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Es war einer dieser Abende, an denen 55.650 Zuschauer im ausverkauften Stadion von ASOT Utrecht lautstark feierten - zumindest 45 Minuten lang. Dann drehte AS Bologna auf, als hätte jemand den Espresso direkt in die Blutbahn injiziert, und gewann die Europaliga-Partie mit 2:1. Dabei schien alles nach einem typischen Heimspiel für Utrecht zu laufen. Trainer Silencio Stilloliv ließ sein Team im gewohnten, ausgewogenen System auftreten, viel Ballbesitz (über 64 Prozent!) und kontrolliertes Passspiel. Bologna dagegen startete offensiv, aber ohne Pressing - eher wie ein Stier, der noch nicht weiß, dass er bald rot sieht. Der junge Cody Gakpo, gerade einmal 17 Jahre alt, sorgte in der 32. Minute für das erste Ausrufezeichen. Nach feiner Vorarbeit von Joris Raymer nahm er den Ball auf der linken Seite mit, täuschte einen Schuss an, drehte sich und jagte das Leder ins rechte Eck. "Ich habe einfach draufgehalten", grinste Gakpo nach dem Spiel mit einer Mischung aus Stolz und jugendlicher Unbekümmertheit. Utrecht führte 1:0, das Stadion tobte, Trainer Stilloliv applaudierte gemessen, als hätte er es kommen sehen. Und tatsächlich - seine Elf dominierte die erste Halbzeit fast nach Belieben. Anders Dalgaard und Noe de Freitas beschäftigten die Bologneser Außenverteidiger ununterbrochen, und auch der 18-jährige Dirk Vandenhoff kam mehrfach gefährlich zum Abschluss. Doch Tore blieben aus. Nach der Pause änderte sich das Bild. Bologna-Coach Ferdinand Mayer, ein Mann, der seine Mannschaft offenbar mit einer Mischung aus Rhetorik und italienischem Temperament antreibt, brachte neue Impulse. "Ich sagte den Jungs: Wenn ihr schon keinen Ball habt, dann nehmt ihn euch!", lachte Mayer später. Und plötzlich klappte das. In der 55. Minute war es Sebastian Nagel, der nach einem schnellen Doppelpass mit Amaury Morais den Ausgleich erzielte. Der Schuss aus 16 Metern - trocken, präzise, unhaltbar. Torwart Nicolaas Vrooman konnte nur noch hinterherschauen. "Ich dachte, er spielt den Pass quer", murmelte Vrooman hinterher, "aber er hat mich eiskalt erwischt." Utrecht reagierte, aber nicht mehr mit der Dominanz der ersten Hälfte. Die Beine wurden schwer, die Pässe ungenauer. Bologna, das nun spürbar an Selbstvertrauen gewonnen hatte, kam immer wieder gefährlich vor das Tor. Gianluigi Di Carlo, der bullige Mittelstürmer, prüfte Vrooman mehrfach - in der 82. Minute war es dann soweit. Nach einer klugen Vorlage von Edoardo Aiello traf Di Carlo per Kopf zum 2:1. Während die Gäste jubelten, blickte Stilloliv regungslos auf den Rasen. "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, aber wir sind stehen geblieben, als Bologna angefangen hat zu laufen", sagte er später mit einem bitteren Lächeln. In den Schlussminuten versuchte Utrecht noch einmal alles. Noe de Freitas wirbelte unermüdlich auf der rechten Seite, und ein Freistoß von Dalgaard in der 88. Minute strich nur Zentimeter am Pfosten vorbei. Doch Bologna verteidigte clever - zumindest bis Sebastiano Castroregio in der 96. Minute die Nerven verlor und für ein rustikales Einsteigen Rot sah. "Ich habe nur den Ball gesehen", behauptete er, während Mayer ihn mit einem Blick bedachte, der alles zwischen ’Wirklich?’ und ’Nicht schon wieder’ ausdrückte. Statistisch gesehen hätte Utrecht den Sieg verdient gehabt: Mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle, neun Torschüsse. Aber Bologna war schlicht effizienter - 15 Schüsse, zwei Treffer, drei Punkte. Fußball, wie er im Lehrbuch des Zynismus steht. "Manchmal musst du leiden, um zu siegen", meinte Di Carlo nach Abpfiff mit erhobenem Zeigefinger. Und sein Trainer nickte zustimmend, ehe er hinzufügte: "Oder du spielst einfach italienisch." Für Utrecht bleibt die Erkenntnis: Talent und Ballbesitz sind schön, aber Tore zählen. Für Bologna dagegen war es ein Abend, an dem Erfahrung, Cleverness und vielleicht ein Schuss Glück die Oberhand behielten. Und so verabschiedeten sich die Fans von Utrecht zwar enttäuscht, aber mit dem Gefühl, ein intensives, fast dramatisches Spiel gesehen zu haben. Die Italiener sangen noch auf dem Rasen, bevor sie in die Kabine verschwanden - mit breitem Grinsen, zwei Toren und einem Platzverweis in der Tasche. Ein Spiel, das wieder einmal bewies: Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Manchmal reicht ein bisschen Pragmatismus - und ein Gianluigi Di Carlo in Torlaune. 30.08.643990 13:58 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme