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SC Verl schreibt Fußballgeschichte - Last-Minute-Wahnsinn in Kopenhagen

Manchmal schreibt der Fußball Drehbücher, die selbst Hollywood nie akzeptieren würde, weil sie "zu unrealistisch" klingen. Doch was sich am Mittwochabend vor 79.500 Zuschauern in der Brøndby Arena abspielte, war pure Dramatik: Der SC Verl drehte das Conference-League-Finale gegen Bröndby Kopenhagen nach 1:2-Rückstand noch in ein 3:2 und stemmte als Underdog den Pokal in den dänischen Nachthimmel.

Die Gastgeber legten los wie die Feuerwehr. Schon in der 8. Minute klingelte es: Gerd Damgaard, der sich offenbar vorgenommen hatte, Dänemarks Antwort auf Erling Haaland zu werden, vollendete nach feinem Zuspiel von Viktor Bonde zum 1:0. "Der Ball war so schön, da musste ich einfach Ja sagen", grinste Damgaard später, während er noch den Rasen aus den Stollen klopfte.

Bröndby blieb giftig, angetrieben vom lauten Publikum und Coach Harald Burnat, der an der Seitenlinie permanent zwischen Yoga-Atmung und Wutanfall schwankte. In der 31. Minute war es wieder Damgaard, diesmal nach Vorlage von Linksverteidiger Torvald Mathiesen, der zum 2:0 erhöhte. Das Stadion vibrierte, und manch dänischer Fan suchte schon nach Champagner - zu früh, wie sich zeigen sollte.

Denn kurz vor der Pause meldete sich der SC Verl zum ersten Mal wirklich an. Sascha Kirsch, der rechte Flügelflitzer mit der Frisur eines 90er-Jahre-Popstars, traf in der 39. Minute nach Pass von Morgan Perlman zum 1:2. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du nicht schießt, triffst du nicht - das ist Fußballmathematik", sagte Kirsch mit einem Augenzwinkern. Trainer Big Bang (ja, das ist wirklich sein Name) klatschte wild in die Hände und brüllte: "Jetzt geht’s los, Männer!" - und er sollte recht behalten.

Nach dem Seitenwechsel kam Verl mit offenem Visier und einer gehörigen Portion Trotz aus der Kabine. Die Zahlen belegten es: 56 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse - exakt so viele wie die Dänen. Doch während Bröndby zunehmend mit der eigenen Courage rang, blieb Verl eiskalt. In der 56. Minute schlug Morgan Perlman zurück - diesmal selbst als Torschütze. Nach Vorarbeit von Linksverteidiger Nils Wegener hämmerte er den Ball aus 18 Metern unter die Latte. 2:2, und plötzlich war das Spiel wieder offen.

Die Gesichter auf der Bröndby-Bank wurden länger, Burnat gestikulierte hektisch, als wolle er ein Flugzeug einweisen. "Wir haben zu früh auf Verwaltung geschaltet", gestand er später. "Und Verl hat einfach weitergemacht, als wäre das hier ein Freundschaftsspiel im Park."

Die letzten Minuten waren ein Nervenkrieg. Chancen hüben wie drüben, Gelbe Karten für alle, die nicht bei drei im Mittelkreis standen - Tobias Franke auf Verler Seite (73.) und Mathiesen bei Bröndby (87.) sahen den Karton. Der dänische Mittelstürmer Halvor Kjargaard köpfte in der 84. Minute knapp vorbei, und man spürte: Hier liegt was in der Luft.

Und dann kam die 91. Minute. Ecke Verl, der Ball trudelt irgendwie durch den Strafraum, und plötzlich steht Rechtsverteidiger Alexandre Van den Branden da, wo eigentlich niemand stehen sollte - und schiebt eiskalt ein. 3:2! Die Verler Ersatzbank stürmte aufs Feld, Big Bang riss den Himmel auf mit einem Urschrei, während Burnat mit leerem Blick Richtung Anzeigetafel starrte. "Ich dachte, das sei ein Witz", murmelte Bröndbys Torhüter Kim Svendsen später. "Aber der Schiedsrichter lachte nicht."

Als der Abpfiff ertönte, fiel der Außenseiter aus Ostwestfalen übereinander her wie eine Schulklasse nach bestandener Matheprüfung. 79.500 Zuschauer erhoben sich, viele applaudierten sogar anerkennend. Verl hatte sich den Sieg nicht gestohlen, sondern erkämpft - mit Mut, Pressing und einer Prise Wahnsinn.

Coach Big Bang, noch immer heiser, brachte es in der Pressekonferenz auf den Punkt: "Wir sind nicht hierhergekommen, um dänische Hotdogs zu essen. Wir wollten Geschichte schreiben - und das haben wir."

Und während Bröndby trauerte, tanzte Verl in den Katakomben. Angeblich stimmte Sascha Kirsch ein spontanes Lied an - sinngemäß über Wunder und Fußball - aber das bleibt wohl ein Geheimnis der Kabine.

Ein bitteres Ende für Kopenhagen, ein Märchen für Verl. Und irgendwo zwischen Euphorie und Erschöpfung dürften sich die Ostwestfalen heute Morgen gefragt haben: War das alles echt? Ja, verdammt - und wie.

25.04.643990 12:30
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