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Spektakel in Bex: SC Bex und FC Wil liefern sich ein 4:4-Fußballdrama

Was für ein Abend in der Westschweiz! 10.000 Zuschauer im kleinen Stadion von Bex sahen ein 4:4, das man so schnell nicht vergessen wird - eine Achterbahnfahrt zwischen Genie, Wahnsinn und purem Chaos. Am Ende wusste keiner so recht, ob er jubeln oder sich einfach erschöpft in den Sitz fallen lassen sollte.

Der SC Bex, taktisch gewohnt ausgewogen, empfing die offensivfreudigen Gäste aus Wil, die von Trainer Jens Bauer mit der Devise "Angriff ist die beste Verteidigung" ins Spiel geschickt wurden. Dass das keine leere Phrase war, zeigte sich von Beginn an: Schon in der 5. Minute zog Pierre Delmas von der linken Seite ab - ein Warnschuss, den Bex-Keeper Stephane Weller noch entschärfte.

Doch zuerst jubelten die Hausherren. In der 21. Minute traf David Lalonde nach feiner Vorarbeit von Maurice Hübner - ein Treffer aus dem Lehrbuch: Pass in den Lauf, Abschluss aus dem Rückraum, Tor. "Wir wollten zeigen, dass wir auch Fußball spielen können", grinste Lalonde später, während ihm noch Schweißperlen von der Stirn tropften.

Dann kam der große Auftritt des FC Wil. Ein Außenverteidiger, der trifft? Pierre Delmas meinte es ernst - in der 32. Minute zog er nach Kombination mit Alfonso Gonzalo trocken ab und traf zum 1:1. Nur elf Minuten später drehte Antonio Custodio die Partie. Nach einem schönen Zuspiel von Georges Voss donnerte er den Ball unter die Latte. 2:1 für Wil, und der Gästeblock tobte.

Doch kurz vor der Pause meldete sich Bex zurück. Innenverteidiger Theo O’Shea stieg nach einer Ecke am höchsten und wuchtete den Ball ins Netz. 2:2 - und das war nur der Anfang einer Partie, die man auch "Vier Akte und ein Nachspiel" nennen könnte.

Nach dem Seitenwechsel ging es ruppiger zu. O’Shea sah Gelb (48.), auf der anderen Seite musste Linus Miller verletzt runter. Für ihn kam der junge Frederic Saint-Pierre - und der sollte das Spiel auf den Kopf stellen. In der 66. Minute traf er nach Pass von Voss zur erneuten Führung, in der 77. Minute legte er gleich noch einen drauf, diesmal nach Vorlage von Gonzalo. Zwei Tore, kaum 30 Minuten auf dem Platz - der Junge hatte seinen Einstand wohl geplant. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte Saint-Pierre mit einem Schulterzucken. "Dass ich gleich zweimal treffe, war... na ja, nicht ganz zufällig."

Bex wirkte geschlagen, die Fans begannen sich schon mit einem Bier zu trösten. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn er nicht Momente der puren Verrücktheit bereithielte. In der Nachspielzeit explodierte das Stadion: Erst traf Knud Stark in der 92. Minute nach Vorarbeit von Guillaume Kopp - und kaum hatte der Stadionsprecher das Tor verkündet, klingelte es erneut. Diesmal war Kopp selbst der Torschütze, nach einem langen Ball des Rechtsverteidigers Rene Diarra. 4:4! Zwei Tore in 60 Sekunden - und plötzlich war das Spiel ein Fest.

Trainer Jens Bauer stand nach Abpfiff mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte: "Ich wollte eigentlich noch ruhig schlafen heute." Sein Gegenüber, Bex-Coach (dessen Name das Protokoll verschluckt hat, aber dessen Grinsen Bände sprach), meinte nur trocken: "Mit uns wird’s nie langweilig. Leider auch für meine Herzfrequenz nicht."

Statistisch gesehen war Bex sogar leicht überlegen: 55 Prozent Ballbesitz, 11 Torschüsse gegenüber 13 der Gäste. Aber Zahlen erklären nicht, wie ein Spiel kippt, wie ein Publikum plötzlich an Wunder glaubt und wie ein junger Ersatzspieler zur Hauptfigur wird.

Nach dem Schlusspfiff lagen sich Spieler beider Teams in den Armen - vielleicht, weil sie wussten, dass sie an diesem Abend gemeinsam ein kleines Fußballmärchen geschrieben hatten. Die Fans verließen das Stadion mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Erschöpfung und Euphorie pendelte.

Oder, wie es ein älterer Zuschauer auf der Tribüne formulierte, während er seinen Schal wieder um den Hals legte: "So was kriegst du nicht mal im Fernsehen."

Und er hatte recht.

Denn manchmal schreibt die 2. Liga Schweiz Geschichten, die selbst die Super League neidisch machen könnten. 4:4 - ein Ergebnis wie eine Rockballade: laut, wild und mit einem Finale, das noch lange nachhallt.

14.05.643987 21:03
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Giovanni Trappatoni
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