L’Equipe
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Straßburg zerlegt Montpellier - 7:0! Ein Abend zwischen Fußballkunst und Verzweiflung

Es gibt Fußballspiele, bei denen man sich fragt, ob man Zeuge eines Sportereignisses oder eines Kunstwerks geworden ist. Das 7:0 (4:0) von AS Straßburg gegen Montpellier am 2. Spieltag der französischen Ligue 1 war beides - eine Symphonie in Blau-Weiß, orchestriert von einem entfesselten Franck Breuer, begleitet von einem Publikum, das zwischen Fassungslosigkeit und Ekstase schwankte.

Schon nach einer Viertelstunde war klar, dass Montpellier an diesem Abend nicht gekommen war, um Punkte zu holen, sondern um Demut zu lernen. Straßburgs Trainer Da To, sonst eher ein nüchterner Taktiker, hatte seine Elf mit der simplen Devise aufs Feld geschickt: "Jungs, schießt einfach, bis der Ball müde wird." Und das taten sie - 27 Schüsse aufs Tor, während Montpellier ganze *einen* zustande brachte.

Der Abend begann mit jugendlichem Überschwang: Der 18-jährige Erim Aydemir, ein Flügelspieler mit der Unbekümmertheit eines Straßenfußballers, eröffnete in der 24. Minute den Torreigen - nach feiner Vorarbeit von Ralf Wahl. Kaum hatten die 60.543 Zuschauer den Torjubel beendet, traf Franck Breuer doppelt (25. und 27. Minute). Breuer, dessen Schusskraft wohl auch Stahlplatten verbiegen könnte, grinste nach seinem zweiten Treffer: "Ich wollte eigentlich flanken - aber dann dachte ich: Ach, warum nicht mal das Netz testen?"

Montpellier taumelte, Straßburg tanzte. Louis Barnier, ein 22-jähriger Wirbelwind auf der rechten Seite, setzte mit dem 4:0 in der 40. Minute den Halbzeitpunkt - nach einem Eckball, der so präzise war, dass selbst ein Schweizer Uhrmacher applaudiert hätte.

Zur Pause lief Trainer Da To gemächlich in die Kabine, während Montpelliers Coach vermutlich überlegte, ob er lieber den Bus oder den Fluchtweg nehmen sollte. "Ich sagte den Jungs: Lasst uns wenigstens so tun, als hätten wir Spaß", witzelte er später mit einem bitteren Lächeln.

Nach dem Seitenwechsel schaltete Straßburg einen Gang zurück - aber nur, um danach wieder Gas zu geben. Breuer machte in der 55. Minute seinen Hattrick perfekt, diesmal nach Vorarbeit des jungen Aydemir. Die beiden verstanden sich blind, wie Vater und Sohn auf dem Bolzplatz. "Erim rennt, ich schieße - das klappt ganz gut", sagte Breuer später trocken.

Während Montpellier verzweifelt versuchte, den Ball länger als zehn Sekunden zu halten (Ballbesitz immerhin 49 Prozent, aber gefühlt alles in der eigenen Hälfte), durfte sich auch die Abwehr in die Torschützenliste eintragen: Ashton Adams, 20 Jahre jung und eigentlich Innenverteidiger, köpfte in der 83. Minute das 6:0, nach einer butterweichen Flanke von René Brongniart. Das Publikum tobte, und selbst der Linienrichter grinste kurz - vermutlich, weil er das Ergebnis kaum glauben konnte.

Doch es sollte noch schöner, oder grausamer, werden - je nach Perspektive. In der Nachspielzeit (95.) setzte erneut Erim Aydemir den Schlusspunkt. Wieder vorbereitet von Ralf Wahl, wieder mit jugendlichem Übermut, wieder ins Herz der geschlagenen Gäste. Das 7:0 war nicht nur ein Ergebnis, es war ein Statement: Straßburg meint es ernst in dieser Saison.

Die Statistik erzählte dieselbe Geschichte in Zahlen: 27:1 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, sieben Tore, kein Gegentreffer. Nur eine Gelbe Karte (Bradley Lewis in der 41. Minute) störte die makellose Bilanz - oder, wie Trainer Da To schmunzelnd erklärte: "Man muss ja zeigen, dass man auch kämpfen kann."

Montpelliers einziger Lichtblick: Torhüter Haci Özmen, der trotz sieben Gegentoren noch als bester Mann seines Teams durchging. Ohne ihn wäre es wohl zweistellig geworden. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", sagte er nach dem Schlusspfiff, "aber wenigstens habe ich viele Bälle gesehen - aus nächster Nähe."

Als die Spieler die Arme hoben und das Stadion "Allez, Racing!" brüllte, wirkte das 7:0 fast surreal. Ein Ergebnis, das in seiner Deutlichkeit selten ist - und für Montpellier schmerzhaft lange nachhallen dürfte.

In der Pressekonferenz versuchte Da To bescheiden zu bleiben: "Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten." Dann grinste er und fügte hinzu: "Vielleicht ein bisschen besser als gedacht."

Am Ende blieb der Eindruck eines Abends, an dem alles passte: die Laufwege, die Stimmung, der Humor. Und als die Lichter im Stade de la Meinau ausgingen, hörte man einen Fan sagen: "Wenn sie so weitermachen, brauchen wir bald ein größeres Stadion." - ein Satz, der an diesem Abend nicht einmal übertrieben klang.

22.02.643987 23:15
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