Tuttosport
+++ Sportzeitung für Italien +++

Spektakel im San Paolo: Bologna stiehlt Neapel die Show

Es war einer dieser Abende in Neapel, an denen der Vesuv leise glimmt, das Stadion brodelt und am Ende niemand so recht weiß, was da eigentlich passiert ist. 36.265 Zuschauer sahen beim 4. Spieltag der Serie A ein 3:4 zwischen dem AC Neapel und dem AS Bologna - ein Spiel, das mehr Wendungen hatte als ein italienischer Fernsehkrimi.

Schon nach elf Minuten ging das Drama los: Der 21-jährige Giacomo Ferrario, ein Spieler, der aussieht, als wäre er gerade aus der U‑21 hochgekommen (und das wohl auch ist), traf nach Vorarbeit von Gianluigi Di Carlo zum 0:1. Neapels Trainer Gian‑Luca Sidler raufte sich die Haare und schrie Richtung Abwehr: "Das war kein Freistoß, das war ein Freifahrtschein!" Doch seine Verteidiger wirkten, als hätten sie das Wort "Deckung" aus dem Vokabular gestrichen.

Neapel antwortete mit Wut im Bauch, aber ohne Zielwasser. 62 Prozent Ballbesitz, kombinierte Eleganz im Mittelfeld - und trotzdem war Bologna eiskalt. In der 30. Minute zirkelte Sebastian Nagel den Ball aus spitzem Winkel ins Netz. Gaetano Semeraro, der linke Verteidiger, hatte zuvor einen Pass gespielt, der so präzise war, dass man ihn vermutlich mit dem Lineal nachgemessen hat. 0:2, und das Stadion verstummte kurz.

Doch dann kam Ashton Davonport. Der 33‑jährige Engländer mit dem Charme eines Pub‑Besitzers brachte Neapel in der 33. Minute zurück ins Spiel, nach einer Vorlage von Robbe Van Carpels. Drei Minuten später stand die Arena Kopf, als Arnau Muno nach Zuspiel von Aron Laustsen das 2:2 erzielte - aber der Jubel hielt keine zehn Minuten. Bologna schlug zurück: Kurz vor der Pause, in der 44. Minute, stellte Gianluigi Di Carlo den alten Abstand wieder her. Der Pass kam von Amaury Morais, dessen Eingabe so punktgenau war, dass selbst der neapolitanische Torwart Gordej Dazjuk nur resigniert die Arme hob.

Mit 2:3 ging es in die Kabine. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen offensiv bleiben. Leider haben sie mich zu wörtlich genommen", knurrte Sidler später. Und wirklich - Neapel stürmte nach Wiederanpfiff, als gäbe es kein Morgen. Bologna lauerte dagegen auf Konter, die eher zufällig als geplant wirkten, aber gefährlich waren.

In der 61. Minute fiel das 2:4 - Iason Theodoridis, ausgerechnet kurz vor seiner Auswechslung, schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck. Trainer Ferdinand Mayer grinste danach: "Ich wollte ihn eigentlich schon in der 60. rausnehmen. Zum Glück war der Vierte Offizielle langsam."

Neapel gab sich trotzdem nicht geschlagen. In der 64. Minute flankte Claudio Cerisano butterweich auf Davonport, der per Kopf zum 3:4 traf. Das Stadion bebte, die Fans schrien "Forza Napoli!" und irgendwer zündete eine Fackel, die mehr Rauch als Hoffnung verbreitete.

Ab da war es ein einziges Anrennen: Muno traf Latte, Davonport schoss Satriano beinahe samt Ball ins Tor, und Laustsen probierte es aus jeder Lage. Statistisch gesehen hatte Neapel 14 Torschüsse - genauso viele wie Bologna -, doch während die Gäste viermal ins Schwarze trafen, blieb Neapel beim Gefühl, dass der Fußballgott an diesem Abend in Bologna geboren wurde.

In der Schlussphase wurde es wild. Zuerst sah Andrea Martin in der 89. Minute Gelb, dann in der Nachspielzeit Gelb‑Rot. "Er wollte halt mit Souvenir vom Vesuv heimfahren", witzelte Mayer trocken. Danach lag Federico Cariati verletzt am Boden, während Schiedsrichter und Sanitäter gleichzeitig durcheinanderriefen.

Taktisch blieb Neapel bis zur letzten Minute offensiv, Bologna ebenso, nur mit dem Unterschied, dass Mayer das Wort "Defensivarbeit" offenbar als optional betrachtet. Beide Teams spielten ohne Pressing, aber mit offenem Visier - was den Zuschauern ein Spektakel, den Trainern jedoch graue Haare bescherte.

Nach dem Abpfiff klatschte Sidler zähneknirschend in Richtung gegnerischer Bank. "Wenn man vier Tore kassiert, hat man kein Recht, von Pech zu sprechen", gab er zu. Sein Gegenüber Mayer grinste: "Manchmal ist es besser, weniger den Ball zu haben - vor allem, wenn man weiß, was man damit machen will."

So endete ein verrückter Fußballabend: Sieben Tore, zwei Gelbe Karten, eine Gelb‑Rote, eine Verletzung, 36.000 heisere Kehlen - und das Gefühl, dass Neapel alles hatte außer Glück. Bologna dagegen hatte Effizienz, jugendliche Frechheit und einen Gianluigi Di Carlo, der sich beim Rausgehen noch ein Eis gönnte. "Verdient hab ich’s mir", sagte er lachend. Und ehrlich: Wer so trifft, darf das ruhig sagen.

Ein Spiel, das man in Neapel wohl als Tragödie, in Bologna als Oper feiern wird - beide mit italienischem Pathos und der Erkenntnis: Fußball ist manchmal einfach schöner, wenn er weh tut.

14.07.643990 03:09
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager