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Ein lauer Freitagabend im Januar, 50.748 Zuschauer im prall gefüllten Stamford Park, und London erlebte mal wieder, was es heißt, wenn zwei Nachbarn sich nichts schenken: Die London Blues und die London Gunners trennten sich am 9. Spieltag der 1. Liga England mit einem 1:1 - ein Ergebnis, das beide Fanlager mit einem gleichermaßen genervten "typisch Derby" quittierten. Dabei fing alles so vielversprechend an - zumindest für die Gäste. In der 26. Minute überraschte ausgerechnet Linksverteidiger Max Broderick alle, als er nach einem feinen Steckpass von Altmeister Ejder Memis durchbrach und mit links ins lange Eck traf. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gestand Blues-Torhüter Bent Ipsen später, "aber anscheinend dachte der Ball was anderes." Die Gunners feierten ausgelassen, Trainer Boris Bach klatschte zufrieden in die Hände, während Fabio Rapi an der Seitenlinie so tat, als wäre alles Teil seines Plans. "Wir wollten sie erst glauben lassen, sie hätten das Spiel im Griff", grinste der Blues-Trainer nach dem Spiel mit einer Portion sarkastischer Selbstironie. Und tatsächlich: Die Blues hatten das Spiel über weite Strecken im Griff - zumindest, wenn man auf die Statistik schaut. 56 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse (die Gunners kamen auf magere fünf), eine tackling-Quote von fast 54 Prozent. Nur Tore, die wollten einfach nicht fallen. Gabriel Hathaway schoss allein in der ersten Viertelstunde dreimal aufs Tor, allerdings jedes Mal so, dass der Ball gefühlt mehr Gefahr für die Eckfahne als für Keeper Juan Pablo Makukula bedeutete. Makukula, der mit stoischer Ruhe zwischen den Pfosten stand, meinte später trocken: "Ich habe mich ein bisschen gelangweilt. Aber das ist okay, ich bin schließlich Torwart." Kurz vor der Pause wurde es dann unruhig: Jack Combe verletzte sich bei den Gunners und musste runter, Henri Callahan kam - und brachte prompt den Sturm ins Spiel, allerdings mehr in Form von Wortgefechten als Torschüssen. In der Kabine, so munkelte man, habe Callahan gefragt: "Spielt hier eigentlich noch jemand nach vorn?" Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte - die Blues drückten, die Gunners lauerten. Eric Beauvilliers prüfte Makukula gleich zweimal, Marcio Deco zirkelte in der 49. Minute haarscharf vorbei. Dann, in der 69. Minute, fiel endlich der verdiente Ausgleich: Kian Hoskins, der 20-jährige Wirbelwind auf der linken Seite, flankte butterweich auf Mason Staunton, und der Oldie-Stürmer nickte ein - 1:1. "Ich hab dem Jungen gesagt: Mach’s einfach wie im Training - und diesmal hat er’s tatsächlich gemacht", schmunzelte Staunton nach dem Spiel. Die Schlussphase wurde dann zum typischen Londoner Derby: hart, hektisch, und mit reichlich Gelbkarten gewürzt. Erst sah Jose Maria Farinos Gelb in der 71. Minute, dann wurde es richtig wild. Ethan Roades, der Gunners-Innenverteidiger, sammelte zunächst in der 52. Minute Gelb und verabschiedete sich in der 85. mit Gelb-Rot - sehr zur Freude der Heimfans, die ihm ein wenig spöttischen Applaus spendierten. "Ich hab den Ball gespielt", erklärte Roades nach dem Abpfiff - und fügte mit einem Schulterzucken hinzu: "Nur leider war der Ball zu dem Zeitpunkt schon weg." Mit einem Mann mehr drängten die Blues auf den Sieg, Hathaway traf in der 86. Minute fast, Staunton donnerte in der 88. noch einmal aufs Tor, aber Makukula blieb unbezwingbar. Fabio Rapi gestikulierte an der Linie, als wolle er den Ball selbst über die Linie schreien. Doch es blieb beim 1:1. Nach dem Spiel lobte Gunners-Trainer Boris Bach die Moral seiner Mannschaft: "Wir haben uns reingeschmissen, auch wenn’s manchmal mehr nach Rugby als nach Fußball aussah." Und Fabio Rapi zog seine eigene Bilanz: "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber vergessen, dass man Tore braucht, um zu gewinnen. Kleines Detail, ich weiß." Am Ende also ein gerechtes Unentschieden, das keiner so richtig wollte. Die Blues bleiben damit im oberen Mittelfeld, die Gunners retten immerhin einen Punkt - und London bleibt geteilt. Ein älterer Fan sagte beim Hinausgehen, mit einem Lächeln, das nur echte Fußballliebhaber hinkriegen: "Wenn’s wieder so läuft, treffen wir uns halt im Rückspiel - vielleicht fällt dann sogar noch ein Tor mehr." Ein Spiel, das alles hatte: Einsatz, Emotionen, Gelbe Karten, und einen Linksverteidiger als Torschützen. Nur eines fehlte - ein Sieger. Doch wer braucht den schon, wenn das Drama stimmt? 21.04.643987 20:24 |
Sprücheklopfer
Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
Matthias Sammer