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Es war einer dieser Winterabende, an denen selbst der Schiedsrichter wohl lieber auf der Couch geblieben wäre - aber für die 61.158 Fans im Stade de la Meinau lohnte sich das Frieren: AS Straßburg spielte sich beim 5:0 gegen SC Lens in einen wahren Rausch und ließ den Gästen nicht einmal den Hauch einer Hoffnung. Schon in der 9. Minute zeichnete sich ab, wohin die Reise geht. Franck Breuer, der bullige Mittelstürmer der Elsässer, nahm einen feinen Pass von Marco Djalo auf, drehte sich einmal um die eigene Achse und jagte den Ball ins Netz. "Ich dachte erst, der Torwart wäre noch dran - aber der war wohl noch mit dem Aufwärmen beschäftigt", grinste Breuer nach Spielende. Lens wirkte danach wie ein Schülerteam auf Klassenfahrt: gute Laune, aber kein Plan. Zwar gehörte ihnen fast die Hälfte des Ballbesitzes (49,9 Prozent, um genau zu sein), doch das war ungefähr so hilfreich wie ein Regenschirm in einem Schneesturm. Drei kümmerliche Torschüsse standen am Ende zu Buche - einer davon in die Arme des dankbaren Straßburger Keepers Daniel Fryer, der sich ansonsten über mangelnde Beschäftigung beklagte. "Ich habe mir in der 70. Minute ernsthaft überlegt, mir einen Tee bringen zu lassen", witzelte er. Kurz nach Wiederanpfiff (51.) legte Callum Eliot nach - ein trockener Schuss aus 20 Metern, flach ins Eck, und die Fans sangen sich die Kehlen heiß. Der Mittelfeldmotor war ohnehin der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Blau-Weißen. Später bereitete er noch zwei Treffer vor: erst das 3:0 durch Vitorino Olazabal (70.), dann das 4:0, als Carlos Zabaleta (79.) nach einem scharfen Pass Eliots eiskalt verwandelte. Zwischenzeitlich sorgte Breuer für den einzigen Farbtupfer der Gäste - allerdings in Gelb: In der 48. Minute sah er die Karte nach einem etwas rustikalen Einsatz. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch verteidigen kann", rechtfertigte sich der Stürmer mit einem Augenzwinkern. Trainer Da To nahm’s gelassen. "Wenn die Jungs so viel Energie haben, sollen sie sie ruhig rauslassen - aber bitte in Richtung Tor." Lens-Trainer Christian Richter hingegen rang nach Worten. "Wir wollten kontern, aber irgendwie haben wir das mit dem Ballbesitz verwechselt", murmelte er in der Pressekonferenz. Seine Mannschaft blieb harmlos, die Aggressivität verpuffte in der Luft. In der 63. Minute sah Henri Picard Gelb, kurz vor Schluss verletzte sich Torhüter Frederic Gariepy und musste ausgewechselt werden - sinnbildlich für den gebrauchten Abend der Nordfranzosen. Das letzte Wort hatte schließlich ein Verteidiger: Francesco Taverna schob in der 91. Minute überlegt zum 5:0 ein, nach Vorarbeit von Youngster Kai Jakob. Da jubelte sogar der sonst stoische Coach Da To, der später erklärte: "Wenn selbst unsere Außenverteidiger treffen, dann läuft’s wohl ganz gut." Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - aber nur auf dem Papier. 50 Prozent Ballbesitz für Straßburg, 19 Torschüsse gegenüber 3, und eine Zweikampfquote von fast 58 Prozent sprechen eine deutliche Sprache. Lens versuchte es mit langen Bällen, aber die verpufften wie Silvesterraketen im Nebel. Besonders auffällig: die jungen Wilden der Hausherren. Marco Djalo (20) rannte, presste, flankte, als gäbe es kein Morgen. Kai Jakob, ebenfalls 20, kam nach der Pause rein und bereitete das letzte Tor vor. "Die Jungs sind frech - aber genau das liebe ich", schwärmte Trainer Da To, der seine Mannschaft trotz des Kantersiegs sofort wieder auf den Boden holte: "Nächste Woche zählen wieder null Tore und null Punkte. Schade eigentlich." Für Lens bleibt nach diesem Debakel nur die Hoffnung, dass es nicht noch schlimmer kommt. "Vielleicht war das unsere schlechteste Halbzeit der Saison", gab Kapitän Henri Picard zu, "aber wenigstens haben wir sie hinter uns." Straßburg hingegen darf träumen. Mit einem Offensivfeuerwerk, das an alte Glanzzeiten erinnerte, haben sie ein Ausrufezeichen gesetzt - und das nicht nur in der Tabelle. In Straßburg knallten nach Schlusspfiff noch lange die Feuerwerkskörper, und ein Fan rief über die Lautsprecheranlage: "Fünf Tore, fünf Sterne!" Das könnte man so stehen lassen. Ein Abend, an dem alles passte - außer vielleicht für die Gäste aus Lens, die das Stadion mit hängenden Köpfen verließen. Straßburg dagegen? Die tanzen weiter. Und wenn sie so weitermachen, wird es bald eng für die Konkurrenz in der Ligue 1. 22.02.643987 19:37 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer