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Torlos, aber nicht farblos: Bologna und Delemont trennen sich 0:0

Es war einer dieser Abende, an denen 43.500 Zuschauer in Bologna zwar keinen Treffer, dafür aber reichlich Gesprächsstoff bekamen. AS Bologna und der SC Delemont lieferten sich im Europaliga-Qualifikationsduell ein intensives 0:0 - ein Spiel, das zeigte, dass man auch ohne Tore schwitzen, zittern und fluchen kann.

Von Beginn an war klar, wer hier die Initiative ergreifen wollte. Die Schweizer aus Delemont traten frech und offensiv auf, wie ein Gast, der nicht nur zum Kaffee, sondern gleich zum Abendessen bleibt. Schon nach zwei Minuten prüfte Laurent Rothe den jungen Keeper Enrico Satriano mit einem satten Distanzschuss. Satriano lenkte den Ball über die Latte - sein erster großer Moment des Abends.

Bologna hingegen begann defensiv und abwartend, wie es Trainer Ferdinand Mayer offenbar geplant hatte. "Wir wollten kompakt stehen und auf unsere Momente warten", erklärte Mayer später mit leichtem Zucken im linken Augenwinkel. Diese Momente kamen - aber leider verpufften sie. In der 5. Minute zog Sebastian Nagel gefährlich ab, in der 17. versuchte es Libor Kula aus der zweiten Reihe, und in der 20. knallte Edoardo Aiello den Ball knapp neben den Pfosten. Drei gute Ansätze, null zählbare Erfolge.

"Ich hatte kurz das Gefühl, der Ball wollte heute einfach niemanden finden", lachte Nagel nach dem Spiel. Mit seinem dritten Abschluss in der 74. Minute verzog er erneut - diesmal so knapp, dass der Stadionsprecher schon Luft holte, um "Toooor" zu rufen.

Während Bologna auf Konter lauerte, spielte Delemont weiter mutig nach vorn. Trainerin Lena-Marie Temmel hatte ihre Elf offensiv eingestellt - Angriff über die gesamte Breite, Schüsse aus allen Lagen. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht zufällig hier sind", sagte Temmel, die an der Seitenlinie so lebhaft coachte, dass man ihr beinahe eine Gelbe Karte wegen Übermotivation hätte zeigen müssen.

Patrick Stern und Benjamin Besson waren die auffälligsten Akteure bei den Gästen. Sterns Versuch in der 27. Minute rauschte hauchdünn über den Querbalken, während Besson gleich mehrfach für Gefahr sorgte - in der 31., 73., 79. und sogar in der Nachspielzeit (91.). Doch Satriano, der 21-jährige Bologna-Keeper, hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend unüberwindbar zu sein. "Ich habe einfach versucht, ruhig zu bleiben", sagte er bescheiden, während seine Mitspieler ihn in der Kabine als "unsere Wand" feierten.

Drama gab es auch jenseits des Strafraums: In der 34. Minute musste Rikki Vedder nach einer unglücklichen Landung verletzt vom Platz. Sein Ersatz Dylan Dewey kam und fügte sich prompt mit zwei Torschüssen ein - Einsatz pur, auch wenn das Netz unberührt blieb.

Das Spiel lebte vom Tempo und der Spannung, weniger von Präzision. Delemont verbuchte 17 Torschüsse, Bologna deren 9, und beim Ballbesitz lag das Pendel leicht zugunsten der Gäste (54 zu 46 Prozent). Doch wer jetzt denkt, Bologna habe sich hinten eingeigelt, irrt: Immer wieder wagte sich das Team in die Offensive - allerdings so vorsichtig, als stünde ein Warnschild mit der Aufschrift "Vorsicht, Kontergefahr".

In der Schlussphase war dann alles drin außer einem Tor: Temmel gestikulierte wild, Mayer flüsterte seinem Assistenten zu ("Wenn wir jetzt noch eins fangen, war’s das mit den Ferien"), und auf den Rängen fragte ein Fan in die Runde, ob man für "fast Tore" eigentlich Punkte bekomme.

Nach 90 Minuten war die Null zementiert - für Delemont eine kleine Enttäuschung, für Bologna irgendwie ein Erfolg. "Ich bin stolz auf die Disziplin der Jungs", sagte Mayer, "auch wenn mir ein Tor natürlich lieber gewesen wäre." Temmel hingegen haderte: "Wir hätten das Spiel gewinnen müssen. Aber vielleicht sparen wir uns die Treffer fürs Rückspiel auf."

So endete der Abend torlos, aber keineswegs ereignislos. Bologna verteidigte, Delemont versuchte, und beide Teams lieferten sich ein Duell zwischen Geduld und Ungeduld, zwischen Beton und Feuerwerk.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen lakonisch meinte: "Kein Tor, aber immerhin viel Bewegung - das ist doch schon fast Fitnessstudio mit Eintrittskarte."

Und irgendwie hatte er recht.

10.06.643990 16:56
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