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Wenn ein 17-Jähriger in der 1. Liga Italien trifft, dann horcht man auf. Wenn er kurz darauf Gelb-Rot sieht, dann schüttelt man den Kopf - und schreibt eine Geschichte, die irgendwo zwischen jugendlichem Überschwang und bitterm Ernst liegt. So geschehen am 27. Spieltag zwischen AS Bologna und Palermo Calcio, wo sich beide Teams nach 90 intensiven Minuten mit einem 1:1 trennten. Vor 40.000 Zuschauern im Stadio Renato Dall’Ara begann Bologna am Mittwochabend mit kontrolliertem Ballbesitz (54 Prozent) und dem festen Willen, die Heimserie auszubauen. Doch Palermo kam mit frechem Offensivgeist und einer Prise jugendlicher Unbekümmertheit - besonders in Gestalt von Roberto Trevisan. Der 17-jährige Mittelfeldspieler, zart gebaut, aber mit rechter Klebe gesegnet, brachte die Gäste in der 33. Minute in Führung. Nach einem schnellen Vorstoß über Giorgio Lombardo landete der Ball bei Trevisan, der trocken aus 18 Metern abschloss. 0:1 - und plötzlich sangen die mitgereisten Sizilianer lauter als das komplette Stadion. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Trevisan nach dem Spiel, "der Trainer hat gesagt, ich soll mutig sein - also war ich’s." Palermo-Coach Ofgqod Euogugezzh, dessen Name im italienischen Fußballkommentar inzwischen als Zungenbrecher-Klassiker gilt, nickte zufrieden: "Der Junge hat keine Angst. Nur vielleicht ein bisschen zu viel Energie." Denn in der 72. Minute war genau diese Energie sein Verhängnis. Nach einer frühen Gelben Karte in der 10. Minute kam Trevisan in einem Zweikampf zu spät - Gelb-Rot, Abmarsch. "Ich schwöre, ich hab den Ball gespielt", rief er noch Richtung Schiedsrichter, doch der blieb unbeeindruckt. Palermo nun in Unterzahl, und Bologna witterte Blut. Trainer Ferdinand Mayer, sonst ein eher ruhiger Taktiker, warf seine Jacke auf die Bank, trommelte in die Hände und brüllte: "Jetzt geht’s über die Flügel!" Und tatsächlich: Bologna drückte, flankte, schoss - 15 Torschüsse am Ende, doppelt so viele wie Palermo. Besonders auffällig war Christoph Engelhardt, der auf der linken Seite unermüdlich rannte und drei Mal gefährlich abzog (66., 79., 84.). Doch der Ausgleich wollte einfach nicht fallen. Bis zur 85. Minute. Dann fiel der Ball nach einer Ecke vor die Füße von Salvador Niguez, der kurz zuvor für Nagel eingewechselt worden war. Der junge Spanier fackelte nicht lange und drosch das Leder volley in die Maschen - 1:1! "Ich hab gar nicht nachgedacht", sagte Niguez später lachend, "vielleicht war das mein Vorteil." Innenverteidiger Salvatore Venier, der die Vorlage mit einem wuchtigen Kopfball einleitete, grinste: "Ich sag ihm immer: Wenn du schon da vorne rumstehst, dann mach wenigstens was draus." Die Schlussphase war dann ein wilder Mix aus Verzweiflung und Müdigkeit. Palermo verteidigte mit neun Feldspielern und Torwart Fernando Suero, der gefühlt jede zweite Flanke aus der Luft pflückte. Bologna kam noch zu einem Schuss von Niguez (90.), aber Suero rettete den Punkt mit einer Flugeinlage, die selbst Turnlehrer stolz gemacht hätte. "Wenn du so viele Chancen hast und nur einmal triffst, musst du dich ärgern", räumte Bologna-Coach Mayer ein. "Aber die Jungs haben Moral gezeigt. Und ehrlich gesagt - ein Punkt ist besser als ein Tobsuchtsanfall." Palermo-Trainer Euogugezzh sah das naturgemäß anders: "Mit elf Mann hätten wir das gewonnen. Aber die Schiedsrichter lieben wohl jugendliche Tragödien." Statistisch betrachtet hätte Bologna den Sieg verdient gehabt: mehr Ballbesitz, deutlich mehr Abschlüsse, bessere Zweikampfquote (53 Prozent). Doch Fußball ist eben kein Rechenspiel - manchmal ist er ein Theaterstück, in dem ein Teenager zum Helden und zum Sünder zugleich wird. Als die Spieler nach Abpfiff den Platz verließen, klopfte Mayer seinem Torschützen Niguez auf die Schulter. "Gut gemacht, Junge", sagte er. "Aber das nächste Mal bitte fünf Minuten früher." Niguez grinste und antwortete: "Dann wäre es ja zu einfach, Mister." Und so endete ein Abend, der alles hatte, was den Fußball so herrlich unberechenbar macht: ein jugendliches Märchen, ein gerechtes Remis, ein paar Gelbe Karten und 40.000 Zuschauer, die nach 90 Minuten wussten, warum sie gekommen waren. Fazit? Bologna rettet spät, Palermo hadert früh - und Roberto Trevisan weiß jetzt, dass Ruhm und Rote Karten manchmal nur 39 Minuten auseinanderliegen. 27.11.643987 17:17 |
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