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Ein Heimspiel, das keines war: Atletico Enelec verlor am 14. Spieltag der 1. Liga Ecuador vor 52.273 Zuschauern mit 0:3 gegen Toreros Guayaquil - und das, obwohl sie mehr Ballbesitz hatten. Es war eine jener Partien, die man mit einem bitteren Lächeln als "Lehrstunde in Effizienz" bezeichnet. Trainer Justin Moller stand nach dem Abpfiff mit verschränkten Armen am Spielfeldrand, der Blick irgendwo zwischen Ratlosigkeit und stillem Ärger. "Wir haben das Spiel kontrolliert - bis sie angefangen haben, Tore zu schießen", sagte er trocken. Dabei begann alles durchaus verheißungsvoll: Schon in der ersten Minute prüfte Jordi Morales den Gästekeeper Duarte Alcazar mit einem kernigen Schuss. Die Fans jubelten, die Trommeln dröhnten - und für einige Minuten schien Enelec wirklich Herr im eigenen Haus. Fernando Postiga rannte, als wolle er die rechte Außenlinie in Flammen setzen, doch seine Abschlüsse blieben harmlos. Insgesamt brachte Enelec acht Torschüsse zustande, viele davon aus der Distanz, wie um den Strafraum herumzutasten, ohne ihn wirklich betreten zu wollen. Guayaquil hingegen lauerte. Coach Richard Hesselmann hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, aber mit der Geduld eines Pokerspielers. "Wir wussten, dass Enelec gerne den Ball hat. Wir wollten die Tore", grinste er später. Und genau das bekamen die Toreros - gleich drei davon, alle innerhalb von nur neun Minuten. In der 54. Minute war es Callum Cromwell, der nach einem herrlichen Diagonalpass von Marvin Balzac den Ball flach ins lange Eck schob. Cromwell jubelte, als habe er gerade ein ganzes Land erlöst, und Balzac ließ sich klatschen wie ein Konzertpianist nach dem perfekten Solo. Enelec taumelte. Fünf Minuten später köpfte Javier Baro nach einer Ecke von Nuri Kaynak das 0:2 - ein Innenverteidiger, der plötzlich wie ein Mittelstürmer wirkte. "Ich war einfach da, wo der Ball war", lachte Baro später, noch mit Eisbeutel am Knie; kurz vor Schluss musste er verletzt vom Platz. Und als die Heimfans dachten, schlimmer könne es nicht werden, kam Markos Goumas. Der 32-jährige Mittelfeldstratege zirkelte in der 63. Minute einen Ball ins Netz, den man eher im Training als in einem Ligaspiel erwartet. Vorlage: Luis Hafner, der an diesem Abend offenbar mehr Kilometer lief als ein Marathonläufer in Quito. 0:3 - und die "Toreros" hatten ihr Werk vollendet. Enelec versuchte es noch mit Wechseln: Carlo Ferrari kam für den glücklosen Postiga, Joshua Benveniste ersetzte den jungen Ernesto de la Fuente. Doch die Statik blieb dieselbe - viel Ball, wenig Biss. Die 53 Prozent Ballbesitz wirkten wie eine trügerische Statistik, die verdeckte, dass Guayaquil die gefährlicheren Momente hatte: zwölf Schüsse aufs Tor, dreimal drin. Ein kurzer Aufreger in Minute 11: Peter Michaelsen sah Gelb, nachdem er einen Angriff rustikal beendete, was der Schiedsrichter offenbar nicht als "intensiv" wertete, sondern schlicht als "zu spät". Auf der anderen Seite kassierte Baro in der 27. Minute ebenfalls Gelb - bevor er später zum Helden wurde. Die Atmosphäre im Stadion kippte nach dem dritten Gegentor. "Man hörte plötzlich nur noch das Rascheln der Chipstüten", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne. Neben ihm schimpfte ein älterer Herr: "Wenn man den Ball ständig quer spielt, kommt man nie ins Tor!" - eine Feststellung, der wohl niemand widersprach. Nach dem Spiel versuchte Moller, das Positivste aus der Niederlage zu ziehen: "Wir haben gezeigt, dass wir den Ball behaupten können. Jetzt müssen wir nur noch etwas Sinnvolles damit anfangen." Sein Pendant Hesselmann konterte charmant: "Ich mag Ballbesitz - solange ihn der Gegner hat." Statistisch gesehen war es kein Klassenunterschied, sondern ein Realitätscheck. Enelec hatte 47 Prozent Zweikampfquote, Guayaquil etwas mehr. Doch der Unterschied lag im Timing, in der Konsequenz - und vielleicht im Glauben, dass man auch auswärts tanzen darf. Ein ironischer Moment blieb zum Schluss: Als der Stadionsprecher die Zuschauerzahl verkündete - "fünfzigtausendzweihundertdreiundsiebzig" - brandete Applaus auf. Vielleicht, weil sich wenigstens die Fans nichts vorwerfen konnten: Sie waren da. Und so ging ein Abend zu Ende, an dem Atletico Enelec den Ball liebte, aber das Tor vergaß. Guayaquil dagegen spielte den perfekten Torero - wartete, lockte, stach zu. Drei Mal präzise, drei Mal tödlich. Oder wie Callum Cromwell es mit einem Augenzwinkern formulierte: "Manchmal ist weniger Ball mehr Fußball." Ein Satz, der in Enelec wohl noch eine Weile nachhallen dürfte. 10.04.643994 21:35 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
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