World Soccer
+++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++

St. Pauli tanzt Pisa aus: 2:0 und ein Abend für die Geschichtsbücher

Wenn auf St. Pauli die Lichter angehen, riecht es nach Bier, Bratwurst und gelegentlich nach Champions League. Zumindest nach deren Qualifikation, die am Montagabend im ausverkauften Millerntorstadion (47.671 Zuschauer) ihren ganz eigenen Charme versprühte. Und dieser Charme hatte diesmal zwei Gesichter: Deniz Undav, 18 Jahre jung, und Urban Iversen, 29, beide Torschützen eines 2:0, das in seiner Konsequenz und Leidenschaft so hanseatisch war wie ein steifer Nordwind.

Schon in der 20. Minute bebte die Gegengerade. Fernando Alcantara, der quirlige Spanier auf links, trickste seinen Gegenspieler so sehenswert aus, dass selbst der Linienrichter für einen Moment vergaß, die Fahne zu heben. Seine Flanke segelte punktgenau auf den Fuß von Undav, der den Ball kalt wie ein erfahrener Profi in die Maschen drosch. "Ich hab gar nicht nachgedacht. Vielleicht war das mein Glück", grinste der Teenager später mit roten Wangen.

Bis dahin hatte Pisa, das unter Trainer Bembel Macher mit einer offensiven Grundordnung angetreten war, durchaus mitgespielt. Mehr Ballbesitz (50,6 Prozent), aber kaum Wucht. Vier Torschüsse in 90 Minuten - das sind Werte, mit denen man eher einen Espresso bestellt als ein Auswärtstor erzielt. Ihre gefährlichste Szene hatte Karl Kühne in Minute 22, doch Torwart Uri Colautti pflückte den Ball so lässig herunter, als würde er einen Sonntagsbraten aus dem Ofen holen.

St. Pauli dagegen war das aktivere, giftigere Team. 13 Schüsse aufs Tor, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und das, obwohl Trainer Gustav Holzhauer vor dem Anpfiff augenzwinkernd meinte: "Wir wollen heute mal schauen, ob man Champions-League-Quali auch mit Spaß spielen kann." Seine Jungs nahmen ihn beim Wort. Paul Jacob prüfte früh den gegnerischen Keeper, Undav drosch aus allen Lagen, und Urban Iversen wirbelte auf rechts wie ein hyperaktiver Terrier.

In der 50. Minute kam dann die endgültige Befreiung: Patrik Fuhrmann, sonst eher der ruhige Taktgeber im Mittelfeld, hob den Kopf, sah Iversen starten und spielte den Pass des Abends - halb Steilpass, halb Zaubertrick. Iversen nahm den Ball im Lauf mit, tunnelte den letzten Verteidiger und schob flach ins linke Eck. 2:0. Das Millerntor explodierte. Holzhauer drehte sich zur Bank und sagte trocken: "Das war’s, Jungs. Jetzt nur noch nicht feiern anfangen."

Pisa versuchte es danach weiter mit gepflegtem Ballbesitz, allerdings ohne die geringste Durchschlagskraft. "Wir haben viel den Ball gehabt, aber nichts damit gemacht", murmelte Kapitän Giorgio Longobardi später selbstkritisch. Und Trainer Macher ergänzte: "Vielleicht hätten wir weniger balanciert und mehr verrückt spielen sollen." Stattdessen kassierten sie noch eine Gelbe Karte (Gianni Caloveto, 74.) und sahen, wie die Gastgeber sogar ihre Nachwuchskräfte testeten: Walther Janssen kam früh für Kai Ackermann und fing sich prompt selbst Gelb ein - eine durchaus st. pauli-hafte Performance.

Die letzten Minuten gehörten allein den Fans. Aus der Südkurve brandete Gesang auf, Trikots flogen, und der junge Deniz Undav wurde bei seiner Auswechslung in der 79. Minute mit Standing Ovations verabschiedet. "Das geht unter die Haut", sagte er später, während er sich noch die Schweißperlen aus den Haaren strich. "Vor einem Jahr hab ich noch in der U19 gespielt. Jetzt reden die Leute über Champions League."

Statistisch gesehen war es ein Spiel auf Augenhöhe - zumindest, wenn man die Prozentzahlen liest. Emotional und taktisch aber war St. Pauli an diesem Abend schlicht reifer. Die Offensive blieb mutig, die Defensive stand kompakt, und der Mittelblock um Fuhrmann und Mino schaltete Pisa fast komplett ab.

Trainer Holzhauer fasste das Ganze später in seiner unnachahmlichen Art zusammen: "Wir sind wie ein alter Plattenspieler - manchmal knackt’s, aber am Ende läuft die Musik." Und während er das sagte, zwinkerte er in Richtung der Journalisten, als wüsste er genau, dass dieser Satz morgen in der Schlagzeile stehen würde.

So verabschiedete sich St. Pauli mit einem 2:0 von der Elbe in Richtung Europa. Pisa hingegen wird sich fragen, wie man mit mehr Ballbesitz und weniger Ideen aus einem Fußballspiel kommt. Vielleicht antwortet darauf eines Tages ein Philosoph. Oder ein Stürmer mit norddeutschem Humor.

Und irgendwo im Kiez wurde an diesem Abend sicher noch lange gefeiert - nicht, weil man schon in der Champions League ist, sondern weil man wieder träumen darf.

06.03.643987 04:40
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager