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SC Chiasso dreht das Spiel - Erdmann schießt Genclerbirligi ab

Was für ein Abend im Stadio Comunale! 59.000 Zuschauer erlebten ein Fußballspiel, das zunächst nach einem türkischen Triumph roch, dann aber in eine rot-blaue Gala mündete. Der SC Chiasso gewann in der Champions-League-Gruppenrunde mit 3:1 gegen Genclerbirligi - dank eines Mannes, der offenbar beschlossen hatte, das Rückspiel schon in der zweiten Halbzeit zu spielen: Louis Erdmann.

Dabei sah es lange nicht nach einem Fest für die Schweizer aus. Nach 30 Minuten stand es 0:1 - Taylor MacQuarrie hatte nach Vorarbeit von Vassilios Vryzas trocken vollendet. Trainer Abdullah Avci ballte an der Seitenlinie die Faust, während Chiasso-Coach Heiko Vogel mit versteinertem Gesicht an seiner Wasserflasche nippte. "Wir haben uns in der ersten Halbzeit selbst das Leben schwer gemacht", sagte Vogel später, "wir liefen zu viel hinterher, als wären wir Statisten in einem türkischen Werbespot."

Und tatsächlich: Genclerbirligi hatte mehr vom Ball (55 Prozent), ließ ihn gut laufen, und MacQuarrie durfte schalten und walten, als hätte jemand die Schweizer Abwehr auf Standbild gestellt. Doch pünktlich zur Pause schien Vogel seinen Spielern eine klare Ansage gemacht zu haben - vermutlich mit der Lautstärke einer startenden Boeing. Jedenfalls kam Chiasso aus der Kabine, als hätte jemand den Offensivschalter gefunden.

46. Minute: Thomas Claude flankt präzise von links, Louis Erdmann steigt hoch und köpft wuchtig zum 1:1 ein. Der Jubel war so groß, dass selbst Ersatzkeeper Nathan Van Bocxlaer auf der Bank die Trinkflasche in die Luft schleuderte - ein Vorgeschmack auf seinen späteren Auftritt, als er in der 69. Minute für den 32-jährigen Andre Abati zwischen die Pfosten kam.

Erdmann hatte da aber noch nicht genug. In der 61. Minute schob er nach schöner Vorlage von Isaac Millington zum 2:1 ein. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass der Ball drin ist", grinste der dreifache Torschütze später. Ein Satz, der wohl in jedem Nachwuchs-Camp ab sofort verboten wird.

Genclerbirligi versuchte, das Spiel zu beruhigen, spielte weiterhin "balanced", wie es die Taktikvorgabe von Avci vorgab, aber auf dem Platz war längst Chiasso-Time. 17 Torschüsse für die Hausherren gegenüber 9 der Gäste sprechen eine deutliche Sprache. Die Schweizer waren giftig, aggressiv - manchmal zu sehr: Youngster Ricardo Rodriguez sah Gelb (42.), Xavi Gonzalez ebenfalls (64.) und Innenverteidiger Jamie MacDuff ließ sich in der 83. Minute zu einem völlig überflüssigen Platzverweis hinreißen. "Er sagte mir, er habe den Ball gespielt", erzählte Vogel kopfschüttelnd, "aber ehrlich gesagt: Der Ball war da längst in der Kabine."

Doch Chiasso ließ sich von der Unterzahl nicht beirren. Im Gegenteil: In der 81. Minute vollendete erneut Erdmann, diesmal nach Vorlage von Rechtsverteidiger Xavi Gonzalez, zum 3:1. Ein lupenreiner Hattrick über zweite Halbzeit verteilt - und das in einem Spiel, das zur Pause noch verloren schien.

Auf der Tribüne tanzten die Fans, und Vogel rang sich sogar ein Lächeln ab. "Wenn Erdmann so weitermacht, muss ich ihm irgendwann eine eigene Kabine bauen", witzelte der Trainer. Erdmann selbst blieb bescheiden - zumindest halbwegs: "Ich wollte einfach zeigen, dass man auch mit 44 Prozent Ballbesitz Spaß haben kann."

Bei den Türken dagegen hingen die Köpfe. Avci sprach von einer "bitteren Lektion in Effektivität" und lobte den Gegner: "Chiasso hat aus wenig sehr viel gemacht - wir dagegen aus viel fast nichts." Sein Stürmer Javier Helguera hatte mehrere gute Chancen, scheiterte aber immer wieder am glänzend reagierenden Abati - bevor dieser ausgewechselt wurde.

So endete der Abend mit einem Ergebnis, das sich deutlicher liest, als es der Spielverlauf vielleicht war. Doch Chiasso war in den entscheidenden Momenten gnadenlos effizient - und das macht in der Champions League eben den Unterschied zwischen Gruppenkeller und Achtelfinale.

Als die Spieler später in der Mixed Zone vorbeikamen, fragte ein Journalist Louis Erdmann augenzwinkernd, ob er den Ball mitgenommen habe. "Natürlich", grinste er, "der kommt ins Wohnzimmer - gleich neben den Fernseher, auf dem ich mir das morgen nochmal anschaue."

Ein Abend, an dem ein 25-jähriger Mittelstürmer aus Chiasso zum Helden wurde, ein Trainer wieder lachen konnte und 59.000 Zuschauer das Stadion mit dem Gefühl verließen, gerade ein kleines Fußballmärchen erlebt zu haben - mit drei Toren, einer roten Karte und einer ordentlichen Portion Drama.

Und wer weiß: Vielleicht wird man in Chiasso in ein paar Jahren noch sagen - das war der Tag, an dem Louis Erdmann zum "Erdmännchen des Wunderabends" wurde.

30.04.643987 23:25
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