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Trabzon - Es war ein jener Abende, an denen der Fußball wieder einmal zeigte, warum er so viele graue Haare verursacht - und doch süchtig macht. Im heimischen Stadion an der Schwarzmeerküste besiegte Trabsonspor am 7. Spieltag der 1. Liga Türkei Antaliaspor mit 2:1 (0:1) und verwandelte einen Rückstand in einen Triumph, der nach Arbeit, Wille und einem Hauch jugendlicher Unbekümmertheit roch. 12.500 Zuschauer hatten sich bei kühlen Januartemperaturen in die Ränge geschleppt, und sie wurden zunächst Zeugen eines altbekannten Phänomens: Trabsonspor begann stürmisch, aber unpräzise. Schon nach einer Minute prüfte Gilles Weyenberg den gegnerischen Torhüter Tunca Sekman, und Coach Oguzhan Yilmaz rieb sich zufrieden die Hände. Doch der Ball wollte einfach nicht rein. "Es war, als ob das Tor kleiner geworden wäre", scherzte Yilmaz später. Antaliaspor dagegen machte, was Auswärtsteams eben so machen: ruhig bleiben, überstehen, kontern. Und als Ryan Longfellow in der 22. Minute nach feinem Zuspiel von Igor Gussew plötzlich frei vor Keeper Andrew Edgecomb auftauchte, war das 0:1 perfekt. Ein Schuss, ein Tor, ein leises Raunen durchs Rund. "Wir wollten zeigen, dass wir auch auswärts gefährlich sind", grinste Longfellow nach dem Spiel. Trabsonspor wütete, schoss, kombinierte - 18 Torschüsse zählte die Statistik am Ende, fast dreimal so viele wie die Gäste. Doch bis zur Pause blieb es beim Rückstand. Auf der Tribüne fluchte ein älterer Fan: "Die schießen ja mehr daneben als ich beim Dart!" Nach dem Seitenwechsel kam die Wende - und sie trug die Rückennummer 17. Munis Kurtulus, 17 Jahre jung, offenbar frei von jeder Angst, traf in der 53. Minute zum Ausgleich. Nach Vorarbeit von Marcio Mocana setzte der Teenager den Ball trocken ins linke Eck. Das Stadion explodierte. "Ich habe nicht nachgedacht", sagte Kurtulus später strahlend. "Vielleicht war das mein Glück." Trainer Yilmaz nickte nur und murmelte: "Manchmal ist Denken überbewertet." Von da an spielte fast nur noch Trabsonspor. Antaliaspor, bei dem der Ballbesitz mit knapp 47 Prozent respektabel blieb, verlor die Ordnung. Gerhard Rieger kassierte Gelb (84.), Christian Arnaud ebenso (59.) - sinnbildlich für den zunehmenden Frust. "Wir wollten einfach zu viel", seufzte Gästecoach Volker Kraft. "Und bekamen dafür die Quittung." In der 70. Minute kam sie: die Quittung in Form des Siegtores. Wieder war Mocana beteiligt, diesmal als Vollstrecker. Nach einem energischen Vorstoß von Jose Miguel setzte der brasilianische Stürmer den Ball humorlos unter die Latte - 2:1. Der Jubel war ohrenbetäubend; ein Zuschauer verlor vor Freude seinen Schal, ein anderer seine Stimme. Danach verteidigte Trabsonspor clever, mit der Abgeklärtheit einer Mannschaft, die aus Fehlern gelernt hat. Ezequiel Travassos und Caio Alvaro räumten hinten alles ab, was rot-weiß war. Antaliaspor versuchte es zwar noch mit ein paar zaghaften Fernschüssen, doch Edgecomb im Tor musste kaum noch eingreifen. "Wir haben heute Charakter gezeigt", bilanzierte Trainer Yilmaz nach Spielschluss. "Und ein bisschen Nervenstärke - die hatte ich in der ersten Halbzeit ehrlich gesagt nicht." Sein Kollege Kraft sah es sportlich: "Wenn du in Trabzon führst und trotzdem verlierst, hast du vielleicht nicht alles falsch gemacht - aber eben auch nicht genug richtig." Statistisch gesehen war es ein verdienter Sieg: 52,7 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, eine Zweikampfquote von knapp 55 Prozent - und vor allem das Gefühl, ein Spiel gedreht zu haben, das schon verloren schien. Im Kabinengang jubelte Kurtulus noch immer, als sein erfahrener Mitspieler Mocana ihm auf die Schulter klopfte: "Junge, so fängt’s an. Aber gewöhn dich schon mal dran - nächste Woche wollen sie wieder ein Tor von dir." Der Teenager grinste breit. "Kein Problem", antwortete er, "ich hab ja jetzt Übung." Trabsonspor atmet auf, Antaliaspor hadert - und die Fans? Sie gingen nach Hause mit heiseren Stimmen, kalten Füßen, aber warmem Herzen. Ein Abend, an dem der Fußball wieder einmal alles bot, was er verspricht: Dramatik, Überraschung - und die Erkenntnis, dass selbst ein 17-Jähriger manchmal mehr Ruhe bewahren kann als ein ganzer Block voller erwachsener Männer. 29.03.643987 13:52 |
Sprücheklopfer
Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand