World Soccer
+++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++

Spektakel in Aarau: Nice siegt 5:4 - Drama bis tief in die Nachspielzeit

79500 Zuschauer im ausverkauften Brügglifeld-Stadion sahen ein Fußballspiel, das eher an einen Actionfilm erinnerte als an ein Champions-League-Play-off-Hinspiel. SC Aarau und OGC Nice lieferten sich am Mittwochabend ein 90-minütiges Torspektakel, das in der 96. Minute durch Joschua Henning entschieden wurde. 4:5 lautete der Endstand - und so mancher Zuschauer fragte sich, ob er gerade Zeuge eines taktischen Meisterwerks oder eines kollektiven Nervenzusammenbruchs geworden war.

Los ging’s mit einem Paukenschlag: Schon in der 7. Minute ließ Amaury Chalana für Nice einen satten Schuss aus 20 Metern los - 0:1. Aarau wackelte kurz, aber antwortete postwendend. Nur vier Minuten später verwandelte Malkolm Holmqvist nach feinem Zuspiel von Jean-Pierre Ames zum 1:1. Und weil das Spiel offenbar beschlossen hatte, sämtliche Regeln der Ballkontrolle außer Kraft zu setzen, fiel das nächste Tor direkt hinterher: Thomas Herzog drückte in der 18. Minute den Ball zum 2:1 über die Linie, erneut nach einer Vorlage von Ames, der an diesem Abend wohl mehr Kilometer machte als der Linienrichter.

Doch wer dachte, das Spiel würde jetzt zur Ruhe kommen, irrte sich gewaltig. Nur 60 Sekunden später egalisierte Thijmen Brinkerhoff mit einer eiskalten Direktabnahme für Nice - 2:2. Und weil niemand an diesem Abend Verteidigung spielen wollte, legte Aarau in der 25. Minute wieder vor: Marc Pelletier schoss wuchtig ein, nachdem Innenverteidiger Oskar Müller in bester Mittelstürmer-Manier den Ball vorgelegt hatte. 3:2, und das Stadion bebte.

"Ich hatte das Gefühl, jeder Ballkontakt könnte ein Tor werden", grinste Aaraus Trainer Hans Meyer später sarkastisch. "Leider auch für die anderen."

Nice zeigte sich unbeeindruckt. In Minute 31 stellte Joschua Henning nach Chalana-Vorlage auf 3:3 - und das war erst die Halbzeitbilanz. Sechs Tore in 45 Minuten, 29 Torschüsse, und ein Notizblock des Reporters, der schon nach der Pause kaum noch lesbar war.

Nach dem Seitenwechsel schien Aarau zunächst das bessere Ende für sich zu haben. In der 48. Minute traf Sean Corraface per Distanzschuss zum 4:3, vorbereitet von Pelletier. Der Jubel war laut, aber vielleicht ein bisschen zu früh. Denn Nice ließ sich nicht abschütteln. Trainer King Lung, der an der Seitenlinie wirkte, als würde er innerlich Schach spielen und dabei Kaffee trinken, blieb ruhig. "Wir wussten, Aarau spielt jederzeit offensiv - wirklich jederzeit", sagte er später. "Da reicht Geduld, und Joschua."

Er sollte recht behalten. Während Aarau Chance um Chance vergab - 18 Schüsse aufs Tor insgesamt, aber zu oft in die Arme des gegnerischen Keepers Christiano Mendes - lauerte Nice auf den späten Stich.

In der 89. Minute war es so weit: Jorge Garcez traf nach feinem Zuspiel von Valeri Semjonow zum 4:4. Das Brügglifeld schwieg für einen Moment, bevor es kollektiv den Atem anhielt. Und dann kam die 96. Minute, dieses verflixte Nachspielzeitdrama, das Aarau wohl noch lange verfolgen wird. Wieder Henning, wieder eiskalt, diesmal nach einem Pass des eingewechselten Dilmen Parlak - 4:5.

"Ich dachte, wir pfeifen ab", murmelte Aarau-Verteidiger Justin Desjardins später, der schon in der dritten Minute Gelb gesehen hatte. "Da war der Ball schon fast auf dem Parkplatz - und dann haut der den rein."

Statistisch betrachtet war Aarau keineswegs unterlegen: 45 Prozent Ballbesitz, mehr Torschüsse, höhere Zweikampfquote. Aber Nice zeigte, was Effizienz bedeutet. Fünf Tore bei elf Schüssen aufs Tor - das ist fast unverschämt präzise. "Das nennt man französische Zielstrebigkeit", witzelte Joschua Henning nach dem Spiel, als er mit zwei Toren und einem breiten Grinsen den Kabinentrakt betrat.

In der Mixed Zone blieb Hans Meyer gefasst, fast trotzig: "Wenn man vier Tore schießt und trotzdem verliert, hat man etwas richtig und vieles falsch gemacht. Wir werden beides im Rückspiel korrigieren." Auf die Frage, was genau er ändern wolle, antwortete er nach kurzem Nachdenken: "Vielleicht einfach mal keine Gegentore."

King Lung hingegen gönnte sich ein verschmitztes Lächeln: "Wir lieben Unterhaltung. Aber im Rückspiel darf’s gern ein bisschen weniger spannend werden - mein Herz ist keine 25 mehr."

Ein Spiel wie ein Achterbahnritt: Temporeich, wild, unberechenbar. SC Aarau hat bewiesen, dass es Tore schießen kann - vielleicht zu viele in zu kurzer Zeit. OGC Nice hat gezeigt, dass Geduld manchmal mehr wert ist als Ballbesitz.

Und irgendwo in Aarau wird gerade noch ein Fan sitzen, der denkt: "Schade, dass’s kein Eishockey war - da hätten wir immerhin einen Punkt bekommen."

24.12.643990 01:50
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager