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Ein kalter Januarabend in Parma, Flutlicht, 40.000 Zuschauer und zwei Mannschaften, die sich gegenseitig nichts schenken wollten - das war der 12. Spieltag der Serie A, an dem der AC Parma und der SC Florenz mit einem 1:1 auseinander gingen. Ein Ergebnis, das beiden irgendwie zu wenig und gleichzeitig zu viel war. Schon in den ersten Minuten war klar: Das wird kein gemütlicher Spaziergang. Florenz begann mit einer offensiven Ausrichtung, doch die erste nennenswerte Szene gehörte den Hausherren. In Minute fünf versuchte Innenverteidiger Samuel MacBean sein Glück aus der Distanz - ein Schuss, der so weit am Tor vorbeiging, dass man fast meinte, er wollte den Balljungen aufwärmen. Nur eine Minute später gab Bram Leyn auf der anderen Seite die passende Antwort: ein wuchtiger Abschluss, der Parma-Keeper Roberto Costa kurz den Atem stocken ließ. "Ich hab den Ball kommen sehen und gedacht, das Netz zittert gleich", grinste Costa später, "aber dann hat er sich zum Glück für die Werbebande entschieden." Es war ein Spiel mit offenem Visier. Florenz suchte immer wieder den Weg über die Flügel, während Parma versuchte, über kurze Pässe die Kontrolle zu behalten. In Minute 17 fiel dann der erste Treffer - und zwar für Parma: Der junge Esteban Suarez, gerade einmal 21 Jahre alt, traf nach feinem Zuspiel von Henri Picard zum 1:0. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch, präzise, ruhig, eiskalt. Suarez jubelte mit ausgestreckten Armen, als wolle er sagen: "Na also, so geht’s!" Trainer Hip Hop - ja, so heißt der Mann wirklich - rief ihm lachend zu: "Endlich mal einer, der trifft, wenn ich ihn lobe!" Doch die Freude währte nicht lange. Nur zehn Minuten später war es Xabi Segura, ebenfalls 23, der nach mustergültiger Vorlage von Eskil Lundqvist den Ausgleich erzielte. Lundqvist, eigentlich rechter Verteidiger, hatte sich auf die Reise gemacht, als wäre er Flügelstürmer, und legte perfekt auf. 1:1 - und alles wieder offen. "Wir wollten zeigen, dass wir auch nach Rückstand ruhig bleiben können", erklärte Florenz-Coach Giovanni Ferrari später. "Gut, ruhig bis zur 53. Minute vielleicht." Damit spielte er auf die Szene an, die das Spiel endgültig auf den Kopf stellte: Cristian Mancini, der rechte Flügelstürmer der Gäste, sah glatt Rot. Nach einem hitzigen Zweikampf mit Leandro Papasidero ließ er sich zu einer unglücklichen Geste hinreißen - der Schiedsrichter verstand keinen Spaß. Ab da wurde es ein anderes Spiel. Florenz in Unterzahl, Parma mit mehr Ballbesitz (am Ende 53,9 Prozent), aber ohne zählbaren Ertrag. Hip Hop, gewohnt gestenreich an der Seitenlinie, forderte "mehr Mut, mehr Biss", doch seine Elf blieb zu brav. Fünf Torschüsse insgesamt - das ist wenig für ein Heimspiel mit Überzahl. Florenz hingegen verteidigte mit Herz und Zähnen, und wenn sie mal Platz hatten, konterten sie gefährlich. Egidius Comstock prüfte Costa gleich mehrfach, in der 69. und 83. Minute etwa, doch der Torwart blieb Sieger. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", sagte Costa lachend. "Comstock hat mehr geschossen als meine Kinder am Bolzplatz." In der Schlussphase wechselte Ferrari defensiv - Callum Dewey kam für den verwarnten Alex Mendoza (der schon in der 10. Minute Gelb gesehen hatte), später durfte auch der junge Christian Marot noch ein paar Minuten schnuppern. Parma hingegen blieb beim gewohnten 4-4-2, eher spiegelbildlich zum Spielverlauf: stabil, aber ohne Überraschung. Ein paar Minuten vor Schluss forderte das Publikum Elfmeter, als Didier Bernier im Strafraum zu Boden ging. Der Schiedsrichter jedoch blieb standhaft: weiterspielen. "Wenn das ein Foul war, dann bin ich Papst", murrte Ferrari nach Spielende, während Hip Hop nur trocken meinte: "Ich hätte ihn auch nicht gegeben - aber schön wär’s gewesen." Am Ende blieb es beim 1:1, einem Resultat, das beide Seiten als "gerecht, aber ärgerlich" bezeichneten. Parma hatte mehr Ballbesitz, Florenz doppelt so viele Torschüsse (12:5), und trotzdem fühlte es sich wie ein Sieg für die Gäste an. "Wir haben Charakter gezeigt", lobte Xabi Segura, der Torschütze. "Und das mit einem Mann weniger. Wenn wir das nächste Mal elf bleiben, holen wir drei Punkte." Hip Hop hingegen fasste das Spiel pragmatisch zusammen: "Ein Punkt ist besser als keiner. Aber manchmal wünsche ich mir, meine Jungs würden sich trauen, das Tor nicht nur anzusehen, sondern auch zu treffen." Das Publikum applaudierte trotzdem. Vielleicht, weil es ein ehrlicher Fußballabend war - ohne Taktik-Wahnsinn, ohne VAR-Drama, einfach 90 Minuten mit allem, was dazugehört: Tore, Karten, Emotionen. Und ein Trainer namens Hip Hop, der auf der Pressekonferenz mehr gestikulierte als sprach. Zum Abschied sagte er mit einem Schmunzeln: "Das war kein schlechter Auftritt - aber unsere Playlist braucht noch den richtigen Beat." Und irgendwie hatte er recht. 18.06.643987 17:37 |
Sprücheklopfer
Wenn ein Tor fällt, können noch mehr fallen. Aber es muss erst mal eins fallen.
Erich Ribbeck