Tuttosport
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SC Genua dreht das Spiel - Lecce geht unter im ligurischen Regen

Es war ein nasskalter Montagabend in Genua, wie ihn wohl nur echte Fußballromantiker genießen können. 27.766 Zuschauer drängten sich trotz Regen und Winterluft ins altehrwürdige Stadio Luigi Ferraris - und sie wurden belohnt: Der SC Genua besiegte UD Lecce mit 3:1 (1:1) und zeigte dabei, dass Leidenschaft manchmal mehr zählt als Ballbesitzstatistik.

Lecce begann furios, als wolle man die Reise ans Meer möglichst schnell mit Punkten veredeln. Bereits in der 12. Minute zappelte der Ball im Netz der Gastgeber: Gianluigi Lorenzo schlenzte das Leder nach feiner Vorarbeit von Fabio Meloni präzise ins rechte Eck - Torwart Jerome Lujan streckte sich vergeblich. "Ich hab’ den Ball kommen sehen, aber er kam zu schön", knurrte Lujan später und klopfte sich grinsend auf die Handschuhe.

Genua wirkte kurz geschockt, aber nicht geschlagen. Trainer Gerald Göppner rief von der Seitenlinie: "Bleibt ruhig, Jungs - Lecce ist auch nur ein Verein!" Und tatsächlich: Mit zunehmender Spieldauer fand Genua ins Spiel. In der 39. Minute fiel der Ausgleich - William Depoorter, der belgische Flügelflitzer mit der Frisur eines Rockstars, zog nach Zuspiel von Joel Mayhew von links nach innen und traf trocken ins lange Eck. Ein Tor aus dem Lehrbuch. "Ich hab einfach abgezogen, bevor ich wieder nachdenken konnte", lachte Depoorter nach dem Spiel.

Mit 1:1 ging es in die Kabinen, wo Göppner offenbar die richtigen Worte fand. "Ich hab gesagt, sie sollen sich vorstellen, Lecce wäre Juventus. Das hat gereicht", verriet er schmunzelnd.

Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da drehte sich das Spiel komplett. In der 50. Minute war es Juergen Binder, der nach einer Balleroberung von Vicente Dominguez im Mittelfeld beherzt durchstartete und aus 20 Metern abzog. Der Ball schlug flach im linken Eck ein - 2:1 für Genua! Lecce wirkte nun verunsichert, obwohl sie mit 52 Prozent Ballbesitz das Geschehen statistisch in der Hand hatten. Doch Ballbesitz ist nun mal kein Garant für Glück - besonders nicht, wenn der Gegner plötzlich an sich glaubt.

In Minute 71 wurde es hitzig: Gustav Therkildsen von Lecce sah Gelb, nachdem er Francisco Gallego an der Außenlinie unsanft zu Boden schickte. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte er sich später mit einem breiten Grinsen - "aber der Ball war wohl schon weg."

Nur eine Minute später rächte sich das Ganze sportlich. Gallego rappelte sich auf, lief sich frei, bekam einen feinen Pass von Depoorter - und schob lässig zum 3:1 ein. Das Stadion tobte, und Göppner ballte an der Seitenlinie die Fäuste. "Francisco ist jung, aber eiskalt vorm Tor", lobte der Coach später.

Lecce versuchte es noch, hatte durch Maida und Soveria Simeri zwei ordentliche Chancen (53. und 57.), doch Lujan hielt, was zu halten war. Stattdessen sammelte Genua Gelbe Karten: Mormanno (75.) und Bellegarde (80.) sahen den Karton, was Göppner trocken kommentierte: "Zwei dumme Fouls, aber wenigstens mit Stil."

Statistisch betrachtet war das Spiel ausgeglichen - 13 Torschüsse für Genua, 12 für Lecce, fast identische Zweikampfquoten. Doch im entscheidenden Moment war die Heimelf einfach wacher, gieriger, entschlossener. Lecce-Trainer - der Name wurde vom Verein nicht genannt, wohl um seine Schonzeit zu verlängern - stapfte nach Abpfiff mit gesenktem Kopf in die Kabine. "Wir haben ein ordentliches Spiel gemacht, aber Tore schießen ist wichtiger als Ästhetik", murmelte Gianluigi Lorenzo noch, bevor er im Tunnel verschwand.

Genua feierte den zweiten Heimsieg in Folge und kletterte damit in der Tabelle der 2. Liga Italien weiter nach oben. Die Fans sangen im Regen, Göppner lachte in die Kameras, und Depoorter verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern: "Wenn’s so weitergeht, hol ich mir noch einen Regenschirm-Sponsor."

Am Ende blieb die Erkenntnis eines Abends, der alles bot: frühe Hoffnung für Lecce, späte Genueser Genugtuung und dazwischen jede Menge Kampfgeist. Und irgendwo zwischen den Pfützen auf dem Rasen dürfte Gerald Göppner gedacht haben: So schmeckt Fußball - ein bisschen dreckig, aber unvergesslich.

06.03.643987 10:07
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Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
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