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St. Gallen kämpft sich ins Pokalfinale - Aarau scheitert an der Effizienz

Es war ein Abend, der nach Nerven, kaltem Wind und Bratwurst roch - das Halbfinale des Pokals zwischen dem SV St. Gallen und dem SC Aarau hatte alles, was der neutrale Fan liebt: Spannung, Einsatz, Gelbe Karten und mindestens einen Stürmer, der sich nach dem Schlusspfiff fragte, wie der Ball eigentlich nicht ins Tor wollte. Am Ende jubelten die 59.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena über ein knappes, aber hart erarbeitetes 1:0 der St. Galler.

Das Tor des Abends fiel früh. In der 18. Minute war es Horst Ernst, der Mittelstürmer mit der Statur eines Betonmischers und dem Torriecher eines Luchses, der nach einer butterweichen Flanke von Philippe Freund per Kopf einnickte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass es kracht", grinste Ernst später im Interview. Es krachte - und wie. Der Ball schlug unhaltbar in der rechten Ecke ein, und die Tribüne verwandelte sich in ein Meer aus grün-weißen Fahnen.

Danach verteidigte St. Gallen mit jener Disziplin, die Trainer Mike Pregler in jeder Pressekonferenz predigt und die seine Spieler vermutlich auch im Schlaf anwenden könnten. Aarau dagegen war das aktivere Team, hatte mehr Ballbesitz (53 Prozent) und abgefeuerte 14 Torschüsse - aber eben kein Glück. "Wir haben St. Gallen in deren Hälfte eingeschnürt, aber die haben einfach alles weggeköpft, was sich bewegte", klagte Aaraus Trainer Hans Meyer mit einem Seufzen, das man bis in den Presseraum hörte.

Besonders Marc Pelletier, Aaraus quirliger Rechtsaußen, war ein Sinnbild des vergeblichen Bemühens. Gleich fünfmal zog er ab, mal vorbei, mal in die Arme von Torhüter Liam Buffet, der an diesem Abend die Ruhe selbst war. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", murmelte Pelletier hinterher, "aber ich glaube, der Ball und ich - wir hatten heute einfach unterschiedliche Ziele."

Die St. Galler hingegen setzten auf ihr bewährtes Rezept: tief stehen, Nadelstiche setzen und hoffen, dass Horst Ernst noch einmal durchrutscht. Es blieb beim Hoffen, doch das 1:0 reichte. Ihre defensive Ausrichtung - laut Statistik "DEFENSIVE" mit "COUNTER"-Angriffsspiel - glich einem Lehrbuchbeispiel des kontrollierten Minimalismus. Mike Pregler kommentierte mit einem zufriedenen Lächeln: "Manchmal muss man nicht schön spielen. Manchmal reicht’s, wenn der Gegner am Ende fragt: ’Wie habt ihr das gemacht?’"

In der zweiten Halbzeit versuchte Aarau alles. Carl Münch prüfte Buffet in der 85. Minute mit einem Schuss, der den Torhüter kurzzeitig in die Knie zwang. Doch auch das blieb folgenlos. Und als Eri Reinhardt nach einem rustikalen Einsteigen in der 77. Minute Gelb sah, war klar: Die Gäste verloren langsam die Geduld. "Ich wollte nur den Ball treffen", sagte Reinhardt später - eine Aussage, die sein Gegenspieler wohl anders sehen würde.

St. Gallen brachte das Ergebnis mit Routine über die Zeit. Pregler wechselte in der 65. Minute Ashton Hiliard für den ausgepowerten Freund ein, später folgten Egidius De Graff und Florian Münch, um frische Beine und ein paar zusätzliche Sekunden auf der Uhr zu bringen. "Das war kein Wechsel, das war ein Statement", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne.

Aarau rannte weiter an, doch die Zeit lief gnadenlos gegen sie. In der Nachspielzeit standen selbst Innenverteidiger Oskar Müller und Luis Simard im Strafraum von St. Gallen - erfolglos. Als Schiedsrichterin Daniela Schenk nach 94 Minuten abpfiff, reckte Horst Ernst beide Fäuste in den Himmel, während Hans Meyer mit leerem Blick auf den Rasen starrte.

"Wir haben heute viel richtig gemacht - außer das Toreschießen", fasste Meyer trocken zusammen. Pregler dagegen ließ sich feiern. "Wer ins Finale will, muss leiden", sagte er, "und wir haben heute richtig gelitten."

Das Publikum verabschiedete seine Helden mit Standing Ovations. Im Presseraum summte jemand die Melodie von "We are the Champions", worauf ein Kollege trocken meinte: "Noch nicht, mein Freund. Erst Finale."

Ein Abend, der zeigte: Fußball ist nicht immer gerecht - aber manchmal gnadenlos effizient. Und wenn man Horst Ernst im grünen Trikot jubeln sieht, dann weiß man: Effizienz kann ziemlich schön aussehen.

Schlusswort: St. Gallen steht im Pokalfinale, Aarau fährt mit leeren Händen, aber erhobenem Haupt nach Hause. Und vielleicht auch mit dem festen Vorsatz, das nächste Mal nicht nur schön, sondern endlich erfolgreich zu spielen.

21.03.643990 11:57
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Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
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