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Ein lauer Februarabend im Herzen des Amazonas, 23.893 Zuschauer auf den Rängen, und der Rasen im Estadio Max Augustín dampft, als hätte er selbst Puls. Sporting Iquitos empfängt Impi Ras Deportes zum zweiten Spieltag der 1. Liga Peru. Am Ende steht es 2:1 für die Gastgeber - ein Ergebnis, das sich wie ein kleiner Befreiungsschlag anfühlt. Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus. Schon in der 14. Minute packt Guillermo Oliveira, der 32-jährige Linksaußen der Gäste, sein feines Füßchen aus und vollendet nach Vorarbeit von Pablo Mendes zum 0:1. Ein Treffer aus dem Lehrbuch - und das ganz ohne Lehrplan. "Ich habe einfach geschossen, weil der Ball da lag", grinste Oliveira später, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Die Defensive von Iquitos wirkte in diesem Moment wie ein tropfender Regenschirm - vorhanden, aber nicht hilfreich. Sporting Iquitos brauchte eine Weile, um sich zu fangen. Zwar feuerten Raul de Galvez und Antonio Semedo fleißig aus allen Lagen, doch die Präzision blieb zunächst ein Wunschkonzert. Trainer Miguel Herrera (der selbst ernannte "Philosoph des gepflegten Kurzpasses") schüttelte an der Seitenlinie immer wieder den Kopf, als wolle er die Gedanken seiner Spieler telepathisch ordnen. "Wir spielten gut, nur der Ball wollte nicht mitmachen", knurrte er später halb im Spaß, halb im Ärger. Impi Ras Deportes blieb gefährlich. Arnau Waldo prüfte den Keeper von Iquitos, Jose Enrique Alvar, gleich mehrfach, während der junge Athinagoras Papadopoulos das Mittelfeld der Gäste wie ein Uhrwerk antrieb. Der Ballbesitz war nahezu ausgeglichen - 51,7 Prozent für Iquitos, 48,3 für Impi Ras. Ein Spiel auf Augenhöhe, aber mit einem Unterschied: Die Hausherren glaubten noch daran, das Ruder herumzureißen. Und dann kam die 54. Minute - und mit ihr Mevlut Terim. Der Mittelfeldmotor von Sporting Iquitos fasste sich nach Vorlage von Mason Combe ein Herz und drosch das Leder aus rund 20 Metern unhaltbar unter die Latte. 1:1! Das Stadion explodierte. "Ich habe gar nicht gesehen, dass er reingeht", lachte Terim nach Abpfiff. "Ich wollte eigentlich nur meine neuen Schuhe ausprobieren." Zwei Minuten später dann der Doppelschlag: Mason Combe selbst, der 34-jährige Veteran mit der Aura eines Mannes, der schon alles gesehen hat, steht nach feiner Flanke von Aitor Fernandes goldrichtig und nickt zum 2:1 ein. In der Pressekonferenz sagte er trocken: "Ich bin zu alt, um Chancen zu vergeben." Die Fans auf den Rängen skandierten seinen Namen, während Trainer Herrera mit verschränkten Armen so tat, als wäre das alles Teil seines Plans gewesen. Impi Ras Deportes versuchte danach, das Spiel wieder an sich zu reißen. Vitor Maniche prüfte Alvar in der 90. Minute noch einmal mit einem scharf getretenen Freistoß, doch der Keeper war zur Stelle. Die Gäste kämpften, doch das Momentum war längst auf Seiten der Gastgeber. Zu allem Überfluss musste Verteidiger Dimas Ruy nach 71 Minuten verletzt raus - ein herber Rückschlag. Kurz vor Schluss erwischte es dann auch Combe, der nach einem Zusammenprall humpelnd ausgewechselt wurde. "Nur ein Krampf", winkte er später ab, "ich wollte einfach Standing Ovations." Und die bekam er. Statistisch sah es am Ende so aus: 13 Torschüsse für Iquitos, 9 für Impi Ras, dazu ein Zweikampfverhältnis von 52 zu 48 Prozent - Zahlen, die das Spiel gerecht widerspiegeln. Beide Teams spielten über weite Strecken ausgewogen, ohne extremes Pressing, ohne Chaos - aber mit Leidenschaft. Nach Abpfiff stand Herrera mit einem breiten Lächeln da: "Wir wollten den Leuten im Dschungel zeigen, dass Fußball auch hier Kunst ist - manchmal moderne, manchmal naive Kunst." Sein Gegenüber, Impi-Coach Luis Calderón, konterte mit Galgenhumor: "Wir waren das schönere Gemälde, aber sie haben den Rahmen gekauft." So blieb ein intensives, heißes Duell, das zeigte, dass in der 1. Liga Peru nicht nur gekickt, sondern auch gefühlt wird. Sporting Iquitos hat mit diesem 2:1 den ersten großen Schritt getan, während Impi Ras Deportes sich mit der bitteren Erkenntnis trösten muss, dass Schönheit allein keine Punkte bringt. Wenn der Amazonas heute ein Fußballfeld wäre, dann hätte er wohl denselben Rhythmus wie dieses Spiel: wild, unberechenbar - und am Ende doch irgendwie gerecht. 10.06.643990 19:40 |
Sprücheklopfer
Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer