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Ein warmer Märztag, Flutlichtromantik im Elsass und 54.125 Zuschauer, die sich fragten, ob das hier Fußball oder ein französisches Kunstwerk war. Am Ende war’s beides: AS Straßburg fegte den SC Bordeaux mit 3:0 vom Platz - und das, obwohl die Gäste mehr Ballbesitz hatten. Fußballlogik? Fehlanzeige. Aber dafür jede Menge Leidenschaft, Tempo und ein gewisser Marcio Perales, der den Abend zur One-Man-Show verwandelte. Kaum hatte Schiedsrichter Lefèvre um 20:30 Uhr angepfiffen, da vibrierte das Stade de la Meinau schon. Minute fünf: Perales, der junge Mittelstürmer mit dem südamerikanischen Einschlag, schaltet schneller als die komplette Bordeaux-Abwehr. Ein kurzer Haken, ein Schuss - und der Ball zappelt im Netz. 1:0. Trainer Da To ballte die Faust, während der Gästecoach nur den Kopf schüttelte. "Wir wussten, dass Perales gefährlich ist, aber so früh?", murmelte er später mit einem gequälten Lächeln. Straßburg blieb dran, spielte aggressiv, presste hoch - teilweise derart wild, dass selbst die Ordner an der Seitenlinie nervös wurden. 20 Torschüsse feuerten die Elsässer im Laufe des Abends ab. Bordeaux? Ganze zwei. Und die kamen eher aus der Kategorie "freundliche Rückgabe an den Torwart". Der junge Paul Larocque versuchte es zweimal, doch einmal flog der Ball über die Tribüne, einmal sicher in die Arme von Ersatzkeeper Jannis Hauser, der zur zweiten Halbzeit für Claude Bernheim übernahm. Hauser hatte danach einen ruhigen Abend, während vorne weiter die Post abging. In der 65. Minute war es wieder Perales, diesmal nach einem Pass von Rechtsverteidiger José Enrique Galisteo. Ein klassischer Angriff über die rechte Seite, flache Hereingabe, Perales hält den Fuß hin - Tor. "Ich hab den Ball nur gestreichelt", grinste Perales nach dem Spiel. "Aber anscheinend mochte er das." Humor hat er, der Mann - und Tore schießt er auch. Drei Minuten später folgte der endgültige Knockout für Bordeaux. Claude Florit, der lauffreudige Linksaußen, bekam den Ball von Innenverteidiger (!) Bradley Lewis zugespielt, tänzelte in den Strafraum und schlenzte die Kugel ins lange Eck. 3:0. Die Fans sangen, die Abwehrspieler von Bordeaux sahen aus, als wollten sie lieber irgendwo an der Atlantikküste Muscheln sammeln. Trainer Da To zeigte sich nach dem Spiel mit Understatement: "Das war solide. Wir sind offensiv gestartet, dann haben die Jungs das Spiel einfach nicht mehr hergegeben." Tatsächlich verriet die Statistik: Straßburg hatte zwar nur 46,6 Prozent Ballbesitz, gewann aber fast 59 Prozent der Zweikämpfe. Effizienz schlägt Ballgeschiebe - eine alte, aber immer wieder gern erzählte Geschichte. Einziger Wermutstropfen: In der 86. Minute blieb Abwehrmann Barend Lansing nach einem Zweikampf liegen. Diagnose steht noch aus, aber Trainer Da To meinte trocken: "Er sagte, es knackt - ich hoffe, er meinte nicht seine Karriere." Bordeaux wirkte über die gesamte Partie ideenlos. Kein Pressing, kein Risiko, kein Feuer. "Wir hatten den Ball, aber keine Ahnung, was wir damit tun sollten", gab Mittelfeldmann Roger Dumont ehrlich zu. Der SC spielte brav, beinahe höflich - die Taktik "BALANCED" im wahrsten Sinne des Wortes. Straßburg dagegen kombinierte mit Wucht und Witz, mal über die Flügel, mal durch die Mitte, immer mit dem Ziel, den Gegner in Bewegung zu halten. Als der Schlusspfiff ertönte, tanzten die Straßburger Spieler Arm in Arm vor der Kurve. Florit winkte in die Menge, Perales schnappte sich den Spielball, und irgendwo auf der Tribüne rief jemand: "Marcio président!" Man konnte es ihm kaum verdenken. Die 1. Liga Frankreich hat also ihr erstes Ausrufezeichen dieser Saison: Straßburg spielt nicht nur effektiv, sondern auch frech. Bordeaux dagegen muss sich fragen, ob gepflegter Ballbesitz ohne Ziel jemals Punkte bringt. "Wir müssen lernen, dass Schönheit allein keine Tore schießt", meinte Bordeaux-Trainer nachdenklich in der Pressekonferenz. Ein Journalist flüsterte: "Dann hätten sie heute wohl lieber hässlich gespielt." So endete ein Abend, an dem Straßburg zeigte, dass Leidenschaft manchmal alles ist, was man braucht - und Bordeaux bewies, dass Statistik nicht immer die Wahrheit sagt. Und irgendwo unter dem Flutlicht grinste Marcio Perales, als würde er schon das nächste Spiel planen. Seine Botschaft war klar: Das war kein Zufall. Das war ein Statement. 23.11.643993 08:05 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
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