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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Fußballgötter manchmal britischen Humor haben. 51.363 Zuschauer in der Grazer Merkur Arena sahen ein Europaliga-Duell, das lange nach einem torlosen Kompromiss roch - bis Jay Sterling in der 84. Minute den Deckel draufsetzte und den London Blues ein spätes 1:0 über SK Sturm Graz bescherte. Dabei hatte Sturm-Coach Peter Mate vor dem Anpfiff noch optimistisch gemeint: "Wenn wir früh Druck machen, kippt das Spiel auf unsere Seite." Der Plan klang gut, aber die Realität spielte, wie so oft, ihr eigenes System. Die ersten Minuten gehörten noch den Grazern - Espen Van Tessel prüfte bereits in der zweiten Minute den Londoner Keeper Bent Ipsen mit einem Schuss, der so scharf war wie der steirische Winterwind. Ipsen klärte spektakulär, und die Fans jubelten, als hätte der Ball schon gezappelt. Doch mit zunehmender Spieldauer übernahmen die Blues das Kommando. 56 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse und ein Pressing, das mehr nach Londoner Underground klang als nach britischer Höflichkeit. Owen Ward und Mason Staunton wirbelten über die Flügel, Sean Prentiss zog im Zentrum die Fäden - und Sturm Graz lief, wie man so schön sagt, oft nur hinterher. Dennoch: Ganz kampflos gaben sich die Steirer nicht. Bruno Galindo, der 18-jährige Wirbelwind auf links, brachte Leben ins Spiel, ehe er in der 43. Minute verletzt vom Platz musste. "Ich hab nur kurz gezuckt, und plötzlich war’s dunkel", witzelte Galindo später mit einem tapferen Grinsen. Für ihn kam Karsten Fricke - und der brachte gleich frischen Schwung, auch wenn es am Ende nicht reichte. Die Londoner hatten ihrerseits Pech. Gabriel Hathaway musste bereits nach 18 Minuten verletzt raus, sein Ersatz Owen Ward übernahm, als wäre nichts gewesen - und scheiterte gleich zweimal knapp (21., 42.). Der Ball wollte einfach nicht rein, und so ging es mit einem 0:0 in die Pause. Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild: Die Blues drückten, Sturm verteidigte. Torwart Nevio Zimmermann hielt, was zu halten war - besonders sehenswert sein Reflex gegen Jay Sterling in der 54. Minute. "Ich hab den Ball nur kommen sehen und gehofft, dass er mich trifft", lachte der Keeper später. Doch in der 84. Minute half alles Hoffen nichts mehr. Sean Prentiss spielte einen dieser elegant-tödlichen Pässe durch die Schnittstelle, Sterling nahm Maß und schob den Ball trocken ins linke Eck. 0:1 - britische Effizienz in Reinform. Während die Londoner jubelnd über den Rasen tanzten, stand Zimmermann noch immer da, als wolle er das Tor durch pure Konzentration ungeschehen machen. Die letzten Minuten waren dann ein Lehrstück in Zeitmanagement. Die Blues zogen sich zurück, ließen den Ball laufen, als hätten sie ihn gepachtet. Sturm versuchte alles - ein letzter Versuch von Sergio Etxebarria in der 86. Minute segelte über die Latte und über die letzten Hoffnungen der Steirer hinweg. Am Ende blieb nur der Applaus. Nicht für den Sieg, sondern für den Einsatz. Sturm Graz hatte gekämpft, aber London war schlicht eine Nummer zu abgezockt. Zwei Gelbe Karten - Pattrick Baer (32.) und Jannis Hummel (56.) - zeugten vom Frust, der sich im Laufe des Spiels einschlich. "Wir haben den Blues gekitzelt, aber nicht getroffen", fasste Trainer Mate mit einem Schulterzucken zusammen. Fabio Rapi, Coach der Londoner, grinste breit: "Wir wussten, dass Sturm gefährlich sein kann. Aber wir haben geduldig gespielt - very British, you know?" Die Statistik untermauert das Ergebnis: 5:16 Torschüsse, 43 zu 56 Prozent Ballbesitz, und eine Tackling-Quote von 44 gegenüber 56 Prozent. Zahlen, die nüchtern klingen, aber auf dem Platz ziemlich laut waren. Dass die Blues am Ende jubeln durften, lag nicht nur an Sterling, sondern auch an ihrer taktischen Ruhe. Kein wildes Pressing, kein überhastetes Spiel - einfach abwarten und zuschlagen. Man hätte fast meinen können, sie hätten die Uhr erfunden. Für Sturm Graz bleibt die Erkenntnis: Man kann mutig auftreten, jung und engagiert spielen - aber manchmal reicht das eben nicht gegen eine Mannschaft, die weiß, wann man das Messer ansetzt. Oder, wie es Espen Van Tessel nach Abpfiff trocken formulierte: "Wir hatten Feuer, sie hatten Zielwasser." Und so blieb den Grazer Fans am Ende nur der Trost, dass es wenigstens nicht geregnet hat - britischer Sieg hin oder her. 23.07.643987 15:42 |
Sprücheklopfer
Das, was ich schon die letzten 20 Jahre gemacht habe, mich wichtig machen und deppert reden!
Toni Polster auf die Frage, was er im Gladbach-Management tun werde