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Spätes Blues-Tor raubt Pompey das Lächeln

36.000 Zuschauer im altehrwürdigen Fratton Park sahen am Samstagabend ein Spiel, das sich lange weigerte, entschieden zu werden - bis in der 86. Minute Gabriel Hathaway für die London Blues doch noch den Stecker zog. 0:1 hieß es am Ende aus Sicht des tapfer kämpfenden Pompey FC, der mit mehr Ballbesitz, aber weniger Durchschlagskraft aus der Saisonpremiere der 1. Liga England ging.

Die Partie begann mit viel Energie, aber wenig Präzision. Schon nach zwei Minuten prüfte Christoph Steffen den Pompey-Keeper Hartmut Meister mit einem satten Schuss - ein Vorgeschmack auf den Abend, den Meister verbringen sollte. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft die auf mich geschossen haben", lachte der Torwart später mit müdem Blick. "Aber ich bin trotzdem stolz, dass wir sie so lange geärgert haben."

Tatsächlich: Die London Blues feuerten 18 Torschüsse ab, während Pompey nur vier zustande brachte. Und doch war es zur Pause torlos. London kontrollierte weniger den Ball (nur 46 Prozent Ballbesitz), aber dafür die gefährlichen Räume. Trainer Fabio Rapi gestikulierte an der Seitenlinie wie ein Dirigent eines unwilligen Orchesters, das partout kein Tor spielen wollte. "Wir wollten geduldig bleiben", erklärte er hinterher mit einem gequälten Lächeln. "Geduld ist ja bekanntlich eine Tugend - aber eine nervige."

Auf der anderen Seite hielt Pompey-Coach - dessen Name in den offiziellen Statistiken fast mysteriös verschollen ist - seine Jungs zum kontrollierten Aufbau an. Marco Schlüter und Callum Dennehy mühten sich auf den Flügeln, doch gegen das Bollwerk der Blues war kaum ein Durchkommen. "Wir haben uns den Ball schön hin und her geschoben", meinte Schlüter trocken, "aber am Ende musst du halt auch mal schießen. Das haben wir dann... eher selten getan."

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: London drückte, Pompey verteidigte. Hathaway, Steffen und Sterling feuerten weiter, als gäbe es eine Prämie pro Schuss. In der 64. Minute probierte es der junge Kian Hoskins aus der Distanz - knapp vorbei. Kurz darauf musste er verletzt raus, nachdem er unglücklich umgeknickt war. "Nur eine leichte Bänderdehnung", sagte Rapi später, "er hat sich wahrscheinlich mehr über den Rasen geärgert als über den Schmerz."

Pompey blieb zäh, und als in der 83. Minute der 19-jährige Robert MacGillivray Gelb sah, klatschte das Publikum ironisch Beifall - wenigstens etwas Farbe in diesem blauen Abend. Drei Minuten später dann das bittere Ende: Der gerade eingewechselte 18-jährige Benjamin Ross, kaum alt genug für den Profibus, steckte den Ball traumhaft in den Lauf von Gabriel Hathaway. Der ließ sich nicht zweimal bitten, zog von links in den Strafraum und schlenzte die Kugel unhaltbar ins lange Eck. 0:1 - und Fratton Park verstummte.

Hathaway, umringt von jubelnden Teamkollegen, grinste später: "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du 17 Mal daneben schießt, muss ja irgendwann einer reingehen." Ein Satz, der ihm wohl als Lebensmotto taugt - und zugleich die Statistik perfekt zusammenfasst.

Pompey versuchte in den letzten Minuten noch einmal alles, aber außer einem halbherzigen Kopfball von Alfie Kilbane kam nichts Zählbares heraus. Die Blues zogen sich clever zurück, verteidigten robust und brachten den Vorsprung über die Zeit.

Trainer Rapi zog nach dem Schlusspfiff die Stirn kraus, als er nach der Taktik gefragt wurde: "Wir haben ausgewogen gespielt - so ausgewogen, dass ich fast eingeschlafen wäre." Dann lachte er und fügte hinzu: "Aber das Tor kam zur rechten Zeit. Manchmal braucht man eben einen jungen Kerl, der keine Angst hat, einfach zu spielen."

Pompey-Coach dagegen wirkte enttäuscht, aber nicht resigniert. "Das war kein schlechtes Spiel", sagte er. "Wir haben 54 Prozent Ballbesitz, gute Zweikämpfe - zumindest statistisch -, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Nächstes Mal nehmen wir vielleicht auch mal ein Tor mit nach Hause."

So endete ein Abend, der für die Zuschauer bittersüß blieb: viel Einsatz, wenig Ertrag. Die London Blues starten mit drei Punkten in die Saison, Pompey FC mit der Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt.

Und irgendwo in den Katakomben des Stadions soll Hartmut Meister beim Auslaufen gesagt haben: "Wenn’s nach mir ginge, hätten wir 0:0 gespielt - und ich hätte morgen frei." Man möchte ihm kaum widersprechen.

30.05.643990 03:20
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Statistiken, Statistiken, für Statistiken habe ich mich schon früher nicht interessiert. Statistiken sind dafür da, um gebrochen zu werden.
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