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SC Verl schießt sich mit Wucht ins Viertelfinale

Verl - Es war ein frostiger Januarabend, aber im Stadion brodelte es wie in einer Espressomaschine ohne Sicherheitsventil. 47.855 Zuschauer sahen, wie der SC Verl den favorisierten Westfalia Herne mit 3:1 (2:1) aus dem Achtelfinale der Conference League kegelte - und das mit einer Mischung aus Wucht, Witz und, sagen wir, westfälischer Beharrlichkeit.

Trainer Big Bang - ja, der Mann heißt wirklich so - kam nach Abpfiff mit einem zufriedenen Grinsen zur Pressekonferenz. "Wir wollten offensiv spielen, und wenn man offensiv spielt, kann man Tore schießen. Überraschung!", sagte er trocken. Seine Elf hielt Wort.

Schon nach 16 Minuten zappelte der Ball erstmals im Netz: Sascha Kirsch, der Rechtsaußen mit dem Schuss wie ein Vorschlaghammer, traf nach schöner Vorarbeit von Tobias Franke. Kaum hatten die Fans ihren Jubel-Schluck aus dem Pappbecher genommen, erhöhte Volker Baur in der 21. Minute nach - wieder auf Vorlage von Franke. Herne wirkte in dieser Phase wie ein Boxer, der seine Deckung vergessen hatte.

Doch Westfalia wäre nicht Westfalia, wenn sie nicht wenigstens einmal zurückschlagen würden. In der 35. Minute brachte Andres Figo - nein, keine Verwandtschaft mit dem berühmten Namensvetter, aber fast so trickreich - den Ball nach Zuspiel von Sergej Smertin unter. "Da waren wir kurz im Tiefschlaf", gab SC-Verteidiger Alexandre Van den Branden später zu. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen. War er aber nicht. Blöd."

Herne hatte über das ganze Spiel hinweg mehr Ballbesitz (55,7 Prozent) und versuchte mit 7 Torschüssen, irgendwie die Verl-Defensive zu knacken. Doch Torhüter Jacob Mayer, gerade einmal 19 Jahre jung, hielt, was zu halten war - und manchmal auch das, was eigentlich unhaltbar war. "Der Junge hat Hände wie Klettverschluss", schwärmte Coach Bang, während Mayer verschämt in seinen Torwarthandschuh biss.

Nach der Pause kam Herne mit Schwung zurück, doch der SC Verl blieb kaltschnäuzig. In der 68. Minute war wieder Kirsch zur Stelle und machte mit seinem zweiten Treffer den Deckel drauf. Der Jubel im Stadion war so laut, dass man in Gütersloh vermutlich dachte, die Feuerwehrsirenen seien losgegangen.

Herne-Trainer Jayden Sabo wirkte nach dem Spiel gefasst, aber sichtlich enttäuscht: "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle - aber Verl hatte einfach mehr Tore. Das ist leider immer noch das Kriterium." Ein Satz, den man sich auch an die Kabinentür nageln könnte.

Die Gelbe Karte für Ezequiel Meira in der siebten Minute schien symptomatisch für Hernes Abend: zu früh, zu ungestüm, zu erfolglos. Auch die späten Versuche von Smertin (85. und 86. Minute) blieben ohne Happy End. Verl dagegen spielte die letzten Minuten souverän herunter, wechselte noch ein paar Frischlinge ein - Mike Frei, Johann Naumann und Javier Domingos bekamen in der 87. Minute ihre Bühne - und ließ sich feiern.

Statistisch gesehen war es kein Spiel für Ästheten: Verl hatte nur 44,3 Prozent Ballbesitz, aber 11 Torschüsse - also mehr Effizienz als eine Schweizer Uhr. Herne durfte zwar länger den Ball streicheln, fand aber selten den Weg durch die entschlossene Verl-Abwehr.

"Wir haben einfach gekämpft, gerannt und gebrüllt", sagte Doppeltorschütze Kirsch, dem man die 90 Minuten noch in den Waden ansah. "Und dann fliegt so ein Ding halt rein. Oder zwei."

Taktisch blieb der SC Verl, wie schon in den letzten Wochen, seiner offensiven Linie treu. Kein Pressing, aber viel Vorwärtsdrang - quasi kontrollierte Anarchie. Herne dagegen drückte in der Schlussphase mit vollem Pressing, fand aber nur noch Platz im eigenen Frustprotokoll.

Als der Schlusspfiff ertönte, breitete sich auf den Rängen eine Euphorie aus, die man sonst nur von Jahrmärkten kennt, wenn jemand den Hauptpreis gewinnt. Big Bang hob kurz beide Arme, drehte sich zur Tribüne und murmelte: "Das war’s. Viertelfinale, baby."

Ein älterer Fan auf der Haupttribüne fasste es beim Hinausgehen so zusammen: "Verl spielt nicht schön, aber schön erfolgreich." Und schöner lässt sich Fußball manchmal wirklich nicht erklären.

Mit diesem 3:1 zieht der SC Verl verdient ins Viertelfinale der Conference League ein. Westfalia Herne bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz zwar beruhigt, aber keine Tore schießt.

Oder, wie Big Bang schmunzelnd meinte, bevor er in den Kabinentrakt verschwand: "Manchmal ist weniger Ball mehr Fußball."

23.10.643987 22:28
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Ich habe immer gesagt, mich interessiert nicht, wer spielt. Hauptsache ich spiele.
Mario Basler
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