L’Equipe
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Straßburg bezwingt Nancy - ein Abend zwischen Geduld, Pressing und Poesie

Wenn 56.319 Zuschauer an einem Januarsamstag in Straßburg die Kälte trotzen, dann nicht, um sich aufzuwärmen - sondern um ihre Mannschaft glühen zu sehen. Und die AS Straßburg lieferte. Mit einem leidenschaftlichen 2:0 gegen den FC Nancy setzte das Team von Trainer Da To ein Ausrufezeichen im Rennen der 1. Liga Frankreich: zielstrebig, aggressiv, aber mit jenem Hauch französischer Eleganz, den selbst eine Grätsche in der 88. Minute noch charmant aussehen lässt.

Schon beim Anpfiff um 20:30 Uhr war klar: Straßburg würde nicht auf Sicherheit spielen. Das Pressing stand hoch, die Flügelspieler liefen, als hinge ihr Gehalt von jedem Sprint ab. Nancy, eigentlich offensiv eingestellt, fand sich früh in der Defensive wieder. Nach fünf Minuten versuchte Laurent Ouellet aus der Distanz sein Glück - ein Schuss, der so harmlos war, dass Torhüter Duarte Veloso kurz danach augenzwinkernd seinen Handschuh abklopfte, als wolle er sagen: "Mehr habt ihr nicht?"

In der 31. Minute dann der erste Aufschrei: Marcio Perales, der junge Sturmwirbel aus Portugal, setzte sich nach schöner Vorarbeit von Jacques Arnaud durch und schob mit der Gelassenheit eines Mannes ein, der noch Milch im Kühlschrank hat - 1:0 für Straßburg. "Ich wollte gar nicht draufhauen, nur schauen, ob der Ball von selbst rein will", grinste Perales später. Trainer Da To kommentierte trocken: "Er hat auf mich gehört - zum ersten Mal."

Nancy mühte sich, blieb aber blass. Fünf Torschüsse - das ist weniger als ein ambitionierter Hobbykicker an einem Sonntagvormittag hinbekommt. Straßburg hingegen feuerte ganze 17 Mal auf das Tor von Alexandre Amyot, der trotz zweier Gegentreffer einen ordentlichen Abend hatte. Nach der Pause kam Bewegung ins Spiel: Alberto Fortunio ersetzte kurzzeitig Luke Harrington, dann wieder umgekehrt - ein Wechseltheater, das sogar die Ersatzbank verwirrte. "Ich wusste irgendwann nicht mehr, ob ich draußen bin oder drinnen", lachte Fortunio später.

Doch als ob Verwirrung sein Stilmittel wäre, tauchte er in der 74. Minute plötzlich wieder vor Amyot auf. Nach einem präzisen Zuspiel von Carlos Zabaleta drückte Fortunio den Ball über die Linie. 2:0, Deckel drauf, Feierabend. "Das war ein Pass wie ein Gedicht", schwärmte Fortunio. "Und ich war der Punkt am Ende des Satzes."

Die Gäste aus Nancy wirkten da schon wie Statisten in einem Spiel, das ihnen entglitten war. Bernard Marchand versuchte, mit einer rustikalen Grätsche in der 76. Minute für Aufsehen zu sorgen - die Gelbe Karte war die logische Folge. Straßburgs Francesco Taverna wollte offenbar nicht nachstehen und holte sich in der 88. Minute ebenfalls Gelb ab, wohl um das Mannschaftsgefühl zu stärken. "Wir sind ein Team - auch bei den Verwarnungen", witzelte er nach Abpfiff.

Taktisch war es ein Spiel der klaren Handschrift. Straßburg blieb in seiner offensiven Ausrichtung konsequent, das Pressing funktionierte in der ersten Halbzeit hervorragend, bevor man nach dem Seitenwechsel clever den Fuß vom Gas nahm. Nancy hingegen blieb bei der offensiven Einstellung, ohne dabei je wirklich gefährlich zu werden - offensiv im Papier, defensiv in der Praxis.

Statistisch war das Ergebnis gerecht: 54 Prozent Ballbesitz für Straßburg, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe und eine Passquote, die so flüssig wirkte wie ein elsässischer Riesling. Nancy hatte seine Momente, aber sie blieben so kurz wie ein Aufblitzen im Nebel.

Nach dem Spiel stand Trainer Da To mit verschränkten Armen vor der Presse. "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause mehr sind als nur Gastgeber", sagte er. "Nancy durfte den Ball haben - aber nicht zu lange." Sein Gegenüber, der Nancy-Coach, wirkte ernüchtert: "Wir waren offensiv eingestellt, aber das Spiel hat nicht zugehört."

Während die Zuschauer in der Meinau-Tribüne ihre Schals schwenkten und "Allez, Racing!" riefen, lächelte Fortunio noch immer. "Zwei Tore, null Gegentreffer - das ist kein Zufall. Das ist Training. Also meistens."

Und so endete ein Abend, der alles hatte: Tempo, Witz, ein bisschen Chaos und zwei Tore, die so sauber waren, dass man sie rahmen könnte. Straßburg bleibt damit oben dran - und Nancy muss sich fragen, ob Offensive auch bedeutet, ab und zu aufs Tor zu schießen.

Ein sarkastischer Fan brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "Nancy hat offensiv gespielt - sie haben offensiv verloren." In Straßburg lachte man herzlich. Schließlich war es ein Abend, an dem selbst die Kälte keine Chance hatte.

02.11.643987 17:47
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