Sport-Blick
+++ Sportzeitung für Schweiz +++

SC Chiasso dreht wildes Spektakel - Delemont verliert 2:4

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob man gerade ein Fußballspiel oder einen Actionfilm gesehen hat. 40.000 Zuschauer im Stade Delemont bekamen beim 2:4 (2:2) gegen den SC Chiasso jedenfalls alles geboten: Tore im Fünf-Minuten-Takt, Karten in allen Farben und Emotionen, die man sonst eher auf Jahrmärkten vermutet.

Schon nach einer Viertelstunde bebte die Tribüne. Laurent Rothe, der Mann fürs Feine im Mittelfeld, zog nach Vorarbeit von Rikki Vedder aus 20 Metern ab - und der Ball zischte so präzise ins Eck, dass Chiassos Keeper Joseph Bridges nur noch höflich applaudieren konnte. "Ich hab’s versucht, ehrlich", murmelte Bridges später mit einem halben Lächeln.

Doch nur drei Minuten später schlug Chiasso zurück. Kyriakos Galitsios, der griechische Motor im Zentrum, traf nach Vorlage von Alejandro Poncela zum 1:1. Delemonts Trainerin Lena-Marie Temmel war da noch gelassen: "Wenn’s so weitergeht, wird’s ein schöner Abend - für die Neutralen zumindest." Und sie sollte recht behalten.

In der 27. Minute drehte Carlo Cetraro das Spiel zugunsten der Gäste - wieder nach Assist von Poncela, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, sämtliche Delemont-Abwehrspieler persönlich zu beschäftigen. Doch Delemont antwortete prompt: Linksaußen Benjamin Besson schob nach feinem Zuspiel von Linksverteidiger Lars Ring zum 2:2 ein (34.). Die erste Halbzeit endete so turbulent, dass selbst der Stadionsprecher kurz die Übersicht verlor.

Nach der Pause schien es zunächst, als hätten beide Teams ihre Energie beim Pausenbuffet gelassen. Delemont hatte mehr Ballbesitz (55 Prozent), schob den Ball gefällig durch die eigenen Reihen, während Chiasso lauerte - und dann eiskalt zustach. In der 67. Minute verwandelte Poncela nach Vorlage von Rechtsverteidiger Xavi Gonzalez zum 2:3. Da sah man sogar Coach Heiko Vogel die Faust ballen - ein eher seltener Anblick beim sonst so stoischen Deutschen. "Wir wollten über die Flügel kommen - das hat perfekt funktioniert", grinste er später und zwinkerte in Richtung Poncela.

Nur drei Minuten später machte Louis Erdmann den Deckel drauf: Kopfball nach Ecke, 2:4. Der Jubel der rund 500 mitgereisten Chiasso-Fans war ohrenbetäubend. Erdmann erklärte nach dem Spiel mit einem Grinsen: "Ich hab einfach die Augen zugemacht. Hat funktioniert."

Delemont hingegen wirkte in der Schlussphase ratlos. Zwar schossen sie insgesamt 11-mal aufs Tor (Chiasso 15-mal), aber die Präzision blieb auf der Strecke. Rikki Vedder versuchte es gleich mehrfach, scheiterte aber an Bridges oder an der eigenen Nervenstärke. "Wenn du dreimal aufs Tor zielst und alle drei Bälle beim Würstchenverkäufer landen, weißt du: Heute ist nicht dein Tag", sagte er mit einem Achselzucken.

Und dann, kurz vor Schluss, wurde es noch einmal dramatisch. Chiassos Verteidiger Xavi Gonzalez sah in der 91. Minute glatt Rot nach einem rustikalen Einsteigen gegen den eingewechselten Hugo Zabaleta. Vogel nahm’s gelassen: "Xavi hat’s ein bisschen zu gut gemeint mit dem Körpereinsatz. Aber lieber zu viel Herz als gar keines."

Statistisch hatte Delemont zwar Vorteile im Ballbesitz und im Passspiel, doch Chiasso war schlicht effizienter, zielstrebiger - und vielleicht auch ein wenig frecher. Während Delemont in der Taktik brav "ausgewogen" blieb, ging Chiasso von Beginn an offensiv über die Flügel - und wurde dafür belohnt.

Nach dem Schlusspfiff standen die Delemont-Spieler lange auf dem Rasen, schauten in die leuchtenden Ränge. Trainerin Temmel fasste es trocken zusammen: "Wir haben schön gespielt, aber leider nicht clever. Und clever gewinnt nun mal in dieser Liga."

Heiko Vogel hingegen gönnte sich ein Lächeln und eine Cola am Spielfeldrand. "Ich mag Spiele, bei denen selbst der Schiedsrichter hinterher sagt: ’Puh’."

So bleibt SC Chiasso nach drei Spieltagen die Überraschung der Saison - und Delemont? Die müssen sich fragen, wie man mit mehr Ballbesitz, mehr Anläufen und eigentlich gutem Fußball trotzdem vier Dinger kassiert. Ein Fußballabend, wie ihn Drehbuchautoren lieben: laut, wild, ungerecht - und einfach herrlich unterhaltsam.

Oder, wie ein Fan beim Rausgehen sagte: "Für so was zahlt man gern Eintritt - aber bitte nächstes Mal mit Happy End für uns."

22.06.643990 06:38
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Was meine Frisur betrifft, da bin ich Realist.
Rudi Völler
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager