Fanatik
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Spektakel in Istanbul: Bursaspor siegt 4:3 bei Gatalasaraj

Es war ein lauer Samstagabend in Istanbul, doch auf dem Rasen des Ali-Sami-Yen-Stadions brannte die Luft. 39.725 Zuschauer sahen ein Spiel, das eher an ein Rockkonzert erinnerte als an taktisch geordneten Fußball. Am Ende jubelte Bursaspor über ein wildes 4:3 (2:1) bei Gatalasaraj. Trainer Ümit Dogan grinste nach Schlusspfiff: "Ich bin mir nicht sicher, ob das ein Fußballspiel oder eine Achterbahnfahrt war. Aber wir sind heil angekommen."

Dabei hatte alles für die Gastgeber so gut begonnen. Gatalasaraj startete offensiv, als gäbe es kein Morgen, und Pattrick Pfeiffer brachte die "Löwen" in der 16. Minute mit 1:0 in Führung. Nach einem feinen Zuspiel von Xavi Estevez zog der flinke Rechtsaußen trocken ab. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass der Ball nicht auf dem Parkplatz landet", witzelte Pfeiffer später.

Doch Bursaspor antwortete mit der Ruhe eines erfahrenen Pokerspielers. Robert Weise, der rechte Mittelfeldmann mit der Präzision eines Uhrmachers, glich in der 33. Minute aus - nach Vorlage von Felix Bayer. Drei Minuten später legte Emilio Marco nach und drehte das Spiel. Ausgerechnet Innenverteidiger Joao Barbosa hatte die Vorlage geliefert, vielleicht aus Versehen, vielleicht aus Genie. "Ich wollte eigentlich nur den Ball klären", gab Barbosa lachend zu.

Die erste Halbzeit endete mit Kopfschütteln auf den Tribünen. Gatalasaraj hatte mehr Torschüsse (15 insgesamt gegenüber 10 bei den Gästen) und kämpfte mit offenem Visier, doch Bursaspor war eiskalt. "Wir hatten Ballbesitz, sie hatten Tore - das ist manchmal der Unterschied zwischen Poesie und Mathematik", murmelte Heimtrainer Carlo Colucci in der Pause und starrte in seinen Notizblock, als suche er dort Trost.

Nach dem Seitenwechsel brachte Colucci frisches Blut: Caio Mendivil ersetzte den gelbverwarnten Sebastien Lange, später kam der junge Önder Topal - und der machte das Spiel nochmal heiß. Doch zunächst glich Stilian Kolew in der 67. Minute zum 2:2 aus, nach feiner Vorarbeit von Pfeiffer. Istanbul tobte, Colucci sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager beim ersten Konzertbesuch.

Doch der Jubel hielt exakt 60 Sekunden. Im direkten Gegenzug traf Bursaspors Routinier Julien Demeyer - 34 Jahre alt, graue Schläfen, aber ein Schuss wie ein Vorschlaghammer. 3:2 für die Gäste. "Ich hab den Ball einfach gespürt", sagte Demeyer später und grinste.

Aber Gatalasaraj hatte noch eine Antwort in petto. Nur drei Minuten später, in der 70. Minute, erzielte Önder Topal nach Vorlage von Mendivil den erneuten Ausgleich. Das Stadion stand Kopf, die Fans sangen sich die Seele aus dem Leib - und dann kam die kalte Dusche.

In der 82. Minute war es wieder ein Verteidiger, der zum Schlüsselspieler wurde: Barbosa, schon beim zweiten Treffer beteiligt, flankte punktgenau auf Paul Ottosen, der per Kopf das 4:3 für Bursaspor erzielte. Es war der letzte Stich in einem ohnehin offenen Herz.

Die letzten Minuten waren pures Chaos: Gelbe Karten flogen (insgesamt sechs), die Trainer brüllten, und der Schiedsrichter wirkte zunehmend wie ein Vater, der seine streitenden Kinder auseinanderhalten will. Xavi Estevez sah Gelb in der 80. Minute, vermutlich aus Mitleid mit allen Beteiligten.

Colucci seufzte nach dem Abpfiff: "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir haben alles gegeben, vielleicht sogar zu viel." Seine Spieler wirkten erschöpft, aber nicht gebrochen. Pfeiffer, einer der Besten des Abends, fasste es pragmatisch zusammen: "Wenn du drei Tore schießt und trotzdem verlierst, dann war der Fußball heute einfach in einer anderen Laune."

Statistisch betrachtet war Bursaspor leicht überlegen im Ballbesitz (55 Prozent), aber Gatalasaraj suchte häufiger den Abschluss. Beide Teams spielten offensiv, beide Trainer predigten Mut statt Ordnung - und bekamen dafür ein Spiel, das man seinen Enkeln erzählen kann.

Trainer Dogan verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern: "Wenn jedes Spiel so wäre, bräuchten wir alle Herzmedikamente. Aber das wäre es wert."

Am Ende blieb das Gefühl, Zeuge eines der unterhaltsamsten Spiele der Saison gewesen zu sein. Gatalasaraj verliert knapp, aber mit erhobenem Kopf. Bursaspor kehrt mit drei Punkten und einem breiten Grinsen heim. Und irgendwo in Istanbul wird Carlo Colucci noch immer nach der Notiz suchen, auf der steht, wie man vier Gegentore verhindert, ohne den Spaß am Spiel zu verlieren.

03.05.643987 08:26
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Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle soll man gemeinsam mit seiner Frau daheim im Wohnzimmer ausleben.
Berti Vogts
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