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Sturm Graz verspielt Führung - Elfsborg tanzt den Skandinavien-Schlussakkord

Es war einer dieser Abende in Graz, an denen man sich fragt, ob Fußball eigentlich Tragödie oder Komödie ist. 44.451 Zuschauer im ausverkauften Stadion erlebten beides - erst einen Sturm im besten Sinne des Wortes, dann einen Zusammenbruch, wie ihn sonst nur schwedische Krimis bieten. Am Ende stand ein 2:3 (1:0) gegen den FC Elfsborg, das die Grazer zwar mit stolzgeschwellter Brust, aber leeren Händen zurückließ.

Dabei fing alles so verheißungsvoll an. Schon in der 17. Minute donnerte Karl Moser, der bullige Mittelstürmer der Grazer, den Ball nach Vorarbeit von Javier Ronaldo - ja, der Name ist echt - in die Maschen. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch: präzise, wuchtig, mit einem Hauch von Übermut. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Moser später. "Der Ball war genauso überrascht wie der Torwart."

Trainer Peter Mate gestikulierte an der Seitenlinie zufrieden, während die Schweden noch ihre Positionen suchten. Sturm drängte, kombinierte, schoss - zwölf Mal insgesamt aufs Tor, doppelt so oft wie der Gegner. Ballbesitz? Fast ausgeglichen: 50,6 Prozent zu 49,4. Doch Fußball ist bekanntlich kein Rechenexempel, und schon gar kein fairer Mathematikunterricht.

Dramatik gab’s früh: In der 18. Minute musste Ignacio Albentosa nach einer unglücklichen Kollision vom Platz - offenbar ein Muskelfaserriss. "Ich wollte eigentlich den Ball treffen", murmelte er beim Verlassen des Rasens. Stattdessen traf er wohl die Erkenntnis, dass der Fußballgott heute Schwede war.

Kurz darauf kassierte der erfahrene Phillipp Rau Gelb - und das noch vor seiner Auswechslung. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", scherzte er später, "leider hat der Schiri das zu wörtlich genommen."

Die erste Halbzeit endete mit einem verdienten 1:0 für Sturm. Elfsborg wirkte unruhig, Trainer Mister Fussball - ja, wirklich so im Pass - stapfte grantig in die Kabine. Man munkelte, er habe dort auf Schwedisch Dinge gesagt, die selbst IKEA nicht übersetzen möchte.

Nach dem Seitenwechsel drehte sich das Spiel. Alain Allington, ein Stürmer mit der Eleganz eines Eishockeyspielers, traf in der 58. Minute nach schöner Vorarbeit von Björn Söderberg. Plötzlich war Elfsborg da - eiskalt, effizient, nordisch präzise.

Doch Sturm schlug zurück. In der 69. Minute verwandelte Niklas Fritz eine butterweiche Flanke von Karl Geiger per Direktabnahme zum 2:1. Das Stadion tobte, Peter Mate sprang in die Luft, und die Fans sangen sich heiser. "Da dachte ich, das Ding ist durch", sagte Mate später. "Leider dachte das meine Abwehr auch."

Denn dann kam der Doppelschlag der Skandinavier: Erst Allington in der 79. Minute - wieder nach Vorlage des unermüdlichen Jacob Harte. Dann, kaum zwei Minuten später, Björn Söderberg selbst, eiskalt nach Pass von Allington. Zwei Tore in zwei Minuten, und plötzlich war aus dem Sturm ein laues Lüftchen geworden.

"Wir waren kurz im Winterschlaf", meinte Kapitän Fritz trocken. "Vielleicht liegt’s am Wetter, vielleicht an der nordischen Gelassenheit. Jedenfalls waren sie in der Phase einfach cleverer."

Die Grazer versuchten alles, warfen in den letzten Minuten noch einmal alles nach vorn. Luka Merkel prüfte den Keeper, Christopher Bartsch verfehlte knapp, und die Bank stand Kopf. Doch der Ball wollte nicht mehr über die Linie.

Elfsborg verteidigte mit der stoischen Ruhe eines Fjords. Selbst als Urban Lund in der Nachspielzeit Gelb sah und Andreas Jansen kurz darauf ebenfalls, blieb das Team eiskalt. "Wir sind keine Schauspieler, wir sind Schweden", grinste Allington nach Schlusspfiff. "Wir machen das ohne Drama."

Das Publikum verabschiedete seine Mannschaft dennoch mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Stolz. Denn so viel Herzblut, so viel Offensive und so viel Pech sieht man selten in einem Spiel.

Trainer Mate fasste es mit einem bitteren Lächeln zusammen: "Wir haben heute europäischen Fußball gespielt - leider auch den Teil, in dem man verliert."

So bleibt Sturm Graz nach diesem Europaliga-Abend zwischen Pathos und Pech hängen. Ein Spiel, das man nicht vergisst - außer man ist Torwart Baltsar Dahlin, der kaum wusste, wie ihm geschah, und am Ende trotzdem als Sieger vom Platz ging.

Fazit: Sturm Graz spielte wie ein Orkan, Elfsborg hielt stand wie ein Fels im Fjord. Und irgendwo zwischen den Böen ging der Sieg verloren.

06.06.643987 22:30
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Es gibt nur einen Ball. Wenn der Gegner ihn hat, muß man sich fragen: Warum!? Ja, warum? Und was muß man tun? Ihn sich wiederholen!
Giovanni Trappatoni
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