Fanatik
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Trabsonspor dreht verrücktes Tor-Spektakel gegen Sakariaspor

12500 Zuschauer im Trabson-Stadion bekamen am Freitagabend ein Fußballtheater geboten, das irgendwo zwischen Slapstick, Drama und Hochglanzproduktion oszillierte. Am Ende hieß es 5:3 für Trabsonspor - ein Ergebnis, das so wild klingt, wie das Spiel tatsächlich war.

Dabei sah es nach 45 Minuten ganz und gar nicht nach Jubel im schwarz-bordeauxroten Teil der Tribüne aus. Sakariaspor führte mit 2:1, und die Gäste wirkten in dieser Phase abgeklärter, reifer, effizienter - kurz: wie die Erwachsenen in diesem Spiel. Halil Kuru, der Mann mit dem unerschütterlichen Selbstvertrauen, traf gleich doppelt (10. und 24. Minute), einmal nach feiner Vorarbeit von Sadun Bilgin, einmal nach einem Steckpass von Okan Öngün. Trabsonspor hielt zwar dagegen, doch der 17-jährige Munis Kurtulus war bis zur Pause der einzige, der den Ball für die Hausherren über die Linie brachte (15. Minute) - sein erstes Profiheimtor, das er später als "mein schönster Moment, bis mir das Knie weh tat" beschrieb.

Trainer Oguzhan Yilmaz wirkte in der Halbzeit wie ein Mann, der kurz überlegt, ob er die Taktiktafel oder seine Spieler an die Wand werfen soll. "Ich habe ihnen gesagt: Wenn ihr schon offensiv spielt, dann bitte richtig!", lachte er nach dem Spiel - und manchmal hilft ja Humor als Motivationsmittel.

Was dann folgte, war eine zweite Halbzeit, die man in Trabson wahrscheinlich noch lange erzählen wird. Innerhalb von nur zwei Minuten (53. und 54.) drehte Trabsonspor das Spiel durch Tore von - wieder - Kurtulus und dem erfahrenen Juriaan Van Vechten. Plötzlich war Feuer drin, das Publikum stand, die Ersatzspieler hüpften, und Sakariaspor wusste gar nicht so recht, ob sie applaudieren oder protestieren sollten.

Doch damit nicht genug: Nur eine Minute nach Van Vechtens Treffer legte Swen Riedel das 4:2 nach. Drei Tore in drei Minuten - das nennt man wohl einen Doppelklick auf die Fußballwahnsinn-Taste. "Ich wusste gar nicht, dass ich so schnell rennen kann", grinste Riedel später in der Mixed Zone, "vielleicht lag’s am neuen Gel in den Haaren."

Sakariaspor war damit natürlich nicht aus dem Spiel, aber merklich aus dem Konzept. Trainer Oguzhan Yilmaz hatte seinem Teenager Kurtulus anschließend eine Pause verordnet - notgedrungen, denn der Youngster verletzte sich bei einem Zweikampf in der 59. Minute und wurde unter Applaus ausgewechselt. Für ihn kam Adriano Sa Pint, der prompt das Tempo hochhielt und mit seiner Erfahrung die linke Seite stabilisierte.

Alper Özgen krönte schließlich den Trabson-Abend mit dem 5:2 in der 69. Minute, nach Vorarbeit - natürlich - von Swen Riedel, der inzwischen alles anfasste, was nach Ball aussah. Sakariaspor stemmte sich noch einmal gegen die Niederlage, und wieder war es Halil Kuru (76.), der mit seinem dritten Treffer des Abends das 5:3 erzielte. Ein Hattrick in einem verlorenen Spiel - das ist bittersüß wie kalter Tee nach einer heißen Dusche.

"Ich war heute einfach im Tunnel", sagte Kuru hinterher, sichtlich enttäuscht, "aber der Tunnel führte wohl ins falsche Torverhältnis." Sein Trainer nickte nur stumm und murmelte etwas von "Fehlern in der Rückwärtsbewegung", die vermutlich der ganzen Abwehr galten.

Statistisch betrachtet war das Spiel ausgeglichen - 50,6 Prozent Ballbesitz für Trabsonspor, 49,4 für Sakariaspor, 13 zu 8 Torschüsse. Doch die nackten Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte bestand aus Emotion, jugendlichem Übermut und einem Publikum, das seine Mannschaft förmlich in die Offensive schrie.

Torwart Andrew Edgecomb musste zwar dreimal hinter sich greifen, zeigte aber in der Schlussphase zwei Glanztaten, die den Sieg sicherten. "Ich bin kein Freund von 5:3-Ergebnissen", knurrte er danach, "aber Hauptsache, wir haben mehr als die anderen."

So endete ein Abend, der in Trabson wohl als "das Spiel der drei Minuten" in Erinnerung bleiben wird. Trainer Yilmaz gönnte sich beim Abpfiff ein rares Lächeln und meinte: "Wenn wir jede Woche so spielen, kriege ich in zwei Monaten graue Haare - aber vielleicht auch Punkte."

Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, tönte aus den Lautsprechern irgendein Popsong über Liebe und Triumph. Passender hätte man’s kaum treffen können - zumindest für Trabsonspor.

02.05.643987 01:58
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