Sport-Blick
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Tor-Feuerwerk am Zürichsee: Biryol und Ames stehlen allen die Show

Es war ein Abend, an dem 40.798 Zuschauer im Letzigrund kaum wussten, ob sie über das Gesehene staunen, lachen oder sich die Haare raufen sollten. Blau-Weiss Zürich und der SC Aarau trennten sich am 6. Spieltag der 1. Liga Schweiz 3:3 - ein Ergebnis, das so wild war wie das Spiel selbst. Sechs Tore, ein verletzter Innenverteidiger, zwei Doppelpacker und ein Trainer, der nach Abpfiff nur noch mit einem ironischen Lächeln zu retten war.

Es begann, wie es bei Aarau fast schon Tradition zu sein scheint: Mit einem mutigen Offensivkonzept und einer Spur Größenwahn. In der 19. Minute traf Thomas Herzog nach einem schnellen Angriff über die Mitte zum 0:1. "Ich habe einfach reingehauen - manchmal hilft Denken nur dem Gegner", grinste der 28-jährige Mittelstürmer später in die Kameras. Zürichs Trainer Eddi Manson hingegen sah da noch nicht amüsiert aus. Er hatte gerade erst den 19-jährigen Serge Benoist wegen einer Verletzung vom Platz nehmen müssen - "so früh wollte ich eigentlich noch keinen Taktikplan B ziehen", knurrte er.

Doch Blau-Weiss wäre nicht Blau-Weiss, wenn sie nicht über die Flügel zaubern könnten. In Minute 27 schlug Horst Abati eine Flanke, wie sie sonst nur in Fußball-Videospielen vorkommt - und Peyami Biryol, der 23-jährige Wirbelwind auf der rechten Seite, köpfte zum 1:1 ein. "Ich wollte eigentlich passen", schmunzelte er später. Acht Minuten später machte derselbe Biryol das 2:1, diesmal nach feiner Vorarbeit von Mate Andric. Das Stadion bebte, die Fans sangen, und Aarau wankte - aber fiel nicht.

Denn just in der Nachspielzeit der ersten Hälfte schlug der Gast zurück. Jean-Pierre Ames, Aaraus erfahrener Linksfuß, zog nach Vorlage von Namensvetter Jean-Pierre Westphal aus 20 Metern ab - 2:2, Sekunden vor der Pause. "Wir wollten nicht mit hängenden Köpfen in die Kabine", erklärte Trainer Hans Meyer später mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und Erleichterung pendelte.

Nach der Pause war Aarau die aktivere Mannschaft, auch wenn Zürich kämpfte wie ein Boxer in der achten Runde. 56 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse für Aarau, 12 für Zürich - die Zahlen erzählen die Geschichte einer Mannschaft, die im Mittelfeld dominierte, aber hinten stets zitterte. In der 51. Minute war es erneut Ames, der nach einem Eckball von Oskar Müller goldrichtig stand. 2:3 - der zweite Streich des Mannes, der plötzlich wie in seiner besten Zeit aufblühte.

Doch Zürich gab sich nicht geschlagen. Trainer Manson brachte frisches Blut: den 19-jährigen Olivier Linke und den jungen Mason Martel. Und siehe da - das Spiel kippte wieder. In der 66. Minute bewies der eingewechselte Jose Maria Henrique, dass auch ein linker Verteidiger Flankengefühl besitzen kann. Seine butterweiche Hereingabe fand - natürlich - den Kopf von Peyami Biryol. Hattrick komplett. 3:3.

"Ich habe einfach die Augen zugemacht", lachte Biryol nach Spielende. "Wenn’s dreimal klappt, war’s vielleicht gar keine schlechte Idee." Sein Trainer war indes nicht ganz so entspannt: "Wir hätten das Ding auch gewinnen können, aber manchmal ist Fußball wie ein Würfelspiel. Nur dass Aarau heute zwei Sechsen hatte - und wir drei Fünfen."

In den letzten 20 Minuten war der SC Aarau dem Sieg näher, doch Zürichs Torhüter Lionel Ronaldo (ja, der Name sorgt immer wieder für Stirnrunzeln) entschärfte mehrere gefährliche Abschlüsse von Pelletier und Mendez. "Ich wollte den Ronaldo in mir channeln", scherzte er nach Abpfiff.

Die Zuschauer bekamen jedenfalls alles, was man sich von einem Winterabend im Januar wünschen kann: Tore, Tempo, Emotionen - und das Gefühl, dass die 1. Liga Schweiz manchmal mehr Drama bietet als jede Champions-League-Gala.

"Wenn wir so weiterspielen, kriegen die Zuschauer bald Herzprobleme", meinte Aarau-Trainer Meyer mit einem Augenzwinkern. Sein Gegenüber Manson konterte: "Dann sollen sie wenigstens wissen, warum."

So blieb es beim 3:3, einem Ergebnis, das beide Seiten wohl als "gerecht, aber irgendwie unbefriedigend" abhaken werden. Peyami Biryol und Jean-Pierre Ames stahlen allen die Show, die Abwehrreihen beider Teams taten das Gegenteil.

Und so gingen die 40.798 Zuschauer nach Hause - halb begeistert, halb erschöpft, aber ganz sicher überzeugt: Dieses Spiel wird man so schnell nicht vergessen.

17.03.643987 23:10
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