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Spektakel in Cincinnati: Royals und Pioneers liefern sich ein 3:3-Feuerwerk

Es gibt Fußballspiele, bei denen man nach 90 Minuten das Gefühl hat, Zeuge eines Films gewesen zu sein - mit allem, was dazugehört: Helden, Drama, Rückschläge und ein Finale, das keiner kommen sah. Das 3:3 zwischen den Cincinnati Royals und den Western Pioneers am 11. Spieltag der 1. Liga USA war genau so ein Werk. 58 750 Zuschauer im Royal Park sahen eine Partie, die mehr Wendungen hatte als ein Krimi von Tarantino - allerdings mit etwas weniger Blut, aber ähnlich viel Leidenschaft.

Schon nach sechs Minuten bebte das Stadion. Evan Fairchild, der zentrale Mittelfeldmotor der Royals, fasste sich ein Herz, zog aus 18 Metern ab und ließ Pioneers-Keeper Joseba Sainz keine Chance. "Ich dachte, Jamie [Houghton] würde flanken", grinste Fairchild später, "aber dann hab ich’s einfach mal versucht - und siehe da, manchmal lohnt sich Spontanität." Houghton, der den Pass gab, nickte lachend: "Ich schwöre, das war alles so geplant."

Doch die Pioneers wären keine echten Pioniere, wenn sie sich von einem frühen Rückstand beeindrucken ließen. In der 29. Minute schlug ihr Stürmer Roger Cartier zu - nach feiner Vorarbeit von Bradley Bancroft. Ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: präziser Pass in die Tiefe, Cartier mit einem Haken nach innen, Schuss - 1:1. Gästecoach Karsten NRW ballte die Faust, während Heimtrainer Ronny Bark an der Seitenlinie wütend mit den Armen ruderte.

Vier Minuten später die nächste Wendung: Jamie Houghton, der schon beim ersten Treffer beteiligt war, traf selbst - nach einem butterweichen Zuspiel von Frederic Saint-Pierre. Wieder Jubel, wieder Bark, diesmal ekstatisch an der Seitenlinie. 2:1 zur Pause. Die Royals hatten leicht mehr Ballbesitz (50,4 %), wirkten kontrolliert, aber die Pioneers blieben brandgefährlich.

In der Kabine muss Bark seinen Jungs wohl gesagt haben: "Bleibt dran, aber vergesst nicht, dass Roger da vorne gern noch mal zubeißt." Doch statt Cartier traf in der 52. Minute erneut Saint-Pierre - der kanadische Rechtsaußen drückte nach Vorlage von Mittelstürmer Asier Zubiaurre den Ball über die Linie. 3:1, und die Heimfans sangen schon vom sicheren Sieg.

Dann aber geschah, was in Cincinnati wohl als "Pioneer-Wunder" in die Vereinschroniken eingehen wird. Die Gäste, ohnehin mit offensiver Ausrichtung gestartet, warfen in der Schlussphase alles nach vorn. Ihr Pressing wurde aggressiver, die Formation breiter, das Spiel schneller. "Wir hatten nichts mehr zu verlieren", sagte Trainer NRW, "also haben wir einfach alle nach vorn geschickt, die noch laufen konnten."

In der 87. Minute belohnte sich Pierre Le Tallec für den unermüdlichen Einsatz. Nach Vorlage von Cartier traf er aus spitzem Winkel - 3:2. Das Publikum wurde nervös, Bark rief hektisch Anweisungen, und Abwehrmann David Silvestre holte sich prompt Gelb, als er versuchte, ein taktisches Foul noch als Ausrutscher zu verkaufen. "Ich bin echt weggerutscht!", rief er dem Schiedsrichter zu, der nur müde den Karton hob.

Und dann kam die 90. Minute. Gerade war Daniel Barclay vom Platz gegangen, als Joker Jake Prinsloo auf der linken Seite Tempo machte, den Ball querlegte und der frisch eingewechselte Dirck Hoogaboom zum 3:3 einschob. Ein Stich ins Herz der Royals. "Das ist Fußball", meinte Bark später mit einem bitteren Lächeln. "Mal bist du der Held, mal bist du der Typ, der in der Nachspielzeit den Kaffee verschüttet."

Statistisch gesehen war das Remis fast gerecht: 7 Torschüsse für Cincinnati, 8 für Western, und der Ballbesitz nahezu pari. Taktisch blieb Bark seiner offensiven Linie treu, während NRW im Finish auf totale Offensive mit Pressing und kurzen Pässen setzte - ein Risiko, das sich auszahlte.

Nach dem Schlusspfiff klatschten sich beide Trainer ab - die eine Faust voller Erleichterung, die andere voller Frust. "Wenn du in der 90. Minute den Ausgleich kassierst, kannst du zwei Dinge tun", sagte Fairchild später. "Fluchen oder lachen. Ich hab mich für beides entschieden."

So endete ein Spiel, das keiner verlieren wollte und auch keiner so richtig gewann. Ein 3:3, das nachwirkt - und das Gefühl hinterlässt, dass man bei der nächsten Begegnung dieser beiden Teams lieber den Popcorn-Vorrat aufstockt.

Oder, um es mit den Worten eines Zuschauers zu sagen, der beim Hinausgehen kopfschüttelnd grinste: "Wenn das so weitergeht, braucht man hier bald einen Herzschrittmacher als Fanartikel."

15.05.643987 00:05
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Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
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