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Es war der 6. Spieltag der 1. Liga Niederlande, ein kühler Januarabend, 20:30 Uhr, Flutlicht im Stadion von Alkmaar. 29 702 Zuschauer hatten sich eingefunden - und sie sollten nicht enttäuscht werden. Am Ende stand es 3:4, und wer nicht dabei war, glaubt es kaum: Es war eines jener Spiele, die man nur mit offenem Mund verfolgt, zwischen "Das darf doch nicht wahr sein!" und "Doch, ist es!". Bereits in der 17. Minute eröffnete Tomasz Beckmann für den FC Eindhoven den Torreigen. Ein trockener Schuss aus halbrechter Position, vorbereitet von Jacques Brinkmann, zischte ins Eck. Alkmaar wankte kurz, fand aber sofort die Antwort: Zwei Minuten später war Fernando de Freitas zur Stelle - der Mann, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, den Begriff "Ein-Mann-Sturm" neu zu definieren. Sein Treffer zum 1:1 ließ die Fans jubeln, und als er in der 33. Minute - diesmal nach glänzender Vorarbeit von Pablo Canalejas - erneut traf, bebte die Arena. "In dem Moment dachte ich, jetzt kippt das Spiel zu unseren Gunsten", sagte Alkmaars Trainer Bolle Vulette nach dem Schlusspfiff. "Leider hatte Eindhoven andere Pläne. Sehr andere." Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, legten die Gäste los wie eine Dampfwalze. In der 49. Minute traf Nael Alvarez zum 2:2, wieder nach Vorlage von Brinkmann. Eindhoven zeigte nun, was Offensivdrang bedeutet: 12 Torschüsse insgesamt, fast im Minutentakt rollten die Angriffe. Tiago Velez nagelte in der 59. Minute den Ball unter die Latte - 2:3. Und nur sechs Minuten später erhöhte Paris Nafpliotis auf 2:4, nach feinem Pass von Jose Maria Arias. "Wir hatten uns vorgenommen, in der zweiten Halbzeit mutiger zu sein", erklärte Gästecoach Andreas Riemann später verschmitzt. "Dass es gleich drei Tore werden, war natürlich auch nicht schlecht für die Laune." Alkmaar gab sich jedoch nicht geschlagen. In der 70. Minute schlug wieder - wer sonst - Fernando de Freitas zu. Sein dritter Treffer des Abends, diesmal auf Zuspiel von Vincent Tiago, brachte die Hausherren noch einmal heran. Das Stadion tobte, Vulette schrie an der Seitenlinie, als stünde er selbst kurz vor dem Ausgleich. "Ich hab’ ihm zugerufen: ’Fernando, noch einmal, bitte!’", erzählte der Trainer später lachend. "Aber dann kam die rote Karte." In der 79. Minute sah ausgerechnet Tiago, der Vorlagengeber, glatt Rot nach einem übermotivierten Einsteigen. Danach war der Kampfgeist gebrochen. Eindhoven spielte clever die Zeit herunter, während Alkmaar, dezimiert und frustriert, kaum noch gefährlich wurde. Eine Gelbe für Herbert Huber in der 83. Minute war der letzte sichtbare Ausdruck der Verzweiflung. Die Statistik spricht eine klare Sprache: 50,3 % Ballbesitz für Alkmaar, 49,7 % für Eindhoven - ein Gleichgewicht, das auf dem Papier enger wirkt, als es auf dem Platz zeitweise war. Eindhoven war zielstrebiger, variabler, und vor allem: effizienter. Vier Tore aus zwölf Schüssen aufs Tor - das ist Champions-League-Quote. "Es war ein verrücktes Spiel", resümierte Dreifach-Torschütze de Freitas, noch leicht verschwitzt, aber mit einem Lächeln. "Manchmal triffst du dreimal und verlierst trotzdem. Fußball ist kein gerechtes Spiel - und genau deshalb lieben wir ihn." Auch Riemann konnte sich das Grinsen nicht verkneifen: "Unsere Jungs haben die Räume genutzt, und Tomasz Beckmann hat das Spiel mit seinem frühen Tor geöffnet. Danach war’s ein offener Schlagabtausch - so wie man ihn sich wünscht, wenn man neutraler Zuschauer ist." Neutraler Zuschauer war an diesem Abend allerdings kaum jemand. Die Fans auf den Rängen erlebten ein Wechselbad der Gefühle, zwischen Euphorie und Entsetzen. Ein älterer Herr im Alkmaar-Schal schüttelte nach dem 2:4 nur den Kopf und murmelte: "Ich hab schon vieles gesehen - aber das? Das war Operette!" Als der Schlusspfiff ertönte, feierten die Gäste ausgelassen, während Alkmaars Spieler mit hängenden Köpfen vom Platz trotteten. Trainer Vulette klopfte de Freitas auf die Schulter und sagte, halb tröstend, halb ironisch: "Wenn du noch eins machst, schreib ich dir das Drehbuch zum Film." Ein Abend voller Dramatik, Emotionen und kleiner Skurrilitäten - so wie man sie im niederländischen Fußball liebt. Eindhoven nimmt drei Punkte mit, Alkmaar bleibt die Erkenntnis, dass selbst drei Tore von de Freitas nicht immer reichen. Und irgendwo in der Kabine summte jemand: "Fußball, du launisches Biest." Vulette grinste nur und sagte: "Ja, das trifft’s ziemlich gut." 18.03.643987 00:03 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme