Sport-Blick
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SC Chiasso tanzt Oberwallis schwindlig - ein 3:0 mit Stil und Spott

Ein klarer Winterabend, 20:30 Uhr, Flutlicht über dem Stadion von Chiasso, und fast 49.000 Zuschauer, die sich bei minus zwei Grad die Hände warm klatschten. Was sie zu sehen bekamen, war kein frostiges 0:0-Geschiebe, sondern ein SC Chiasso, der den FC Oberwallis mit 3:0 nach Hause schickte - und das mit einer Leichtigkeit, die selbst Trainer Heiko Vogel nach Schlusspfiff ein Grinsen entlockte: "Wir wollten eigentlich nur den Ball laufen lassen. Dass der dann dreimal im Netz landet, war ein netter Nebeneffekt."

Von der ersten Minute an war klar: Chiasso wollte. Offensiv ausgerichtet, auf schnellen Flügelspiel ausgelegt, ein Pressing, das anfangs noch höflich wirkte, aber spätestens nach Louis Erdmanns Treffer in der 11. Minute zur Waffe wurde. Erdmann, der Mittelstürmer mit der Statur eines Abwehrturms, nahm eine butterweiche Hereingabe von Kyriakos Galitsios direkt - und ließ Oberwallis-Keeper Grigorios Christopoulos keine Chance. Galitsios grinste danach in Richtung Trainerbank: "Das war so gewollt - ich sag’s nur, falls einer glaubt, das war Zufall."

Oberwallis, in der Defensive eher auf Konter programmiert, reagierte mit einem Plan B, der in etwa so durchdacht war wie ein Regenschirm im Sturm. Statt zu kontern, vertendelten sie den Ball im Aufbau, und in der 20. Minute schlug Chiasso wieder zu: Rechtsaußen Isaac Millington zog nach einem weiten Pass von Innenverteidiger Bruno Runge in den Strafraum und nagelte den Ball ins lange Eck. 2:0 - und die Partie war im Prinzip entschieden.

"Wir wollten nach der Pause das Pressing anziehen", erklärte Gästecoach Snore Laken später, dessen Name an diesem Abend Programm war. Seine Mannschaft wirkte, als hätte sie die Halbzeit in der Teestube verbracht. Zwar brachte er mit Jan Hamsik und dem jungen Torhüter Niccolo Venier frischen Wind - aber der blieb ein laues Lüftchen.

Chiasso kontrollierte das Spiel mit 51,5 Prozent Ballbesitz, 16 Schüssen aufs Tor und einer Tackling-Quote, die so robust war, dass selbst die Zuschauer auf der Tribüne zusammenzuckten. Oberwallis dagegen brachte es auf drei Torschüsse - drei! - und zwei Gelbe Karten, die mehr aus Verzweiflung als aus Härte entstanden.

Ein kurzer Moment der Spannung kam in Minute 34, als Pedro Beto für Oberwallis aus der Distanz abzog. Torhüter Andre Abati fischte den Ball jedoch mit einer Hand aus dem Eck, als wolle er sagen: "Nicht heute, mein Freund." Danach wieder das gewohnte Bild - Chiasso drückte, Oberwallis duckte sich.

In der 76. Minute setzte Fernando Carvalho den Schlusspunkt, nach feinem Zuspiel von - natürlich - Christiano Ronaldo. Nein, nicht *der* Ronaldo, sondern der 27-jährige Mittelfeldstratege aus Porto, der seinem prominenten Namensvetter zumindest in Sachen Übersicht in nichts nachstand. Carvalho schlenzte den Ball über den herausstürzenden Keeper - 3:0. Das Stadion tobte, und Trainer Vogel klatschte demonstrativ in Richtung Gästebank.

"Wir haben’s versucht, ehrlich", murmelte Snore Laken nach dem Spiel in die Mikrofone. "Aber Chiasso war heute einfach... mehr." Mehr Tempo, mehr Ideen, mehr Spaß am Spiel. Und während seine Spieler mit gesenktem Kopf vom Platz schlichen, scherzte Louis Erdmann mit Reportern über seinen Treffer: "Ich wollte eigentlich flanken, aber dann hab ich’s mir anders überlegt. War wohl die richtige Entscheidung."

Auch Gelbe Karten gehörten zum Unterhaltungsprogramm: Bruno Runge (37.), Galitsios (55.) und der 17-jährige Ricardo Rodriguez (60.) holten sich jeweils eine ab - vermutlich, um zu zeigen, dass man auch mal zupacken kann. Auf der Gegenseite sahen Mariusz Nawalka (10.) und später Kamil Wojciechowski (82.) Gelb, letzterer allerdings so spät, dass es eigentlich keine Rolle mehr spielte.

Taktisch war es ein Abend, an dem Theorie und Praxis weit auseinanderlagen: Während Oberwallis in der Defensive fast stoisch verharrte, kombinierte Chiasso mit offensiver Flügelgewalt, als gäbe es kein Morgen. "Wir haben uns vorgenommen, über außen Druck zu machen", erklärte Vogel. "Wenn man Flügel hat, soll man auch fliegen."

Als der Schlusspfiff ertönte, blieb das Gefühl, dass Chiasso an diesem 14. Spieltag der 1. Liga Schweiz nicht nur drei Punkte, sondern auch ein Ausrufezeichen gesetzt hatte. Und irgendwo in der Kabine summte jemand: "So spielt man Fußball."

Am Ende verabschiedete sich Vogel mit einem Augenzwinkern: "Nächste Woche wird’s sicher schwerer - wir spielen ja wieder auswärts." Wenn seine Mannschaft diesen Schwung mitnimmt, dürfte das für die Gegner eine Drohung sein. Für die Fans von Chiasso war es jedenfalls ein frostiger Abend mit warmem Herzen - und drei Toren zum Aufwärmen.

18.06.643987 14:20
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