Football Today
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Southampton dreht das Spiel: Ein 3:2, das keiner mehr kommen sah

Was für ein Abend an der englischen Südküste! 45.734 Zuschauer im St. Mary’s Stadium erlebten am 11. Spieltag der 1. Liga England ein Fußballstück, das irgendwo zwischen Tragödie, Komödie und Heldenepos pendelte. Southampton besiegte die favorisierten London Gunners nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2 - und Trainer Raine Maida grinste nach Abpfiff so breit, als hätte er gerade die Champions League gewonnen.

Dabei hatte in der ersten Halbzeit wenig auf eine Auferstehung der "Saints" hingedeutet. London kontrollierte Ball und Gegner, 55 Prozent Ballbesitz, dazu ein Passspiel, das so geschmeidig lief wie ein frisch geölter Rolls-Royce-Motor. Southampton dagegen wirkte, als hätte man das Wort "Offensive" nur im Wörterbuch gelesen. Das Ergebnis: zwei Tore der Gunners in drei Minuten.

In der 29. Minute legte Jack Combe mustergültig auf, Mason Boyle vollendete trocken ins lange Eck. Drei Minuten später revanchierte sich Combe höchstpersönlich - diesmal nach Vorlage von Vincent Barros. 0:2, und der Auswärtsblock sang bereits von der Tabellenführung.

"In der Kabine war’s still. Sehr still", verriet später Southampton-Kapitän Jan Haswell. "Dann kam Coach Maida rein, klopfte auf den Tisch und sagte nur: ’Ihr spielt, als würdet ihr Eintritt zahlen.’ Danach wussten wir: Jetzt müssen wir liefern."

Und sie lieferten. Nach Wiederanpfiff verwandelte sich das einst harmlose Southampton in eine Mannschaft mit Biss. Die Taktik wurde sichtbar verändert - vom zögerlichen Konterteam der ersten Hälfte zu einer aggressiven, pressingfreudigen Formation, die über die Flügel kam. "Wir haben einfach aufgehört, höflich zu sein", grinste Rechtsaußen Julio Quaresma später.

Der Anschluss fiel in der 60. Minute: Alfie Marley, zuvor glücklos mit drei Abschlüssen, traf nach feinem Zuspiel von Haswell zum 1:2. Das Stadion erwachte, die Fans sangen, als könnten sie die Uhr zurückdrehen. Und tatsächlich - elf Minuten später war der Ausgleich perfekt. Marc Muster, der Name war Programm, drückte den Ball nach einem Chaos im Strafraum über die Linie.

Die Gunners, von Trainer Boris Bach noch in der Halbzeit für ihre "kontrollierte Balance" gelobt, wirkten plötzlich fahrig. "Wir haben aufgehört zu spielen, als wäre das Spiel schon vorbei", knurrte Bach nach dem Abpfiff. "Und Southampton hat das gerochen."

Die Saints hatten jetzt Blut geleckt - im übertragenen Sinne, versteht sich. In der 84. Minute war es wieder Marc Muster, der nach einer butterweichen Flanke von Quaresma mit einem wuchtigen Kopfball vollendete. 3:2. Das Stadion explodierte. Ein Ordner fiel einem Fan in die Arme, und Trainer Maida rannte die Seitenlinie entlang, als wolle er selbst noch einwechseln.

"Ich hab’s gespürt, schon bevor der Ball kam", sagte Torschütze Muster später lachend. "Julio hat mir zugerufen: ’Mach dich groß!’ - Ich hab gedacht: ’Wie denn noch größer?’ - und dann war der Ball im Netz."

London versuchte zwar, noch einmal zurückzuschlagen, doch Southamptons Abwehr, angeführt vom eingewechselten Juan Verdasco, hielt stand. Torwart Ernesto Aznar wurde in den Schlussminuten kaum mehr geprüft - die Gäste hatten keine Kraft und keine Idee mehr.

Statistisch gesehen war das Spiel ein Paradoxon: Die Gunners mit mehr Ballbesitz, Southampton jedoch mit 13 Torschüssen gegenüber nur vier der Londoner. Eine Lehrstunde in Sachen Effizienz und Leidenschaft.

Raine Maida fasste es trocken zusammen: "In der ersten Halbzeit haben wir Fußball gespielt, um nicht zu verlieren. In der zweiten, um zu gewinnen. Das ist ein feiner Unterschied - aber ein entscheidender."

Und während die Londoner enttäuscht die Köpfe hängen ließen, feierten die Saints mit ihren Fans, als hätten sie gerade den Abstieg vermieden - oder den Titel gewonnen, je nach Perspektive.

Ein kleiner Junge auf der Tribüne fasste es vielleicht am besten zusammen, als er seinem Vater zurief: "Papa, warum haben sie das nicht gleich so gespielt?" Der Vater antwortete nur: "Weil Fußball manchmal erst wehtun muss, bevor er schön wird."

Ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst - nicht in Southampton, und vermutlich auch nicht in London.

25.05.643987 04:00
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Rehhagel geht mit Goethe ins Bett, ich mit meiner Frau.
Friedel Rausch
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