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Wer am Freitagabend ins mit 79.500 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllte Norderstedter Stadion kam, bekam für sein Eintrittsgeld mehr geboten, als er vermutlich erwartet hatte. Vier Tore, ein wütender französischer Trainer, eine Gelbe Karte in der Nachspielzeit - und ein SC Norderstedt, der nach zähem Beginn plötzlich spielte, als hätte er heimlich Koffein in die Halbzeitansprache gerührt. Dabei begann alles ganz anders. Troyes AC, die Gäste aus Frankreich, starteten mutig, beinahe frech. Schon in der zweiten Minute prüfte Mikael Karlsson den Norderstedter Keeper Larry Oudekirk mit einem satten Schuss. Noch zweimal zeigte Karlsson in der Anfangsphase, dass er Lust auf Tore hatte - allerdings blieb es beim Lustprinzip. Der Ballbesitz sprach zwar leicht für die Hausherren (55 zu 45 Prozent), doch die klareren Aktionen hatte zunächst Troyes. In der 43. Minute wurde der Druck belohnt: Jordi Eusebio, der rechte Mittelfeldmotor der Gäste, traf nach Zuspiel von Karlsson zum 0:1. Das französische Lager jubelte, während SC-Coach Andre Marsmann nur kurz an seinem Notizblock kaute und dann in die Kabine stapfte. "Ich habe den Jungs gesagt: ’Wenn ihr schon den Bus vor dem Tor parkt, dann bitte mit laufendem Motor’", schmunzelte Marsmann später. Was auch immer in dieser Kabine geschah - es hatte Wirkung. Nur sieben Minuten nach Wiederanpfiff setzte Serge Henderson zu einem dieser butterweichen Flankenläufe an, die man in Norderstedt künftig wohl patentieren lassen will. Filip Lindström stieg hoch, köpfte ein, 1:1. Das Publikum war plötzlich wach, der Stadionsprecher überschlug sich, und Troyes wirkte, als hätte jemand den Stecker gezogen. Ab hier dominierte der SC Norderstedt das Geschehen. Sedat Sismanoglu, der unermüdliche Antreiber auf links, belohnte sich in der 69. Minute selbst. Nach einem Eckball von Marc Savard stand er goldrichtig und drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie - 2:1. "Ich hab’ das Tor gerochen", grinste Sismanoglu später. Troyes-Coach Aussen Rist reagierte hektisch, brachte frische Kräfte, wechselte sogar den Innenverteidiger Maarten Dehooge aus, um mehr Offensivkraft zu generieren. Doch es half nichts. In der Schlussphase brach Norderstedt endgültig los wie ein verspäteter Wirbelsturm. Hans Vanderveer, der Niederländer mit der Schusskraft eines Presslufthammers, sorgte in der 88. Minute für das 3:1 - Sismanoglu hatte wieder einmal vorbereitet. "Ich hab’ nur gesehen, dass Sedat mit den Augen gezwinkert hat. Da wusste ich: jetzt kommt die Kugel", lachte Vanderveer nach dem Spiel. Eine Minute später wiederholte sich das Schauspiel fast identisch - 89. Minute, wieder Vanderveer, wieder Vorarbeit von Sismanoglu, 4:1. Der Rest war Jubel, Pyrotechnik und ein französischer Trainer, der die Werbebande trat. "Fußball ist manchmal grausam", murmelte Troyes’ Coach Rist später in die Mikrofone. "Wir hatten das Spiel im Griff - bis wir es verloren haben." Tatsächlich: neun Torschüsse der Gäste, acht der Hausherren - die Statistik hätte ein engeres Ergebnis vermuten lassen. Doch während Troyes’ Chancen auf wundersame Weise regelmäßig in den Armen von Oudekirk landeten, verwandelte Norderstedt jeden Angriff in pure Effizienz. Einziger Wermutstropfen für die Gastgeber: In der 92. Minute sah Innenverteidiger Marc Savard noch Gelb, nachdem er Greger Dahlin etwas zu temperamentvoll an die Seitenlinie "begleitet" hatte. Savard nahm’s locker: "Ich wollte nur sicherstellen, dass er unsere Werbebanden auch mal von Nahem sieht." Trainer Marsmann fasste den Abend trocken zusammen: "In der ersten Halbzeit waren wir höfliche Gastgeber, in der zweiten Halbzeit nicht mehr." Und das Publikum feierte, als hätte der SC Norderstedt gerade den Henkelpott geholt. Ob das 4:1 schon das Ticket fürs Viertelfinale bedeutet? Noch nicht. Aber es riecht verdächtig danach - und wer den SC an diesem Abend gesehen hat, weiß: Dieser Geruch ist nicht nur von der Stadionbratwurst. 11.10.643987 10:58 |
Sprücheklopfer
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport und nichts für Tunten.
Axel Kruse nach einer roten Karte