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St. Gallen ringt Oberwallis nieder - ein Abend voller Einsatz und Emotionen

An einem frostigen Januarabend in der 1. Liga Schweiz war das Kybunpark-Stadion mit 35.922 Zuschauern fast ausverkauft, und sie bekamen, was sie wollten: Kampf, Drama und ein bisschen Chaos. Am Ende gewann der SV St. Gallen gegen den FC Oberwallis mit 2:1 (1:0), ein Ergebnis, das so knapp war wie die Linie zwischen Leidenschaft und Leichtsinn auf dem Rasen.

Schon in der 10. Minute ließ Claude Stein die Fans der Ostschweizer jubeln. Der flinke Rechtsaußen drosch den Ball nach Vorarbeit von Sebastien Beier ins kurze Eck - so trocken, dass selbst das Netz überrascht wirkte. "Ich hab gar nicht gezielt, ich hab einfach gehofft, dass der Ball nicht den Linienrichter trifft", grinste Stein nach dem Spiel. Der frühe Treffer gab den Grün-Weißen Auftrieb, während Oberwallis zunächst wirkte, als hätten sie noch den Busparkplatz nicht ganz verlassen.

Doch die Gäste fanden allmählich ins Spiel, besonders dank Patrick Benveniste, der vorne ackerte, als ginge es um eine Vertragsverlängerung. Nach sieben Minuten musste Oberwallis allerdings bereits wechseln: Lars Wegner verletzte sich bei einem harmlosen Zweikampf - "ich bin einfach in die Kälte gefallen", erklärte er später mit Galgenhumor. Felix Ritter kam für ihn und brachte sofort etwas Struktur ins Mittelfeld.

Die erste Halbzeit war geprägt von St. Gallens offensiver Ausrichtung: 19 Torschüsse insgesamt, 47,6 Prozent Ballbesitz - das Team von Trainer Mike Pregler wollte das Spiel erzwingen. "Wir haben gesagt, wir spielen offensiv, auch wenn’s schneit, hagelt oder einer eingeschneit ist", meinte Pregler später mit einem Schmunzeln.

Zur Pause stand es 1:0, und Oberwallis-Trainer Snore Laken, der seinem Namen alle Ehre machte, versuchte in der Kabine offenbar, seine Elf mit ruhiger Stimme wachzurütteln. Und tatsächlich: Zehn Minuten nach Wiederanpfiff belohnte sich Oberwallis. Patrick Benveniste traf in der 55. Minute nach feinem Zuspiel von Isaac Dennehy zum 1:1. Der Ausgleich war verdient, denn Oberwallis hatte zu diesem Zeitpunkt mehr Ballbesitz und begann, die St. Galler Abwehr ordentlich durcheinanderzuwirbeln.

Doch der Fußballgott hatte an diesem Abend Humor. Ausgerechnet der Innenverteidiger Francisco Maniche, sonst eher als Staubsauger vor der Abwehr bekannt, sorgte in der 75. Minute für das 2:1. Nach einer Ecke von Niko Franz stieg er am höchsten und köpfte den Ball wuchtig ins Netz. "Ich wollte eigentlich den Torwart umarmen, aber der Ball war im Weg", witzelte Maniche später.

Nach dem erneuten Rückstand versuchte Oberwallis alles - oder zumindest fast alles. Trainer Laken wechselte spät, schickte frische Beine auf den Platz, doch die St. Galler Defensive stand kompakt. In der 89. Minute dann der unrühmliche Schlusspunkt: Der 18-jährige Jonas Brauer sah Rot, nachdem er den eingewechselten Eric Lavoie unsanft an der Seitenlinie stoppte. "Er hat mich gefragt, ob ich schon Hausaufgaben gemacht hab", lachte der 17-jährige Lavoie nach dem Spiel - jugendlicher Leichtsinn auf beiden Seiten.

Statistisch gesehen war es eine ausgeglichene Partie: Oberwallis kam auf 13 Torschüsse und etwas mehr Ballbesitz (52,4 Prozent), St. Gallen aber auf die klareren Chancen. Die Tacklingquote sprach mit 52,6 Prozent ebenfalls knapp für die Hausherren.

Nach dem Abpfiff feierten die Fans ihre Mannschaft wie einen Pokalsieger. Pregler klopfte seinem 42-jährigen Stürmer Walther Römer auf die Schulter. "Er rennt immer noch wie ein 25-Jähriger - nur braucht er jetzt doppelt so lange zum Duschen", witzelte der Trainer. Römer selbst meinte trocken: "Solange die Knie halten, bin ich dabei. Und wenn nicht, haben wir ja den jungen Kirjakow."

Auf der anderen Seite war Snore Laken sichtlich enttäuscht. "Wir haben gut gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb - sonst hätten wir gewonnen", sagte er.

So bleibt vom 10. Spieltag eine Partie, die alles bot: frühe Tore, späte Karten und jede Menge Geschichten für den Stammtisch. St. Gallen festigt mit diesem Sieg den Platz im oberen Tabellenmittelfeld, während Oberwallis mit hängenden Köpfen, aber erhobenen Herzen abreist.

Ein Fan brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Für so was zahlt man Eintritt - und für den Glühwein." Man kann ihm schwer widersprechen.

03.05.643987 07:05
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Giovanni Trappatoni
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