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Es war ein dieser englischen Winterabende, an denen der Nebel über Turf Moor hängt, die Pies dampfen und der Fußball eher nach Arbeit als nach Kunst aussieht. 34.366 Zuschauer hatten sich am 12. Spieltag der 1. Liga England eingefunden, um zu sehen, ob die jungen Burnley Clarets dem Favoriten aus Newcastle ein Bein stellen könnten. Fast hätten sie es geschafft - fast. Doch dann kam Rhys Simpson. 88. Minute, das Spiel roch schon nach einem torlosen Unentschieden, als Alberto Rocha im Mittelfeld den Ball elegant behauptete. Ein flinker Pass in die Gasse, ein kurzer Antritt von Simpson - und ehe Burnleys Torwart Silvestre Antonio "ups" sagen konnte, zappelte der Ball im Netz. Ein typischer Simpson: eiskalt, unaufgeregt, entscheidend. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der 28‑jährige Stürmer nach Abpfiff. "So spät zu treffen - das ist wie den letzten Keks aus der Dose zu erwischen." Bis dahin hatte Newcastle dominiert, aber nicht vollendet. 20 Schüsse aufs Tor, 52,7 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die eigentlich ein klares Ergebnis erwarten ließen. Doch Burnleys Defensive hielt stand, verteidigte mit Herz und gelegentlich auch mit Verzweiflung. Trainer Jan Reckert hatte seine junge Elf - das Durchschnittsalter war kaum über 20 - diszipliniert eingestellt. "Wir wollten kompakt stehen und die Räume eng machen", erklärte der Coach. "Leider war der Raum in Minute 88 dann wohl doch zu weit offen." Die Geordies ihrerseits spielten von Beginn an offensiv, fast übermotiviert. Schon in den ersten Viertelstunden feuerte Rhys Simpson gleich mehrfach aufs Tor, ebenso seine Kollegen Vicente Futre, Franck Baier und Martin Suero. Der Ball flog, nur das Netz blieb unberührt. Burnleys Keeper Antonio hatte einen dieser Abende, an denen Torhüter plötzlich zu Spiderman werden. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", sagte er lachend. "Aber ich glaube, ich hatte mehr Ballkontakte als unsere Stürmer." In der 24. Minute durften dann auch die Clarets mal schnuppern: Gabriel Lineback, der 18‑jährige Mittelfeldspieler, prüfte Newcastles Schlussmann Stephane Beyince mit einem wuchtigen Schuss aus der Distanz - der einzige Schuss aufs Tor der Gastgeber an diesem Abend. Der Ball zischte, das Publikum hielt den Atem an, doch Beyince lenkte ihn mit den Fingerspitzen über die Latte. Danach war wieder Geordie‑Dauerfeuer angesagt. Newcastle‑Trainer Konstantin Ratai blieb an der Seitenlinie erstaunlich ruhig. "Wir spielen das runter, Jungs", rief er in der 70. Minute, als wieder einmal eine Großchance vergeben wurde. Er sollte recht behalten - irgendwann fiel das Tor ja doch. Seine taktische Idee, durch Kurzpassspiel und geduldiges Aufrücken Burnley müde zu laufen, ging am Ende auf. Die Einwechslung von Alberto Rocha in der 69. Minute erwies sich als goldrichtig: Er war es, der den entscheidenden Pass auf Simpson spielte. Bei Burnley hingegen saß der Frust tief. Youngster Freddie Whitman, gerade einmal 17, schüttelte nach Abpfiff den Kopf: "Wir haben alles reingeworfen. Aber wenn du 89 Minuten läufst und dann so einen reinbekommst, willst du am liebsten in den Rasen beißen." Trainer Reckert tröstete seine Jungs in der Kabine: "Wenn wir so weiterarbeiten, holen wir die Punkte woanders. Vielleicht sogar mit mehr als einem Schuss aufs Tor." Newcastle‑Kapitän Frederic McLeod fasste es dagegen pragmatisch zusammen: "Manchmal musst du einfach Geduld haben. Und Glück. Heute hatten wir beides - und Burnley Pech." So endete ein Spiel, das weniger an ein Feuerwerk erinnerte als an einen hart erkämpften Arbeitssieg. Die Statistik wird es als klare Angelegenheit ausweisen, doch auf dem Rasen war es ein zähes Ringen, ein Geduldsspiel zwischen jugendlichem Eifer und abgezockter Routine. Zum Schluss applaudierten selbst die Heimfans - vielleicht aus Respekt, vielleicht aus Erleichterung, dass es endlich vorbei war. Und während Simpson mit einem breiten Grinsen in den Mannschaftsbus stieg, sagte ein älterer Zuschauer auf der Tribüne: "Wenn du 20‑mal schießt und nur einmal triffst, war’s wenigstens der richtige." Ein Abend, der wieder einmal zeigte: Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Aber manchmal reicht ein einziger Treffer, um den Nebel zu vertreiben. 26.05.643987 12:04 |
Sprücheklopfer
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