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Manchester - 27.000 Zuschauer im altehrwürdigen Devils Park rieben sich am Mittwochabend verwundert die Augen. Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, stand es schon 0:1 - und ehe man das Bier wieder abgestellt hatte, 0:2. Burnley Clarets, die sonst eher für zähe Abwehrarbeit als für Offensivfeuerwerk bekannt sind, überrumpelten die favorisierten Manchester Devils auf deren eigenem Rasen mit einer Mischung aus jugendlicher Frechheit und erstaunlicher Präzision. Am Ende gewannen die Gäste verdient mit 3:2 und nahmen drei Punkte mit, die wohl kaum jemand auf dem Tippschein hatte. Schon in der dritten Minute klingelte es - Burnleys Linksaußen Jaime Montalban zog von der Seite nach innen und schlenzte den Ball nach feiner Vorarbeit des 17-jährigen Innenverteidigers Jamie Neville ins lange Eck. "Ich dachte, ich sei zu weit draußen, aber dann flog der Ball wie von selbst rein", grinste Montalban später. Zwei Minuten später legte der 18-jährige Billy Haddington nach, ein Linksverteidiger, der offenbar vergessen hatte, dass seine Hauptaufgabe das Verteidigen ist. Nach einem Pass von Demir Saglam drosch er den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. 0:2 - und die Devils-Abwehr stand da wie eine Theaterkulisse, hübsch anzusehen, aber komplett unbeweglich. Trainer der Clarets, Jan Reckert, verschränkte die Arme und blieb erstaunlich ruhig. "Wir wollten früh stören und mutig sein. Dass das so funktioniert, überrascht sogar mich ein bisschen", gab er später schmunzelnd zu. Die Devils, angeführt von Routinier Andre Le Tallec im Mittelfeld, brauchten über eine halbe Stunde, um überhaupt ins Spiel zu finden. Robert Dubois prüfte Burnleys Keeper Vincent Landseer gleich mehrfach, doch der 26-Jährige im Tor wuchs über sich hinaus. "Ich glaube, ich hab heute mehr geflogen als Ryanair", witzelte Landseer nach der Partie. Zur Halbzeit stand es also 0:2, und auf den Rängen machte sich eine Mischung aus Unglauben und britischem Galgenhumor breit. "Vielleicht sparen sie sich die Tore für nächste Woche auf", murmelte ein älterer Fan, während er sich den Schal enger zog. Doch kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, erhob sich der Devils-Park zum ersten Mal an diesem Abend. In der 46. Minute bediente Le Tallec den Stürmer Joseph Krebs mit einem butterweichen Pass - und der Routinier vollstreckte eiskalt zum 1:2. "Das war der Moment, wo ich dachte: Jetzt kippt das Spiel", sagte Devils-Coach (dessen Name man in der Pressekabine lieber nicht noch einmal erwähnte, um seine Laune zu schonen). Aber Burnley blieb unbeeindruckt. In der 57. Minute stellte Laurent Saint-Pierre den alten Abstand wieder her, nachdem Haddington einmal mehr über die linke Seite marschiert war. 1:3 - und die Devils wieder mit hängenden Köpfen. Trotz 52 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüssen gegen 14 der Gäste fehlte den Hausherren die letzte Konsequenz. Dubois traf in der 69. Minute immerhin noch zum 2:3, ein sehenswerter Treffer aus 18 Metern, der kurz Hoffnung schürte. Doch Burnley verteidigte clever, stellte die Räume zu und ließ den Teufeln keine Lücke mehr. Für einen kurzen Moment sah man, wie der 18-jährige Jamie Onnington das 3:3 auf dem Fuß hatte, doch sein Schuss in der 87. Minute rauschte knapp am Pfosten vorbei. Auf der Bank schlug Le Tallec die Hände vors Gesicht, während Reckert gelassen an seiner Wasserflasche nippte. "Wir haben in der ersten Halbzeit einfach geschlafen", knurrte Dubois nach dem Abpfiff. "Wenn du Burnley zwei Geschenke machst, bedanken sie sich eben höflich." Die Statistik sprach am Ende eine nüchterne Sprache: 52 Prozent Ballbesitz für Manchester, aber nur 49 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Burnley dagegen effizient, gallig und abgeklärt - und mit einer jungen Garde, die das Publikum beeindruckte. Reckert fasste es trocken zusammen: "Wir hatten heute keine Angst. Und wenn man gegen die Devils keine Angst hat, dann kann man sie schlagen." Im Devils-Park leerten sich die Ränge schnell, nur ein paar Fans blieben zurück und sangen trotzig, als wolle man sich selbst Mut zusprechen. Vielleicht lag ja in diesem 2:3 mehr als eine Niederlage - vielleicht ein Weckruf. Denn wer in den ersten fünf Minuten zweimal ins offene Messer läuft, darf sich am Ende über den Schnitt nicht wundern. Und so verabschiedeten sich die Clarets mit breitem Grinsen in die Nacht von Manchester - während die Devils noch suchten, wo sie eigentlich die ersten 45 Minuten gelassen hatten. 29.03.643987 20:37 |
Sprücheklopfer
Jetzt stehen die Chancen 50:50 oder gar sogar 60:60.
Rainer Calmund