Jungs", sagte er anschließend mit halb ernstem, halb ironischem Unterton. "Wenn es Punkte fürs Bemühen gäbe, hätten wir heute die Champions League gewonnen."

Am Ende war es eines dieser Spiele, über die man sagt: Der Fußballgott hatte frei. Utrecht dominierte nach Belieben, Ayax verteidigte mit der Eleganz eines Betonblocks - und das 0:0 fühlte sich an wie eine Niederlage für die Gastgeber und wie ein Auswärtssieg für die Gäste.

Das Publikum verabschiedete seine Mannschaft trotzdem mit Applaus. Vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Hoffnung, dass beim nächsten Mal einer der 19 Schüsse endlich den Weg ins Netz findet. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Das war kein 0:0, das war ein 90-minütiger Beweis, dass Fußball auch ohne Tore spannend sein kann - wenn man genug Nerven mitbringt."

Und so endete der Abend in Utrecht mit einem paradoxen Fazit: kein Tor, aber reichlich Stoff für Gespräche. Silencio Stilloliv brachte es schließlich auf den Punkt: "Manchmal ist 0:0 eben der lauteste Schrei des Fußballs."

02.11.643987 04:13
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Mario Basler
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